Polizei

Hagen: Vater und Sohn schlagen Polizisten, Justiz ist milde

Die Polizei in Hagen ist immer wieder Angriffen ausgesetzt.

Die Polizei in Hagen ist immer wieder Angriffen ausgesetzt.

Foto: Michael Kleinrensing / WP Michael Kleinrensing

Hagen.  Nach einer Attacke am Bahnhof in Hagen ist ein Polizist drei Wochen dienstunfähig, doch ein Arzt und ein Student kommen glimpflich davon.

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Drei Wochen war der Polizist nach der Attacke dienstunfähig: Ein Vater und ein Sohn – der eine Arzt, der andere Student – hatten den Beamten vor gut einem Jahr am Hauptbahnhof attackiert. Jetzt ist der Fall vor dem Amtsgericht verhandelt worden, doch die Tat bleibt weitgehend ungesühnt. Und das kritisiert die Polizeigewerkschaft.

Rückblick auf Halloween 2018: In der Bahnhofshalle am Hagener Hauptbahnhof kommt es zu einer Schlägerei – die Bundespolizei bittet die Hagener Polizei um Unterstützung. Die Lage ist zunächst unübersichtlich, weil zeitgleich ein Sonderzug mit Fußballfans aus Dortmund am Bahnhof hält.

Darunter eine Sechser-Gruppe aus Hagen. Ein uniformierter Polizist (33) will einen Studenten aus Gruppe kontrollieren, auf den eine Personenbeschreibung passt – doch er ignoriert den Beamten und geht einfach weiter: „Ich habe ihn nicht als Polizisten erkannt, es war einfach viel zu viel los in der Bahnhofshalle und durch die Baustelle im Eingangsbereich alles sehr eng“, so der Psychologie-Student bei seiner Aussage vor dem Amtsgericht.

Der Beamte will ihn von hinten aufhalten, doch plötzlich soll der Student um sich geschlagen und dem Polizisten einen heftigen Faustschlag ins Gesicht verpasst haben. Beide fallen in die Baustelle. Der junge Mann soll versucht haben, sich loszureißen und abzuhauen – dessen Vater (57) soll ihm zu Hilfe geeilt sein und ebenfalls auf den Polizisten eingeschlagen haben. Schließlich setzt der Beamte Pfefferspray ein. Mit der Hilfe weiterer Polizisten kann die Lage entschärft werden.

Gegen Vater und Sohn wird danach wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte ermittelt. Der niedergeschlagene Polizist ist schließlich nach dem Vorfall wegen einer schweren Handverletzung drei Wochen lang dienstunfähig.

Keine weiteren Zeugen

Doch strafrechtlich wird am Ende wenig bleiben. Die Staatsanwaltschaft stellt das Verfahren gegen den Arzt wegen Geringfügigkeit ein. Sein Sohn muss sich ein Jahr nach dem Vorfall schließlich vor dem Amtsgericht verantworten. Der 24-Jährige räumt ein: „Es ist viel aus dem Ruder gelaufen und es spiegelt nicht meine Persönlichkeit wider.“ Er habe unter Alkoholeinfluss (0,9 Promille) gestanden und könne sich nur noch teilweise erinnern. Sein Vater, der als Zeuge auftritt, stützt die Aussage des Sohns.

Weitere Zeugen und der geschädigte Polizist werden allerdings nicht geladen und gehört. Nach einem Rechtsgespräch dann ein Urteil: auch das Verfahren gegen den bisher unauffälligen Studenten wird vorläufig eingestellt, wenn er binnen drei Monate 50 Sozialstunden ableistet.

„Bei solchen milden Urteilen müssen unsere Kollegen schon schlucken“, sagt Michael Mertens, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) und fordert spürbare Strafen durch die Justiz. „Wer Polizeibeamte angreift, greift den Staat an – und muss dann mit entsprechenden Konsequenzen rechnen. Das Recht muss angewendet werden, damit die Gewalttäter es ernst nehmen.“ Einstellungen von Verfahren sind nach Ansicht der Gewerkschaft ein Skandal, dass führe mit zur Verrohung der Gesellschaft.

Positiv sieht die Gewerkschaft die Anschaffung der rund 9000 Bodycams für die Polizei in NRW: „Mit ihrer Hilfe können nicht nur kritische Situationen entschärft, sondern auch in der Entstehung verhindert werden.“ Die Hagener Polizei wartet derzeit auf die Auslieferung der Körperkameras.

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