Blaulicht

Hagen: Polizei fängt falschen Polizisten - Raser abkassiert

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Ein falscher Polizist aus Hagen hat Autofahrer auf Autobahnen angehalten und abkassiert. Jetzt hat die echte Polizei ihn geschnappt.

Ein falscher Polizist aus Hagen hat Autofahrer auf Autobahnen angehalten und abkassiert. Jetzt hat die echte Polizei ihn geschnappt.

Foto: Olaf Ziegler / Funke Foto Services GmbH

Hagen.  Ein falscher Polizist aus Hagen ist der Polizei ins Netz gegangen. Der Mann hatte vermeintliche Raser auf Autobahnen angehalten und abkassiert.

Das unglaubliche Doppelleben eines Hageners (20): Er wechselte einfach nur seine Uniformen. Als Sanitäter saß er im Rettungswagen, als falscher Polizist zockte er Autofahrer ab. Jetzt ging der junge Mann, der in Hagen lebet, den echten Beamten im Lahn-Dill-Kreis (Hessen) ins Netz: Die Serie von mindestens zehn Fällen nächtlicher Wegelagerei an der A 45 scheint aufgeklärt.

Seit Juni jagten die Autobahnpolizei Dortmund, die Polizei des Märkischen Kreises und die Polizei des Kreises Unna monatelang einem regelrechten Phantom hinterher. Auf verschiedenen Autobahnabschnitten der Sauerlandlinie, in Höhe Lüdenscheid oder auf dem Rastplatz Rölveder Mühle (bei Schalksmühle), einmal auch auf der A 1/A 44, in Höhe Raststätte Lichtendorf (bei Schwerte), war aus der Dunkelheit ein 5er-BMW aufgetaucht.

Falscher Polizist in Uniform

Das Fahrzeug überholte. Auf einer Tafel im Heck leuchtete „Bitte folgen“ auf. Zugleich ragte eine rote Anhaltekelle aus dem Seitenfenster heraus.

Ein junger Mann, augenscheinlich in Uniform der Bundespolizei, steigt aus dem schwarzen BMW mit flackerndem Blaulicht. Zeugen beschreiben ihn später als „20 bis 30 Jahre alt, blond und mit nach hinten gegeltem Haar“. Er wirft den angehaltenen Autofahrern eine Geschwindigkeitsüberschreitung vor, die er sanktionieren müsse. Weil er aber kein EC-Kartenlesegerät dabeihabe, würde nur Bargeld akzeptiert.

Raser zahlen bis zu 440 Euro

Die arglosen „Raser“ zahlen – je nach Härte des Vorwurfs Bußgelder zwischen 80 und 440 Euro. Sie erhalten darüber eine Quittung. Doch diese ist so falsch wie der angebliche Polizist. Mindestens zehnmal hat der junge Mann mit seiner nächtlichen Abzock-Masche Erfolg. Die Dunkelziffer, so glaubt man bei der Polizei im Märischen Kreis, könnte aber durchaus höher sein.

Doch dann, am 2. Oktober, einem Samstag, gelingt der hessischen Polizei der erfolgreiche Zugriff: Gegen 1.50 Uhr morgens war in der Gemeinde Sinn ein Autofahrer von dem schwarzen BMW gestoppt worden. Auch dieser angebliche Raser sollte ein Verwarngeld zahlen, doch ihm kam das alles zu merkwürdig vor. Heimlich benachrichtigte die Polizei des Lahn-Dill-Kreises. Kurz darauf nehmen echte Beamte den falschen Kollegen fest.

Mit Pistole und Pfefferspray

Es handelt sich um einen jungen Hagener, der eine Uniform, ähnlich der Bundespolizei, anhatte und eine Schreckschuss-Pistole und Pfefferspray bei sich trug. Am professionell ausgestatteten BMW blinkte „Stop Polizei“ in der Sonnenblende, im inneren lagen falsche gefälschte Bundespolizei-Kennzeichen, ein Funkgerät sowie ein Quittungsblock über einkassierte Verwarngelder. Die Beschreibung des vorläufig Festgenommenen passt auf den Täter, der auch im Märkischen Kreis aktiv war.

Nun ermittelt die Polizei gegen ihn wegen Erpressung, Betrug, Amtsanmaßung, Verstoß gegen das Waffengesetz und Kennzeichenmissbrauchs. Trotz der erdrückenden Beweislage leugnet der Angeschuldigte die ihm zur Last gelegten Taten. Er befindet sich derzeit auf freiem Fuß. Ob er aber wieder auf die Beine kommt, ist unklar. Beim Deutschen Roten Kreuz Hagen, wo er bis Sommer vergangenen Jahres hauptberuflich tätig war und aufgrund von Unregelmäßigkeiten gehen musste, aber derzeit noch immer als ehrenamtlicher Ersthelfer tätig ist. Oder bei der Feuerwehr in Iserlohn, wo er zurzeit als Praktikant im Rettungsdienst arbeitet.

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