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Hagener Breitband-Idee kann Vorbild für ganz NRW sein

Die Hagener Breitbandgenossenschafts-Idee kann Modelcharakter für das ganze Land haben.

Die Hagener Breitbandgenossenschafts-Idee kann Modelcharakter für das ganze Land haben.

Foto: WP Michael Kleinrensing

Hagen.   Das Land NRW hat seinen Segen gegeben: In Hagen soll eine Breitband-Genossenschaft entstehen, die die Probleme im Industriegebiet Lennetal lösen würde. Das hat Model-Charakter für ganz NRW.

Die Unterstützung von Land NRW fließt, die Breitband-Genossenschaft für das Lennetal kann kommen. Hagen könnte damit zu einem Modell und Hoffnungsträger für all die Gewerbe- und Wohngebiete in ganz Nordrhein-Westfalen werden, die unter einem zu leistungsschwachen Internetanschluss leiden.

Zuwendungsbescheid über 195.000 Euro

NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) hat am Mittwoch einen Zuwendungsbescheid über 195.000 Euro an den Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverband (RWGV) überreicht. Denn der wird in Abstimmung mit dem Ministerium die beiden Modellprojekte betreuen. Neben Hagen, wo Firmen und Privatleute Mitglieder der neuen Genossenschaft werden können, gibt es ein zweites Modell in Ostwestfalen-Lippe. Dort sollen allerdings die Kommunen selbst die Genossenschaft tragen.

Über die Hagener Idee hatte unsere Zeitung bereits Anfang August berichtet: Im Lennetal klagen seit längerem etliche Unternehmen über einen zu schlechten Internetanschluss – ein echter Standortnachteil. Die großen Anbieter wie Telekom oder Vodafone hatten bislang keine Lösung präsentieren können. Daher nun das Genossenschaftsmodell, bei dem die Firmen das Problem selbst in die Hand nehmen sollen. Die betroffenen Firmen (und auch Privatpersonen) gründen eine Genossenschaft, die zunächst einmal durch die Einlagen einen Kapital-Grundstock erhält. Zudem winken zinsgünstige Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Hochleistungs-Glasfasernetz im Lennetal

Mit dem Geld soll dann ein Hochleistungs-Glasfasernetz im Lennetal gebaut werden, das dann an die Anbieter wie Telekom und Co. vermietet wird. Mit den Einnahmen sollen die Investitionskosten rein geholt werden. Eventuell winkt auch ein Überschuss, der als Dividende an die Genossen ausgezahlt wird.

Die entscheidende Frage wird nun sein: Wird es genug Genossen geben? Davon hängt auch ab, wie teuer die Genossenschaftsanteile werden. Noch ist unklar, wie viele mitmachen werden, sagt Michael Ellinghaus, Geschäftsführer der Hagen-Agentur. „Wir können erst jetzt nach der Fördergeld-Zusage durch das Land mit der konkreten Akquise beginnen.“ Das soll ab der kommenden Woche geschehen, im Sommer könnte dann die Genossenschaft aus der Taufe gehoben werden.

Individuelle Lösung

Angesprochen sind auch Privatleute, etwa aus Halden oder Fley. Denn auch die an das Industriegebiet angrenzenden Ortschaften, die ebenfalls unter mangelnder Bandbreite leiden, könnten mitversorgt werden – wenn sich denn dort Genossen finden. Denn schon jetzt ist klar: Nur wer sich an der Genossenschaft beteiligt, wird auch in den Genuss des Glasfaseranschlusses kommen. Bislang gibt es im Lennetal nur Kupferleitungen.

Für den Baustoffhandel Hofnagel und Bade, der auch öffentlich über das schwache Internet geklagt hatte, ist die neue Genossenschaft indes aktuell nicht mehr interessant: „Wir haben inzwischen eine Lösung gefunden“, so Geschäftsführer Wolfgang Lausen. Mehr durch Zufall sei man an einen Fachmann geraten, der es geschafft habe, eine stabilen Anschluss des Anbieters „1&1“ zu installieren. „Jetzt haben wir 49 Megabit pro Sekunde, das ist derzeit ausreichend für uns.“ Übrigens für 29 Euro im Monat.

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