Politik

Hagen: Mehr Frauen für Kommunalpolitik begeistern

„Frauen in Mandaten“ (von links): Silvia Baltuttis (Hagen Aktiv), Melanie Purps (CDU), Ursula Bartscher (Die Linke),  Monika  Schlößer (FDP) und  Karin Nigbur-Martini(Hagen Aktiv).

„Frauen in Mandaten“ (von links): Silvia Baltuttis (Hagen Aktiv), Melanie Purps (CDU), Ursula Bartscher (Die Linke),  Monika  Schlößer (FDP) und  Karin Nigbur-Martini(Hagen Aktiv).

Foto: Yvonne Hinz

Hagen.   „Frauen in Mandaten“ heißt die Gruppe, die sich jetzt gegründet hat. Sie will Frauen für die Politik vor der eigenen Haustür begeistern.

Dass Frauen in der Politik deutlich unterrepräsentiert sind, ist nicht neu. Was aber wohl nicht jedem bewusst sei dürfte: Im Bundestag ist der Anteil an Frauen prozentual gesehen höher als vor Ort, also in den Stadträten und Kreistagen.

Verwunderlich? „Nun ja, in den Landtagen und im Bundestag werden die Frauen als professionelle Mandatsträgerinnen, die sich bereits durchgekämpft haben, gesehen, akzeptiert und in ihren Positionen unterstützt. In der eigenen Stadt ist das oft nicht so“, sagt CDU-Ratsfrau Melanie Purps und ergänzt: „Dabei ist die kommunale Ebene die Wurzel der Demokratie und daher für Mitbestimmung und Mitgestaltung so wichtig.“

Arbeitskreis gegründet

Aus diesem Grund haben sich Frauen aller Hagener Rastfraktionen (mit Ausnahme der AfD) vor der im Herbst 2020 stattfindenden Kommunalwahl zusammengeschlossen, um den Arbeitskreis „Frauen in Mandaten“ zu gründen.

Klingt theoretisch und wenig konkret? „Nein“, sagen die ­engagierten Frauen, die sich ab sofort nicht turnusmäßig ­treffen, um sich auf langen ­Sitzungen auszutauschen, sondern schnell, spontan und unkompliziert per Whatsapp-Gruppe kommunizieren.

Workshops für Frauen

So werden gemeinsame Speed-Datings, zu denen Frauen aus verschiedenen Gruppen oder Vereinen eingeladen werden, veranstaltet und Workshops, in denen es um Frauen in der Kommunalpolitik gehen soll, organisiert.

„Die Workshops werden von der EAF, also der Europäischen Akademie für Frauenförderung, durchgeführt“, erläutert Melanie Purps. Bereits vor zehn Jahren habe man mit der EAF in Hagen erfolgreich zusammengearbeitet, um auf die Notwendigkeit von mehr Frauen in der Kommunalpolitik hinzuweisen.

Ohne Konkurrenzgedanken

„Wir arbeiten überparteilich und ohne Konkurrenzgedanken zusammen“, unterstreicht Karin Nigbur-Martini, „schließlich verfolgen wir alle das gleiche Ziel, nämlich Frauen für Politik zu begeistern.“

Wobei die Hagen-Aktiv-Ratsfrau unterstreicht, dass Frauen nicht nur für soziale Belange – nicht nur für Kinder, Küche, Kirche – zuständig seien, sondern auch in Wirtschaftsthemen mitentscheiden müssten.

Im Hagener Stadtrat liegt der Frauenanteil bei etwa 30 Prozent, in manchen Bezirksvertretungen und Ausschüssen ist der Anteil noch niedriger. „Ich bin in unserem Ortsverein die einzige Frau“, sagt ­Monika Schlößer (FDP) kopfschüttelnd.

Eine Menge Lebenserfahrung

Gründe für die Unterrepräsentanz in der Kommunalpolitik?

„Alleinerziehende sind meist weiblich und meist übernehmen auch Frauen die Pflege von Angehörigen. Das kostet Zeit“, sagt Ursula Bartscher (Die Linke). Dadurch hätten Frauen aber auch eine hohe Lebenserfahrung, die sie unbedingt in die Politik einbringen sollten.

In Schulen, Vereinen, Migrationsstellen und in der eigenem Nachbarschaft will der Arbeitskreis „Frauen in Mandaten“ nun Klinken putzen gehen, um andere Frauen für die Kommunalpolitik zu interessieren und ihnen die Botschaft „Das könnt ihr auch!“ mit auf den Weg zu geben.

„Wir hoffen, dass wir dadurch viele Unterstützerinnen finden, damit nicht Gruppierungen, die weit rechts stehen, noch mehr an politischer Macht gewinnen“, resümiert Melanie Purps.

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