Nacht der langen Tische

Hagener Bürger verlegen ihre Wohnzimmer auf die Straße

Ausgelassene Stimmung herrscht am Samstag bei spätsommerlichen Temperaturen bei der Nacht der Langen Tische in Wehringhausen.Nanna von Bormann (5. von rechts) nutzt die Gelegenheit, um mit Nachbarn und Freunden ihren Geburtstag zu feiern. Foto:Michael Kleinrensing

Ausgelassene Stimmung herrscht am Samstag bei spätsommerlichen Temperaturen bei der Nacht der Langen Tische in Wehringhausen.Nanna von Bormann (5. von rechts) nutzt die Gelegenheit, um mit Nachbarn und Freunden ihren Geburtstag zu feiern. Foto:Michael Kleinrensing

Wehringhausen.   Dieser Spätsommerabend passte: Nicht bloß Wehringhauser kamen am Samstag auf der Lange Straße zusammen, um miteinander zu schlemmen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Gitarrenklänge und Gesang klingen durch die Straße, Familien mit kleinen Kindern schlendern umher, und an den 80 aufgebauten Bierzeltgarnituren wird geredet, gelacht und gefeiert. Bei der „Nacht der langen Tische“ am Samstag verlagerten Hunderte Wehringhauser ihr Wohnzimmer nach draußen auf die Lange Straße.

Unter freiem Himmel kommt an einem der wohl letzten lauen Sommerabende dieses Jahr schnell Picknick-Atmosphäre auf. Die Besucher teilen von zu Hause mitgebrachte Speisen und tauschen sich aus. Organisatorin Gabriele Haasler weiß: „Obwohl sie nah beieinander wohnen, sehen sich viele Wehringhauser nur selten. Hier können sich dann alle wiedertreffen“. Dieses große Wiedersehen hat mittlerweile Tradition – schon zum 12. Mal fand die jährliche Nacht der langen Tische statt.

Geburtstagsfeier beim Straßenfest

In diesem Jahr ist eine der dekorierten Tafeln besonders festlich geschmückt – Nanna von Bormann feiert ihren Geburtstag auf dem Straßenfest. Sie ist verwurzelt in Wehringhausen und jedes Jahr bei der Nacht der langen Tische. „Das ist eine tolle Sache, hier kann man Zusammenkommen mit Freunden und die Kommunikation in Wehringhausen wird richtig belebt“. Kommunikation, die sie sonst im Viertel manchmal vermisst: „Wir müssen mehr miteinander reden“, fordert sie.

Diese Forderung setzt Polizist Roland Tripp an diesem Abend schon um. Der Bezirksbeamte streift über die Lange Straße, bleibt hier und da für einige Minuten stehen und setzt sich an eine der Bierzeltgarnituren. Er nutzt die Gelegenheit, mit den Wehringhausern ins Gespräch zu kommen und sich ihrer Sorgen anzunehmen. „Häufig sprechen die Menschen mich wegen kleinerer Probleme an – auch dann versuche ich immer so gut ich kann zu helfen. Aber auch Konflikte mit Anhängern der Drogen- und Trinkerszene oder Zuwanderern sind Thema“.

Der langjährige Bezirkspolizist erzählt, besonders die massive Zuwanderung aus Osteuropa habe Wehringhausen in den letzten Jahren verändert. Von den tausenden Rumänen und Bulgaren, die in Wehringhausen leben, sind an diesem Abend jedoch kaum welche auf die Lange Straße gekommen. „Sie sind hier herzlich willkommen“, sagt Gabriele Haasler, „aber viele trauen sich nicht zu kommen. Wahrscheinlich ist es ihnen auch zu teuer“. So laufen nur vereinzelt Gruppen kleiner Migrantenkinder zwischen den Bänken umher und eine osteuropäische Familie beobachtet vorsichtig das Treiben der Hunderten Besucher, die zum großen Teil deutsch sind.

Cihan Houssaeinoglu möchte solche Berührungsängste abbauen. Er verteilt mit seinem Samowar, dem traditionellen Wasserkocher aus dem Nahen Osten, Tee an die Gäste. Orientalische Düfte strömen aus dem exotischen Kocher. Größer könnte der Kontrast zu den Bierbechern, die viele Besucher in den Händen halten, kaum sein.

Ort des Zusammenkommens

Der 31-jährige ist als Sozialarbeiter bei der Stadt auch für ausländische Jugendliche zuständig und kann sich in sie hineinversetzen: „Viele Ausländer haben Hemmungen, zum Bierwagen zu gehen. Der Samowar ist ihnen vertraut, damit können sie sich identifizieren.“

Vor seinem Kocher versammeln sich so immer wieder kleinere Gruppen von zum Teil ausländischen Menschen, die über den süßen Tee miteinander ins Gespräch kommen. Damit trägt Houssaeinoglu dazu bei, dass die Lange Straße insgesamt an diesem Abend zu einem Ort des Zusammenkommens wird – ob für Deutsche oder Ausländer.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben