Bunker-Museum

Hagen: „Nie wieder Krieg“ ersetzt den Hotel-Schriftzug

Michaela und Gottfried Beiderbeck haben an ihrem Bunker in der Bergstraße den Schriftzug „Nie wieder Krieg!“ montieren lassen.

Michaela und Gottfried Beiderbeck haben an ihrem Bunker in der Bergstraße den Schriftzug „Nie wieder Krieg!“ montieren lassen.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen-Mitte.  Der Schriftzug „Nie wieder Krieg!“ ziert den Hagener Bunker in der Bergstraße. Dazu gibt es ein Rahmenprogramm zum Kriegsende vor 75 Jahren.

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Pünktlich zum Ende des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren wartet das Hagener Bunker-Museum in der Bergstraße mit einem eindringlichen Appell auf: „Nie wieder Krieg!“ prangt seit einer Woche in rostig gehaltenen Lettern an der Front des Stahlbeton-Kolosses. Die Montage des elf Meter breiten Schriftzuges möchten die Museums-Betreiber Michaela und Gottfried Beiderbeck mit szenischen Darstellungen zum Kriegsende garnieren. Ein Stück gelebte Geschichte, das bei Stadt-Historiker Ralf Blank allerdings auf große Skepsis trifft (siehe Interview).

Immer wieder hatte das Ehepaar Beiderbeck sich bei Führungen durch den Hochbunker von interessierten Gästen der Frage stellen müssen, wozu denn eigentlich der Stahlrahmen über dem Mittel-Eingangstor diene? Einst war an der Trägerkonstruktion der Name „Hotel Stadt Hagen“ befestigt, denn in dem fensterlosen Bau standen bis in die 60er-Jahre etwa 100 Gästezimmer zur Verfügung.

Direkt nach Kriegsende in Hagen im April 1945 wurde der „Luxus-Bunker“, der stets über Heizung, Trinkwasserbrunnen und Notstromaggregate verfügte, weitergenutzt. Zunächst bot der Bau ausgebombten Hagenern Obdach und schaffte den notwendigen Raum für erste Ladenlokale. Nachdem die Menschen über Wohnraumumverteilungsprogramme andere Bleiben gefunden hatten, etablierte sich an der Stelle über Jahre ein florierender Hotelbetrieb. Dazu gehörte der Gastronomie-Betrieb „Jägers gute Stube“ mit seinem Gartenlokal vor der Hotelpforte.

Mit Denkmalschutz abgestimmt

„Da der historische Hotel-Schriftzug inzwischen spurlos verschwunden ist, haben wir uns in Abstimmung mit den städtischen Denkmalschützern für das Zitat von dem berühmten Käthe-Kollwitz-Plakat entschieden“, erläutert Michaela Beiderbeck den Entscheidungsgang. „Die Notwendigkeit, durch den Schriftzug der Springerstiefel-Fraktion die Stirn zu bieten, hat sich für uns nie ergeben. Wir wollten an der Stelle auch keine Werbung, sondern lieber eine klare Botschaft transportieren.“

Die Friedensbotschaft soll auch im Mittelpunkt der nächsten Sonderveranstaltung des Bunker-Museum stehen, die sowohl am letzten Januar-Wochenende als auch in etwas umfangreicherer Form im Mai diesen Jahres angeboten wird. Eine aus dem Köln/Bonner Raum stammende Schauspielgruppe um Historiker, Pädagogen und wissenschaftliche Mitarbeiter („Living History“) wird in Kostümen der US-Truppen rund um den Bunker authentisch Szenen aus der Besatzungszeit nachstellen. Die Registrierung deutscher Zivilisten durch amerikanische Soldaten wird dort ebenso nachgestellt wie ein Airforce-Hauptquartier. Dazu wird original Muckefuck-Kaffee aus einer Notküche serviert.

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