Kultur

Hagener beweisen bei Regenbogengala im Theater gutes Herz

Angela Denoke im Hagener Theater.

Angela Denoke im Hagener Theater.

Foto: Klaus Lefebvre. / Theater Hagen/Lefebrve

Hagen.  Die Regenbogengala zugunsten der Hagener Aids-Hilfe und Luthers Waschsalon war wieder ein schönes Konzert mit Musik, Gesang und Tanz.

Viele Hagener haben ein gutes Herz: Die Regenbogengala zugunsten der Hagener Aids-Hilfe und Luthers Waschsalon zur Unterstützung der Obdachlosen, ein Konzert mit Musik, Gesang und Tanz, fand am Samstagabend im Stadttheater vor vollem Haus statt. Moderator Francis Hüsers interpretierte den Regenbogen als „Hoffnung und Buntheit“.

Das Philharmonische Orchester Hagen unter der Leitung von Joseph Trafton brachte es mit der Ouvertüre aus der Oper „Die Macht des Schicksals“ von Verdi auf den Punkt: Einsame laute Einstimmigkeit wechselte mit erregten Motiven und scharfen Akzenten, sanfte Passgen steigerten sich zu großem Aufruhr, zum Schluss verkündeten Bläserfanfaren den Sieg.

Glitzerndes Gewand

Angela Davis in glitzerndem Gewand, eine Schulter züchtig bedeckt, die andere frei, stellte sich im Lied der „Giuditta“ aus dieser Operette von Lehár als viel versprechende Verführerin vor. Ihr flexibler Sopran stellte deren unterschiedliche Fähigkeiten mit textangepasster Dynamik vor, immer konform mit dem Orchester, mühelos dessen Forte überschreitend.

Angela Denoke, laut Hüsers „ein echter Opernweltstar“, philosophierte mit zartem Schmelz in dem Monolog der Marschallin aus dem„Rosenkavalier“ von Richard Strauss über „Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding“. In dem Werner-Richard-Heymann-Chanson „Heute gefall ich mir“ spielte sie die Eitelkeit in Person, hin und her schwingend, auch das Publikum und den Dirigenten mit ausgestrecktem Zeigefinger ansprechend: „...gefall ich dir!“

Zarte Streicher-Begleitung

Dong-Won Seo begann die Arie des Basilio (Leider auf Italienisch) aus „Der Barbier von Sevilla“ von Rossini klassisch durchsichtig zu zarter Streicher-Begleitung, steigerte sich zu großer Erregung und endete mit einem fröhlichen Forte. Davis und Milen Bozhkov besangen in dem Duett „O soave fanciulla“ aus „La Bohème“ von Puccini ihre große Leidenschaft, vom Orchester bestätigt wie auch zarte Liebesbeweise.

„Anything you can do I can do better“ mit Marilyn Bennet und Kenneth Mattice brachte das Musical „Annie get your Gun“ von Irving Berlin ins Spiel: Ein Knaller, dieser Wettstreit der „Besser-Könner“! Neben dem köstlichen, immer schneller werdenden Gezänk waren hier die Kostüme wieder ein besonderer Blickfang; pink und silbern erschien der Mann, kunterbunt mit Riesensombrero die Frau. Schließlich wurde sie auf den Arm genommen und weggeschleppt; er war auf jeden Fall der Stärkere.

Hervorragende Leistungen

„Libiamo ne’ lieti calici“ aus „La Traviata“ von Verdi brachte neben allen Beteiligten auch den Chor auf die Bühne. Das Publikum klatschte zu diesen hervorragenden Leistungen. Bravo-Rufe und Gejuche nahmen kein Ende. Die Leistungen von Orchester und Sängern waren jederzeit perfekt, immer übereinstimmend mit der Begleitung, keine „Opernschluchzer“, kein löcheriges Vibrato.

In der Pause wurden für den guten Zeck CDs versteigert, Schutzengel und Teddybären verkauft. Im Tanztheater führte Alfonso Palencia durch das Programm. Für ihn vereinigten sich Ost und West in seiner Kunst. Auch das Publikum war ihm wichtig: „Ohne Sie würde es uns nicht geben!“

Folkloristische Musik

In „Grandola“ zur folkloristischen Musik von José Afonso tanzten Ana Isabel Casquilho und Bobby Briscoe (Hagen) zum Ende der portugiesischen Revolution 1974. Wallender Nebel löste sich auf: Der Frieden, den das Paar mit sehnsüchtigen Gesten herbeigesehnt hatte, war wiederhergestellt.

Aus dem Ballett TN LOS! Nordhausen stellten sich in „If I GO“ von Olafur Arnalds Martina Pedrini und Joshua Lowe vor. Hier beleuchteten rote Lichter unglaubliche Bewegungen; zum Schluss blieb die Frau allein, eine rote Rose schimmerte verheißungsvoll.

Geschmeidige Bewegungen

Das kroatische Nationaltheater Split mit Hazuki Tanase und Aaron Kok hatte zu dem Titel „The Edge“ Musik von Vivaldi ausgewählt. Fantastisch, wie das Duett den musikalischen Veränderungen geschmeidig in seinen Bewegungen Ausdruck verlieh!

I

n „Embracing Emptiness“ von Carly Comando traten Mélanie André, Alekseij Canepa und Giovanni Fumarola aus der Delattre Dance Company Mainz auf. Hier wurde um die Dame gekämpft. Wer sie verlor, brach verzweifelt zusammen.

Hanna Cho und Robert Kedzinzki aus dem Ballett der Oper Breslau verkörperten Romeo und Julia von Prokofjew; sie waren sich innig zugetan. Ihr Kleidchen wirbelte mit ihren anmutigen Bewegungen. „Der sterbende Schwan“ von Saint-Saens flößte dem Publikum tiefes Mitleid ein. Zusammengesunken lag die Primaballerina Monica Fotecu-Uta auf dem Parkett. Es gelang ihr mügsam, sich aufzurichten und einige zierliche Trippelschrittchen zu machen, bevor sie zusammenbrach.

Hintergrundmusik manchmal zu aufdringlich

Der Schluss gehörte dem Hagener Ballett mit Amber Neumann und Compagnie. Zum 3. Brandenburgischen Konzert von Bach wirbelten vier Paare über die Bühne. Der Tanz war gut aufgebaut mit kurzen Alleingängen, passend zu den solistischen Partien der Musik und rasantem Paar-Tanzen im Tutti-Bereich.

Das Publikum tobte, schrie und klatschte rhythmisch bei stehenden Ovationen. Alle dankten mit ihrem Applaus auch für die Spenden der Ausführenden und freuen sich auf die nächste Regenbogengala 2020! Einziger Fehler: Manchmal war die Hintergrundmusik vom Band ein wenig zu aufdringlich.

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