Bildung

Hagen: Wie Kinder im Wald leichter Deutsch lernen sollen

Im Wald-Sprachcamp, das von der Stadt Hagen und dem BUND organisiert wird, lernen Kinder die deutsche Sprache in Verbindung mit Aktionen im Wald kennen. 

Im Wald-Sprachcamp, das von der Stadt Hagen und dem BUND organisiert wird, lernen Kinder die deutsche Sprache in Verbindung mit Aktionen im Wald kennen. 

Foto: Silke Krüger / BUND

Hagen.  In einem Waldcamp sollen Hagener Grundschüler spielend die deutsche Sprache lernen. Der Förderbedarf ist groß.

Vormittags Praxis, nachmittags Theorie. So stellt sich das Kommunale Integrationszentrum (KI) der Stadt Hagen ihr Pilotprojekt „Wald-Sprachcamp“ vor. Seit Montag werden rund 30 Grundschulkinder von acht bis elf Jahren auf spielerische Weise in der deutschen Sprache gefördert werden. Auch im „Wald-Wohnzimmer“.

In den laufenden Herbstferien besuchen sie jeden Tag von 9 Uhr bis 16 Uhr ein Gebiet am Betriebshof Loxbaum im Fleyer Wald. Dafür pendeln sie täglich mit den öffentlichen Bussen zwischen Stadtmitte, Bahnhof und zwei Haltestellen an der Feithstraße.

In der Natur angekommen, wird der Wald mit allen fünf Sinnen erkundet: hören, riechen, sehen, tasten und schmecken. Dafür bauen die Schüler in Kleingruppen ihr eigenes „Waldwohnzimmer“ für die kommenden zwei Wochen, mit Stühlen aus Baumstämmen und Gardinen aus Blättern.

Angst vor Bären, Schlangen und Wölfen

Nachmittags steht die Sprachbildung im Mittelpunkt. Dann durchforsten die Kinder den Wald. Ast, Rinde, Regenwurm: Was sie dort finden, wird gemeinsam besprochen, definiert und in einer Wortbox gesammelt.

Der Auftakt am Montag ist geglückt: „Es ist alles super gelaufen“, so Waldpädagogin Silke Krüger vom BUND. „Und auch auf schlechteres Wetter im Laufe der Woche sind wir vorbereitet.“

Es sei wie im Schulunterricht, die Kinder lernten etwas, aber sie sollten es nicht merken, erklärt Kristin Mindemann, Bildungsreferentin der BUND-Kreisgruppe Hagen. Der Verband betreut das Projekt mit fünf sogenannten Waldpädagogen. Eine von ihnen ist Nathalie Schiffmann. Die 18-Jährige hat Anfang Oktober ihren Bundesfreiwilligendienst beim BUND begonnen und wird das „Wald-Sprachcamp“ mindestens für eine Woche begleiten. Im Vorfeld besuchte sie bereits mit den dritten Klassen der Janusz-Korczak-Schule ein Waldgebiet. „Die Kinder gehen dabei auf“, erzählt sie.

Enge Zusammenarbeit mit Grundschulen

Damit das Erlebte nach den Herbstferien in den Unterricht der Grundschulen getragen wird, stehe das Kommunale Integrationszentrum in Kontakt mit den jeweiligen Lehrern der Schüler, betont Anja Schaube vom KI.

Um im Vorfeld förderbedürftige Schüler für das Wald-Sprachcamp zu finden, schrieb sie alle Hagener Grundschulen an. Sie habe nicht Schwerpunktschulen mit einem hohen Anteil an migrantischen und zugewanderten Schülern ausgesucht, sagt Schaube, sondern auch die Lehrer gefragt, welche Kinder einen besonderen Sprachförderbedarf hätten. Viele Kinder würden aus familiären Gründen nicht mit dem Wald in Berührung kommen, erklärt Mindemann. „Es gibt in einigen Familien eine irrationale Angst vor Wildtieren wie Bären, Schlangen oder Wölfen“, sagt sie.

Bedarf ist groß, deshalb soll Projekt weiter gehen

In Hagen ist der Bedarf an der Sprachförderung bei Kindern groß. Das verdeutlichen die Anmeldungen für das „Wald-Sprachcamp“. Insgesamt 70 Anfragen erreichten das KI, nur die Hälfte darf nun teilnehmen. Die Kosten des Projekts belaufen sich auf 23.000 Euro. 80 Prozent trägt das Landesjugendamt NRW, 20 Prozent kommen aus Eigenmitteln der Stadt Hagen. Davon sollen unter anderem die Personalkosten, aber auch Busfahrkarten, das Mittagessen und Regenbekleidung wie Gummistiefel bezahlt werden.

Das Projekt soll langfristig etabliert werden. Dafür bräuchte es aber weitere Fördermittel.

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