Politik

Hagen: Wählen ist großes Kino – Aktion von jungen Wählern

| Lesedauer: 3 Minuten
Jugendliche aus Hagen haben sich mit dem Thema Föderalismus beschäftigt. Daraus sind Plakate entstanden, mit denen sie die Hagener aufrufen, zur Wahl zu gehen. Das Bild zeigt (von links): Delshad, Paul Gaffron, Medine, Gandhi Chahine, Soukaina, Aya, Jeremy und Almir.

Jugendliche aus Hagen haben sich mit dem Thema Föderalismus beschäftigt. Daraus sind Plakate entstanden, mit denen sie die Hagener aufrufen, zur Wahl zu gehen. Das Bild zeigt (von links): Delshad, Paul Gaffron, Medine, Gandhi Chahine, Soukaina, Aya, Jeremy und Almir.

Foto: Jens Stubbe

Hagen.  Junge Menschen, die sich angeblich nicht für Politik interessieren, rufen in Hagen auf, zur Landtagswahl zu gehen. Das ist der Hintergrund.

Sie halten den Colt wie James Bond in der Hand, sie stehen vorn am Bug der Titanic wie Leonardo DiCaprio und Kate Winslet und sie sitzen auf einer Bank wie Tom Hanks als Forrest Gump. Dazu dieser Slogan: „Wählen gehen ist großes Kino.“ So einfach die Botschaft ist, so erfrischend ist dieser Auftritt. Und damit – das ist eben auch Teil dieses Projektes – unterscheiden sich diese Wahlplakate so wohltuend von allen, mit denen die Parteien gerade die Laternen in Hagen bestückt haben.

Hinter den Plakaten allerdings steckt mehr. Dahinter steht ein Projekt, das in erster Linie Jugendliche aus der Gruppe „Lichter der Großstadt“ vorangebracht haben – begleitet vom Verein East West East und dem Kulturzentrum Pelmke. Ganz normale junge Menschen, von denen einige – nicht alle – einen Migrationshintergrund haben, und von denen längst nicht alle am Sonntag selbst ihr Kreuz machen dürfen, haben sich mit dem Thema Föderalismus auseinandergesetzt.

Föderalismus kommt in der Schule nicht vor

Mit einem Thema, das auf den ersten Blick für junge Menschen so spannend klingt, wie ein Bingo-Nachmittag mit Heimorgelbegleitung in einer Altenbegegnungsstätte. Umso mehr erstaunen Sätze wie diese: „Ich habe erst jetzt verstanden, wie wichtig dieses System ist, was dahintersteckt, was es auch ganz konkret mit uns und unserem Alltag zu tun hat“, sagt Almir, 19 Jahre alt. „In zehn Jahren Schule hat mir das nie jemand erklärt. Und auch jetzt, an der Berufsschule, ist mir das Thema Föderalismus nicht einmal im Politikunterricht begegnet.“

Keine Ausnahme – offenbar. Denn auch Soukaina, 17 Jahre alt, die ein Hagener Gymnasium besucht, erklärt. „Föderalismus? In der Schule ist mir das nie begegnet.“

Dafür in diesem Workshop, für den Gandhi Chahine verantwortlich zeichnet. „Bei einem Projekt zur Bundestagswahl ist uns klar geworden, dass die meisten keine Vorstellung haben, was Föderalismus bedeutet, welche politischen Ebenen es in Deutschland gibt“, sagt der Sozialarbeiter, der diesen Job eigentlich nie gelernt hat und den doch ein ganz eigener Zugang zu jungen Menschen auszeichnet. „Der partizipative Ansatz steht dabei immer im Mittelpunkt. Es macht keinen Sinn, den Jugendlichen irgendetwas zu verordnen. Wir entwickeln die Dinge gemeinsam.“

Nicht nur die Plakate, sondern auch eine Diskussion mit den Landtagskandidaten Wolfgang Jörg (SPD), Dennis Rehbein (CDU) und Alexandra Gerull (Grüne) im Kulturzentrum Pelmke. Die wiederum hat Aya (19) moderiert, eine junge Frau, die erst vor wenigen Jahren mit ihrer Familie aus Syrien nach Deutschland gekommen ist. „Das war erstaunlich“, sagt sie, „in vielen Dingen waren sich die drei einig. Sie haben uns wirklich zugehört. Wir haben alle den Wunsch, dieses Treffen zu wiederholen.“

Junge Syrerin würde gerne wählen

Was wiederum ein These unterstreicht, die Gandhi Chahine mit Vehemenz vertritt. „Junge Menschen haben richtig Bock auf Bildung. Aber Schule wirkt da wie ein einsturzgefährdetes Gebäude, bei dem es eigentlich nur hilft, es abzureißen und komplett neu aufzubauen. Bildung kann meiner Meinung nach nur funktionieren, wenn man die jungen Menschen wirklich teilhaben lässt.“

Junge Menschen wie Aya, die sagt: „Ich war noch nie in einer Wahlkabine. Ich würde so gerne wählen, weil die Demokratie ein so tolles System ist. Aber wie die meisten Geflüchteten darf ich das nicht.“

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