Innenstadt Hagen

Hagen: Nach Flut sind Events in der City wichtiger denn je

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Die Hagener Rathaus-Galerie (wie auch die Volme-Galerie) sind nach dem Hochwasser Mitte Juli noch immer geschlossen.

Die Hagener Rathaus-Galerie (wie auch die Volme-Galerie) sind nach dem Hochwasser Mitte Juli noch immer geschlossen.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.  Die beiden Einkaufspassagen in der Hagener Innenstadt sind noch immer geschlossen. Warum es sich dennoch lohnt, die City zu besuchen.

Packpapier verhindert den Blick in ein leerstehendes Ladenlokal, daneben ein lieblos mit Krimskrams dekoriertes Schaufenster, gegenüber eine Billig-Bäcker-Filiale, ein paar Meter weiter ein Handy-Laden und ein Ein-Euro-Shop. Die Hagener Innenstadt punktet nicht gerade mit Charme und einer attraktiven­ Fußgängerzone, die zum Bummeln einlädt.

Einige Fachgeschäfte fallen positiv aus dem Rahmen, haben gepflegte Fassaden und hochwertige Auslagen, doch etliche Läden (besonders in den Randlagen wie der unteren Elberfelder Straße oder in kleinen Seitenstraßen) wirken schmuddelig, lieblos geführt und wecken kaum Einkaufslust.

Schon vor einem halben Jahr hat Ralf Quardt im Rahmen der Serie „Bei uns ums Eck“ ein Gesamtkonzept für die Hagener Innenstadt gefordert und unterstrichen, dass „eine kosmetische Operation, ein bisschen hier und da Aufhübschen“ nicht ausreiche und man nicht über kleines Geld rede.

Unschöner Flickenteppich

Quardt, der seit knapp fünf Jahren Bezirksbürgermeister in Hagen-Mitte ist, bemängelte damals im Gespräch zum Beispiel den Flickenteppich, sprich, die unschönen Teerlöcherausbesserungen, die die Elberfelder Straße „zieren“ und klagte über zu wenige Sitzgelegenheiten, die zum Verweilen animieren würden.

Und heute? Hat sich die Situation geändert? „Das Hochwasser Mitte Juli hat viel zerstört, Rathaus- und Volme-Galerie samt Parkhäuser sind noch immer geschlossen. Die Bauverwaltung ist beinahe noch immer gelähmt durch die ganzen Widrigkeiten“, sagt der 65-Jährige mit Verständnis in der Stimme. Der Wirtschaftsbetrieb Hagen sei noch immer mit der Gefahrenabwehr beschäftigt, vielerorts sei an Wiederaufbau noch gar nicht zu denken. Und daher in nächster Zeit wohl auch kaum an eine bauliche Aufwertung der Innenstadt, „nun gibt es andere Prioritäten“.

Mehr als ein reiner Ort zum Einkaufen

Dennoch hofft Ralf Quardt, dass die City lebendiger und attraktiver wird. Eine Innenstadt sei heute eben kein reiner Raum mehr zum Einkaufen, sondern eine Stätte, in der sich Einzelhandel, Dienstleistungen und Gastronomie gegenseitig befruchten sollten. „Und Events, Feste und Märkte sind wichtige Bestandteile, die Leute anziehen und Leben in die Stadt bringen“, betont der Bezirksbürgermeister.

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Dem pflichtet Wladimir Tisch bei. Der Vorsitzende der City Gemeinschaft Hagen (die Werbegemeinschaft hat derzeit 58 Mitglieder) blickt nach gerade für die Einzelhändler schwierigen Corona-Monaten verhalten optimistisch in die Zukunft.

Die (Vor)-Weihnachtswochen sind für den Handel die mit wichtigste Zeit des Jahres und für City-Bummler interessant, wenn man ihnen­ Attraktives bietet.

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„Wir arbeiten aktuell daran, gemeinsam mit den Schaustellern und Dirk Wagner als Veranstalter des Weihnachtsmarktes eine Weihnachtsbeleuchtung in der City zu realisieren“, sagt Wladimir Tisch. „Licht lockt Leute“ – die Aussage ist banal, aber wahr.

Außerdem arbeitet Wladimir Tisch gerade an einem Antrag für einen verkaufsoffenen Sonntag in der Adventszeit am 19. Dezember. Erfahrungsgemäß ist die City an offenen­ Sonntagen rappelvoll und „brummt“.

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Aber zurück zur Frage, ob sich in der Innenstadt in den letzten Monaten etwas getan hätte. In der Mittelstraße hat sich das ehemalige WMF-Ladenlokal, das über Monate leer stand, in einen schicken, zentralen Treffpunkt, der sich M 12 (Mittelstraße 12) nennt, verwandelt. „Innerhalb­ des ,Sofortprogramms Innenstadt‘ hat sich die Hagen-Agentur dafür stark gemacht, selbst eine Immobilie in der Mittelstraße anzumieten mit dem Ziel, einen inspirierenden­ Ort zu schaffen, der dazu einlädt, gemeinsam Ideen zu kreieren und zu präsentieren“, sagt Kirsten Fischer, Prokuristin der Hagen-Agentur.

Leeres Ladenlokal wird zu M 12

Das M 12 erstreckt sich über zwei Etagen. Im Erdgeschoss sind die Tourist-Information und eine Entdecker-Lounge ansässig, in der ersten Etage ein Co-Creation-Space.

Was sich hinter dem Begriff „Co-Creation-Space“ verbirgt? „In dem ,kreativen Raum‘ können sich Hagener Unternehmer treffen, um gemeinsam mit uns, also der Hagen-Agentur, an neuen Ideen zu basteln“, erläutert Kirsten Fischer. Das M 12 soll ein Paradebeispiel dafür sein, wie ein leerstehendes Ladenlokal wachgeküsst wird, neue Angebote präsentiert und somit Leben in die City bringt.

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