Mobilität

Hagener Fridays-for-Future-Kids empfangen Umweltministerin

Etwa 200 Gäste drängen sich im Sinfonium der Stadthalle bei der SPD-Podiumsdiskussion „Mobilität der Zukunft“. Die „Fridays-for-Future-Kids“ (Hintergrund) hatten Bundesumweltministerin Svenja Schulze lautstark begrüßt.

Etwa 200 Gäste drängen sich im Sinfonium der Stadthalle bei der SPD-Podiumsdiskussion „Mobilität der Zukunft“. Die „Fridays-for-Future-Kids“ (Hintergrund) hatten Bundesumweltministerin Svenja Schulze lautstark begrüßt.

Foto: Alex Talash

Hagen.  Weniger auto-, sondern menschengerechte Städte will Bundesumweltministerin Svenja Schulze schaffen. Am Montagabend war sie in Hagen zu Gast.

Den etwas größeren Auftritt mag Svenja Schulze (SPD) als Bundesumweltministerin ja gewohnt sein. Doch die Stimmgewalt der Hagener Fridays-for-Future-Kids, die sie mit ihrem lautstarken Protestruf „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“ aus 70 Kehlen intonierten, beeindruckten die deutsche Ressortchefin bei ihrem Zwischenstopp auf dem Weg nach Amsterdam dann doch sichtlich. Bei der anschließenden SPD-Diskussionsveranstaltung am Montagabend im übervollen Sinfonium der Stadthalle wurde zwar längst noch nicht die Welt gerettet, aber zumindest von allen Seiten die Bereitschaft formuliert, über den Klimaschutz nicht bloß länger Bekenntnisse und Plattitüden austauschen zu wollen, sondern auch endlich in die konsequente Umsetzung vieler kleiner Maßnahmen zu kommen. Moderator Wolfgang Jörg (MdL) warb entsprechend dafür, dass Hagen als Nothaushaltsgemeinde bei künftigen Modellversuchen des Bundes als Projekt-Kommune auch einmal in den Fokus der Berliner Geld-Segnungen rückt.

Klimaneutralität bis 2050

„Ich bin ja selbst positiv überrascht, wie das Thema Klimaschutz die Menschen bewegt“, betonte Schulze nicht bloß mit Blick auf das engagierte Empfangskomitee, Auch die deutsche Sozialdemokratie hat mit Blick auf die explodierenden Wählerzahlen zugunsten der Grünen für sich entdeckt, auf dieser politischen Erfolgswelle inhaltlich mitsurfen zu wollen. Entschlossenheit demonstrierend versprach die Hattingenerin, noch in diesem Jahr ein Klimaschutzgesetz auf den Weg zu bringen, das den Zukunftsrahmen verbindlich aufzeigt und auch die Zuständigkeiten der einzelnen Ministerressorts regelt: „Wir müssen die Treibhausneutralität bis zur Mitte des Jahrhunderts erreichen“, kündigte Schulze unter dem Beifall der Fridays-for-Future-Zuhörer an, die das Auditorium entlang der Saalwände mangels ausreichender Bestuhlung umsäumten.

„Der Betrug der Autoindustrie geht so nicht weiter“, platzierte sie gekonnt den nächsten Applaus-Garanten und formulierte zugleich das Ziel, die Menschen zunehmend in die Lage versetzen zu wollen, ihre privaten Autos abzuschaffen. Vor allem Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer sei gefordert, menschen- statt autogerechte Städte zu schaffen, in denen Fußgänger, Radverkehr, ÖPNV und E-Mobilität Vorrang genießen würden. „Ich möchte die Mobilität nicht einschränken, sondern verändern. Denn Mobilität bedeutet auch individuelle Freiheit und Teilhabe. Wir können das hier in Deutschland, hier sitzen doch die ganzen Tüftler – aber das dauert viel zu lange“, teilte Schulze die Ungeduld ihres jugendlichen Empfangskomitees.

Hagen in Fokus rücken

Damit diese Grundsatzbekenntnisse auch in Konkretes münden, warb auch SPD-Ratsfraktionschef Claus Rudel dafür, Hagen als eine Stadt mit einem besonders hohen Anteil an Individualverkehr als lohnenswerten Versuchsstandort der Berliner Umweltpolitik zu entdecken. Rückendeckung erhielt er dabei von Maximilian Rohs, der als Mitarbeiter der Wirtschaftsberatungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) unter anderem den „Masterplan nachhaltige Mobilität in Hagen“ entwickelt hat. Dieser kündigte an, neben drei Landeshauptstädten auch die Stadt Hagen beim Bundesumweltamt für eines der nächsten Verkehrswende-Projekte platzieren zu wollen. Gleichzeitig sicherte Moderator Jörg den engagierten Diskutanten zu, nach der Sommerpause eine zweite Mobilitätsdiskussion veranstalten zu wollen, bei der weniger die Ausbeutung seltener Erden in Südamerika, sondern die konkrete Hagener Situation inhaltlich in den Mittelpunkt rückt. Allerdings nicht, ohne zuvor mit einer Hagener Delegation in Berlin im Hause von Ministerin Svenja Schulze vorbeizuschauen, um dort die konkreten Chancen für gezielte Förderangebote auszuloten.

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