Kultur

Hagener Ballett tanzt Geschichten von Leben und Tod

Eine Szene aus „Dancing Souls“.

Foto: Klaus Lefebvre/Theater Hagen

Eine Szene aus „Dancing Souls“. Foto: Klaus Lefebvre/Theater Hagen

Hagen.   Der neue Ballettdirektor Alfonso Palencia gibt am kommenden Samstag im Rahmen einer Trilogie sein Debüt am Hagener Stadttheater.

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Fangen wir mit dem dritten Stück an. Es geht hier um Leben und Tod, diese beiden Antipoden, die zusammengehören. Ihr Zweiklang ertönt vielleicht nirgendwo so rein wie bei einer Transplantation, die ja einem Menschen das Leben ermöglicht, nachdem ein anderer gestorben ist. Aber lebt der Verstorbene nicht weiter im Körper jenes Empfängers, der sein Organ jetzt in sich trägt?

Diese Frage hat sich Alfonso Palencia (41), der neue Ballettdirektor des Hagener Theaters, gestellt und dazu einen Tanz mit dem poetischen Titel „Luminous heart (Leuchtendes Herz)“ choreografiert, mit dem er am kommenden Samstag seine Premiere vor Hagener Publikum gibt.

Mit dem Herz eines anderen

Der Spanier, der in seiner Familie einige Fälle von Organspenden miterlebt hat, die ihm sehr nahe gegangen sind, erzählt in dieser Welturaufführung die Geschichte einer jungen Frau, die schwer herzkrank ist und eine Transplantation benötigt. Plötzlich stirbt ihr Freund, sein Herz wird ihr transplantiert und sie darf weiterleben – allerdings ohne ihre große Liebe. „Doch diese trägt sie nun in ihrem Herzen und bewahrt sie in ihren Erinnerungen“, sagt der Ballettchef, der sich monatelang mit dem Thema auseinandergesetzt und sogar die Deutsche Stiftung Organtransplantation kontaktiert hat: „Ich frage mich, was sich im Leben, Denken und Fühlen eines Menschen verändert, dem das Organ eines anderen erst das Leben ermöglicht.“

Diese Frage hat er für seine erste Hagener Inszenierung künstlerisch umgesetzt. Denn Palencia gehört zwar zu jenen Choreographen, die einen zeitgenössischen Stil pflegen, doch seine Anliegen sollen nicht in einem abstrakten Raum verschwimmen: „Ich will durch Kunst etwas bewegen; etwas bieten, mit dem sich die Menschen beschäftigen können.“

Und so geht es nicht nur in „Luminous heart“ um Körper, Seele und Geist, um Hoffnung und Mut, um die These, dass man als Paar oder im Team stärker ist als ein Einzelkämpfer. Auch die beiden anderen Stücke der Tanz-Trilogie „Dancing souls (Tanzende Seelen)“ rücken Liebe und menschliche Nähe ins Zen­trum.

Sehnsucht nach Unendlichkeit

Für „Soma“ hat Palencia die international gefragte Choreographin Marguerite Donlon engagiert, die mit Ballettcompagnien rund um den Erdball arbeitet und in Motivationstrainings schon mal gestandene Banker und erfolgreiche Geschäftsleute in Bewegung bringt. Ihr geht es um die Sehnsucht des Menschen nach der Unendlichkeit. „Gemeinsam ist man stärker. Das war meine Inspiration für dieses Werk“, sagt die Irin, zu deren Inszenierung das berühmte Violinkonzert von Philip Glass, einem Hauptvertreter der minimal music, erklingt.

Musik dieses amerikanischen Komponisten begleitet auch das dritte Stück des Abends. „Extremly close“ wurde 2008 in New York von Alejandro Cerrudo in Szene gesetzt und wird am Samstag als deutsche Erstaufführung von Palencia präsentiert. Die Mitglieder der Hagener Compagnie, unter ihnen acht Neuzugänge, tanzen auf weißen Federn, die zu Beginn des Stücks auf die Bühne schweben.

Präziser Theater-Arbeiter

Er sei ein bisschen nervös, kokettiert Palencia vor seiner ersten Premiere als Direktor eines Balletts: „Aber das gehört schließlich dazu, oder?“ Er sei ein sehr genauer, präziser Theater-Arbeiter: „Einer, der möchte, dass alles perfekt klappt.“ Wenn es ihm gelingt, die Magie von Liebe und Sehnsucht hinter seinen Geschichten aufleuchten zu lassen, dann wird er es sein, den die Hagener Ballettfreunde bald in ihren Herzen tragen. . .

>>Hintergrund: Akteure und Termine

  • Unter dem Titel „Dancing souls“ präsentiert die neu zusammengestellte Hagener Compagnie unter Leitung ihres neuen Direktors Alfonso Palencia am Samstag, 13. Januar, um 19.30 Uhr im Großen Haus drei Choreographien.
  • Für Bühne und Kostüme sind Cecile Bouchier und Marguerite Donlon (Soma), Alejandro Cerrudo und Janice Pytel (Extremly close) sowie Saskia Rettig (Luminous heart­) zuständig. Licht: Tanja Rühl; Dramaturgie: Ina Wragge.
  • Es folgen bis zum 2. Juni 13 weitere Vorstellungen: 21. Januar (18 Uhr), 25. Januar, 2., 7., 10. und 22. Februar, 2., 16. März, 25. März (18 Uhr), 22. April (15 Uhr), 6. Mai (15 Uhr), 23. Mai, 2. Juni.
  • Tickets(für Premiere noch wenige Karten) unter 207 3218.

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