Corona

Hagen: Naturhaus „Marienhof“ punktet durch Action im Freien

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Garten- und Waldpädagogin Silke Krüger (links) und Biologin Kristin Mindemann im Erlebnisgarten samt Kräuterschnecke. Die beiden Marienhof-Mitarbeiterinnen stellen fest, dass das Jugendgästehaus durch Corona noch mehr an Beliebtheit gewonnen hat.

Garten- und Waldpädagogin Silke Krüger (links) und Biologin Kristin Mindemann im Erlebnisgarten samt Kräuterschnecke. Die beiden Marienhof-Mitarbeiterinnen stellen fest, dass das Jugendgästehaus durch Corona noch mehr an Beliebtheit gewonnen hat.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.  Das Hagener Jugendgästehaus Marienhof ist seit Corona oft ausgebucht. Der Alltag findet dort draußen oder im Zelt statt. Was neu ist im Angebot.

Nach den Sommerferien ging es im „Naturerlebnis Marienhof“ richtig ab. „Wir hatten von Schulen und anderen Einrichtungen so viele Anfragen, dass wir etlichen Gruppen absagen mussten“, blickt Garten-und Waldpädagogin Silke Krüger zurück. Das Jugendgästehaus mit seinen 45 Betten war komplett ausgebucht, und es fehlten Pädagogen für den spielerischen Unterricht in freier Natur.

„Als Corona-Gewinner wollen wir uns nicht bezeichnen, auch unsere Einrichtung musste sich während der Pandemie an das Beherbergungsverbot halten, aber wir hatten und haben bessere Möglichkeiten, mit Einschränkungen klar zu kommen“, sagt Silke Krüger, die seit drei Jahren in der Einrichtung hoch über den Dächern von Hagen - in der Brunsbecke im Volmetal - arbeitet. Der Grund liegt auf der Hand: „Unser Alltag ist draußen.“

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Nicht nur Corona und die mit der Pandemie einhergehenden Vorschriften wie Abstand halten und lüften bescheren dem „Naturerlebnis Marienhof“ einen wahren Hype, sondern eine bei mittlerweile vielen Menschen auch größere Sensibilität für Klimaschutz sowie für Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen.

Der Marienhof beschäftigt sich nicht erst seit gestern mit diesen Themen - seit Jahrzehnten dreht sich in der Einrichtung alles um Natur, doch erhält der Begriff „Outdoor“ in Coronazeiten einen noch viel höheren Stellenwert.

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„Seit Corona essen wir mit unseren Gästen auch fast immer draußen“ gibt Biologin Kristin Mindemann ein Beispiel und ergänzt lächelnd: „Mittlerweile sind wir beinahe Weltmeister im Bauen provisorischer Dächer und beim Spannen irgendwelcher Schutzplanen.“

Das zweigeschossige, fast im Wald versteckte Gebäude Marienhof ist fast 90 Jahre alt, „es gibt einen Bauakten-Eintrag von 1933“, weiß Silke Krüger. Früher wurde das Haus von Nonnen aus dem Marienhospital bewohnt, seit den 1980er Jahren wird es als Natur- und Jugendeinrichtung genutzt, 2019 ist der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) eingestiegen.

Seitdem sind dort drei hauptamtlich Beschäftigte im Einsatz, ferner zwei Bundesfreiwilligendienstler (Bufdis), außerdem gibt’s Unterstützung durch das Hausmeister-Ehepaar, eine Bürokraft, einige Honorarkräfte und etliche Ehrenamtliche.

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„In eineinhalb Wochen wird unser Barfuß-Pfad durch unsere Kindergruppe wieder auf Vordermann gebracht. Wenn die Fläche vom Laub befreit ist, werden wir Sand, Rindenmulch, Kies und größere Steine platzieren, dann ist der beliebte Pfad wieder frühlingsfit“, erläutert Kristin Mindemann.

Beim Gang über das Gelände erreicht man schnell den Erlebnisgarten mit etlichen Hochbeeten, einem Insektenhotel und einer Kräuterschnecke. „Da hinten ist unsere Streuobstwiese und dort unser Grillplatz“, ergänzt Silke Krüger. „Das ist übrigens ein Corona-Resultat“, sagt die Waldpädagogin und zeigt mit dem Finger auf eine Jurte (Nomadenzelt), „dort finden jetzt im Freien, jedoch überdacht, größere Gruppentreffen statt“.

Mehr als nettes Spielen im Wald

Silke Krüger und Kristin Mindemann scheinen in ihrer Arbeit aufzugehen. „Hier geht es um mehr als nettes Spielen im Wald“, unterstreichen die beiden Frauen, „wir nutzen die Neugier der Kinder, um ihnen ganz viel zu vermitteln“.

Wer den Marienhof besucht? Häufig buchen Grundschulen aus der Region die Einrichtung für drei bis fünftägige Klassenfahrten. Kindergarten- oder Berufsschulgruppen gastieren meist für einen Tag in der Brunsbecke. An Wochenenden buchen Jugend- oder Kirchengruppen das Jugendgästehaus, und auch Träger, die im Bereich Jugend(aus)bildung tätig sind, gastieren in dem Gebäude, das über zwei voll ausgestattete Küchen verfügt. „Küchenpersonal gibt’s bei uns allerdings nicht. Hier ist - und das ist gewollt so - selber kochen angesagt“, unterstreicht Silke Krüger und ergänzt: „Wir stehen meist unterstützend zur Seite und geben Tipps zu gesunder Ernährung und Kräutern aus der Umgebung.“

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Aufgrund der durch Corona erhöhten Nachfrage nach Outdoor-Aktivitäten hat das Marienhof-Team sein Angebot für 2022 erweitert. So werden als Tagesaktionen Vogelexkursionen und Wildkräuterspaziergänge (samt Verköstigung) angeboten oder junge Teilnehmer im Lehmofenbau und Holzscheibenbasteln fit gemacht. Im Rahmen der Kinder-Ferienfreizeiten werden Outdoorübernachtungen samt Essen am Lagerfeuer angeboten. In Seminaren, die sich an (junge) Erwachsene wenden, geht es um „Schlafen in der Hängematte“ oder um Aufbauarten von Tarps (Planenzelte) samt Knotentechniken.

„Wir sind auf jeden Fall fürs Frühjahr gewappnet“, betonen Silke Krüger und Kristin Mindemann. Dann werde auch die Imkerin, mit der der Marienhof seit dem letzten Jahr zusammenarbeitet, das Team wieder besuchen und nach den Bienenstöcken, die auf dem Areal stehen, schauen. „Und unsere neue Naturtheaterbühne kann von den bei uns gastierenden Kindern selbst bespielt werden“, machen die beiden Frauen auf noch mehr Action auf dem Freigelände neugierig.

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