Kultur

Hagen: Poetry-Slammer trifft Zahn der Zeit

Gastierte in der Pelmke: Poetry-Slammer Sebastian 23

Gastierte in der Pelmke: Poetry-Slammer Sebastian 23

Foto: Friederike Becht

Hagen-Wehringhausen.  Welche Themen beim Slampoeten Sebastian 23, der in Hagen in der Pelmke auftrat, besonders beliebt sind.

„Treffen Kultur, Philosophie, Musik und Politik auf einen Wortkünstler…“ Was wie der Anfang eines Witzes klingt, wird in der Poetry-Slam-Szene zur Realität. So jetzt auch im Kulturzentrum Pelmke, als der deutsche Slampoet, Buchautor und Comedian Sebastian 23 seine Tour zum im März erschienenen Buch „Cogito, Ergo dumm“ fortsetzte und über das Thema Dummheit referierte.

Ausverkaufter Saal

Eben dieses ungewöhnliche Thema lockte alte und neue Poetry-Slam-Besucher in den ausverkauften Saal. Zwar mit strenger Hygieneregelung, aber nicht weniger gemütlich, verlief der Abend mit offenem Programm. Denn die Beteiligung des Publikums ist nach wie vor erwünscht: Text- und Liedwünsche werden begeistert entgegengenommen und das Publikum wird aufgefordert, an passenden Stellen mit zu summen und auch an unpassenden Stellen mitzulachen.

Durch die vielseitigen Beiträge des Slampoets wird das Publikum nahezu mitgerissen und erkundet unter humorvoller Anleitung die verschiedenen Seiten der menschlichen Dummheit. Und plötzlich erwachen die Wörter zum Leben, winden sich aus ihren Konnotationsmänteln, verändern ihre Farbe, ihre Bedeutung und ihren Klang, bis sie sich schließlich in den Köpfen des Publikums zu einem neuen Ganzen zusammenfügen.

Umgangssprache und Jugendsprache werden kombiniert mit dem Fachjargon eines erfahrenen Dichters und beschreiben aktuelle Situationen, in denen sich jeder im Publikum schon einmal wiedergefunden hat.

Mit Humor und Ironie gewürzt

Die sowohl gesellschafts- als auch selbstkritischen Texte sind nicht nur mit Ironie gewürzt; Humor liegt ihnen stattdessen bereits als Fundament zugrunde: „Es ist eine ganz neue Erfahrung auf diese Weise mit Bekanntem konfrontiert zu werden.“

Durch klassische Poetry-Slam-Texte, Auszüge aus den Büchern des Autors und beeindruckende Wortspiele kamen nicht nur Poetry-Slam-Kenner auf ihre Kosten: „Obwohl ich erst dachte, Poetry-Slam wäre eher etwas für jüngere Generationen, habe ich mich in diese Art der Lyrik verliebt“, äußert sich eine ältere Besucherin.

Als „unvergleichliche Sogwirkung“ beschreiben auch andere Besucher den Effekt der von Sebastian 23 vorgetragenen Texte. Dieser manövrierte die Zuschauer gekonnt durch Anekdoten über das Flirten mit Mundschutz, Generationskonflikte und das Sterben im Schlafanzug und bewies seine überragende Textsicherheit.

Und trotz der ernst gemeinten Versicherung des Humorautors, das Publikum werde die Vorstellung nicht schlauer verlassen, konnte man neues erfahren: Zum Beispiel über den Kakapo, einen flugunfähigen Vogel ohne Fluchtinstinkt, der die Hoffnung, das Fliegen lernen zu können, noch immer nicht aufgegeben hat oder über die Entscheidung eines Rates, den Klimawandel zu leugnen, nachdem die Sitzung aufgrund einer Überschwemmung des Saals unterbrochen werden musste. Gesang und Gitarrenspiel sorgten für Abwechslung zwischen den Wortspielen. So endete die Vorstellung auch mit einer musikalischen Zeile: „Geh, aber tanze, statt zu laufen!“

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