Integration

Hagener Delegation will Rumänen-Klischees entgegen wirken

Mit den teilweise noch sehr ärmlichen Lebensbedingungen in Rumänien ist die Hagener Reisegruppe in Rumänien konfrontiert worden. Jetzt will sie als Multiplikator wirken und über ihre Erfahrungen berichten.

Mit den teilweise noch sehr ärmlichen Lebensbedingungen in Rumänien ist die Hagener Reisegruppe in Rumänien konfrontiert worden. Jetzt will sie als Multiplikator wirken und über ihre Erfahrungen berichten.

Foto: privat

Hagen.   Die Zuwanderung aus Südosteuropa nach Hagen ist groß. Jetzt war eine Hagener Delegation in Rumänien. Die Erfahren wollen sie gerne weitergeben.

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Sie haben viele Informationen und Erfahrungen aufgesogen. Jetzt wollen sie darüber sprechen, berichten und diskutieren. Es ist eine Gruppe von Hagenern, die jetzt zum zweiten Mal in Rumänien unterwegs war, um die Hintergründe und die Motivation der Menschen zu verstehen, die seit einiger Zeit in großer Zahl aus Rumänien und Bulgarien nach Hagen kommen. Im Rahmen der Arbeit des Kommunalen Integrationszentrums und der Gruppe „Uni 50plus Hagen. Lernen und Lehren“ wollen die Teilnehmer der Reise ihre Erkenntnisse teilen, um Vorurteile abzubauen. Und um Chancen und Wege auszuloten, wie das Zusammenleben hier in Hagen verbessert werden kann.

„Wenn ich jetzt nicht zweimal da gewesen wäre, hätte ich weiter die Klischees im Kopf“, sagt Klaus Hirschberg, einer der führenden Köpfe in der Gruppe Uni 50plus. Die ist ein Zusammenschluss von Hagenerinnen und Hagenern über 50 Jahren, die sich tiefergehend und auch wissenschaftlich mit Problemstellungen der Stadt auseinandersetzen wollen. Das Thema Wohnen war in den vergangenen Monaten eines. Jetzt geht es auch um die Zuwanderung aus Südosteuropa.

Wenn er nun in den kommenden Wochen Monaten berichterstatten solle, sei es ihm wichtig, differenzierte Beobachtung weiterzugeben, Ambivalenzen und Widersprüchlichkeit nicht glatt zu bügeln, so Klaus Hirschberg . „In den kommunalen Arbeitsfeldern kommt es meines Erachtens darauf an, einen differenzierten Blick auf die Menschen und ihre Lebensweise zu richten. Selbstverständlich mit einem klaren Blick auf die Probleme, die aktuell das akzeptable Zusammenleben erschweren.“

Die Gruppe, zu der eine Reihe von früheren Pädagogen, aber auch die aktuelle Schulamtsdirektorin für Grundschulen in Hagen, Dagmar Speckmann, gehörte, hat sich in Mittel- und Nord-Rumänien sowie in Bukarest verschiedene Einrichtungen angeschaut, ist in Roma-Dörfern unterwegs gewesen und hat sich mit diversen Gesprächspartnern ausgetauscht. Das erklärte Ziel: Bildungshintergründe und soziale Ausgangslagen der Zuwanderer besser zu verstehen.

Auf Erfolge verweisen

Für Jutta Meyer, ehemalige Leiterin des Fichte-Gymnasiums und jetzt Vorsitzende des Sozialdiensts katholischer Frauen (SKF) in Hagen, ist eine wichtige Erkenntnis der Reise, dass es Vorbilder braucht: „Wir benötigen mehr Verweise auf die Roma, die es geschafft haben und durch Bildung und Unterstützung Teil der Mehrheitsgesellschaft geworden sind.“ Potenziale sieht sie allemal. „Es ist zum Beispiel erstaunlich, welche sprachlichen Fähigkeiten viele haben.“

Und für die pensionierte Studiendirektorin Marianne Groten ist eine Erkenntnis der Reise: „Grundgedanke muss die Förderung sein, nicht die Ausgrenzung oder Bestrafung. Die Ordnungsbehörde sollte aber auch in die Lage versetzt werden, für Roma Anreize zu schaffen, die Umgebungsgesellschaft zu unterstützen.“

Rolf Willaredt, Reiseleiter und bei der Bezirksregierung Arnsberg für die Landesweite Koordinierungsstelle der kommunalen Integrationszentren verantwortlich, fasst es so zusammen: „Einigkeit herrscht unter den Reiseteilnehmern, dass sich in Hagen und in ganz NRW am öffentlichen Diskurs etwas ändern muss, um eine nachhaltige Integration der Roma zur ermöglichen.“ Die Gefahr des Antiziganismus, also die allgemeine Abwehrhaltung der Mehrheitsbevölkerung gegen Sinti und Roma, müsse dabei eben so gesehen werden, wie die Sorgen der schon länger im Stadtteil lebenden Bürger.

Über all diese Erkenntnisse wollen die Reiseteilnehmer nun berichten, diskutieren und streiten: Und vor allem sind die Reise-Mitglieder auch bereit, bei anderen Veranstaltungen zu berichten, als Multiplikatoren zu wirken.

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