Personal im Rathaus

Hagener Personalratschef: Alle Ämter der Stadt sind am Limit

Thomas Köhler, Vorsitzender des Gesamtpersonalrates der Stadt Hagen, sieht inzwischen Personalengpässe in sämtlichen Ämtern und Fachbereichen.

Thomas Köhler, Vorsitzender des Gesamtpersonalrates der Stadt Hagen, sieht inzwischen Personalengpässe in sämtlichen Ämtern und Fachbereichen.

Foto: Michael Koch / WP

Hagen.  Personalengpässe gibt es inzwischen in sämtlichen Bereichen der Stadtverwaltung. Der Personalratsvorsitzende Thomas Köhler fordert ein Umsteuern.

Nach dem Hilferuf aus dem Fachbereich Gebäudewirtschaft und der alarmierenden Nachricht, dass die Stadtverwaltung nicht einmal mehr über ausreichend Personal verfügt, um bei sämtlichen i-Männchen die Schuleingangsuntersuchungen durchführen zu können, legt jetzt der Gesamtpersonalratsvorsitzende der Stadt Hagen nach: „Mit fällt inzwischen kein Amt mehr ein, bei dem es keine Probleme gibt“, beschreibt Thomas Köhler den Ist-Zustand im Hagener Rathaus. „Weder in der Inneren- noch in der Bau- und Planungsverwaltung, im Umwelt- oder Ordnungsbereich und erst recht nicht in den Dienststellen der sozialen Arbeit entspricht die Personalausstattung den ständig steigenden Herausforderungen unserer Stadtgesellschaft.“

Dabei fällt die Ursachenanalyse des Arbeitnehmervertreters unmissverständlich aus: „Verantwortlich für die Katastrophe ist der ehemalige Oberbürgermeister Jörg Dehm“, so Köhler. Dieser habe dem damaligen Zeitgeist entsprechend lediglich als Aufräumer agiert, das Rathaus allerdings nicht zukunftsfähig gestaltet. „Ich habe ihm damals schon gesagt: Irgendwann sitzen Sie wieder in Mülheim auf ihrer Terrasse und wir baden es hier aus. Jedes Wirtschaftsunternehmen hätte seinerzeit Druck vom Wirtschaftsprüfer gekriegt, weil die Existenzfähigkeit des Betriebes gefährdet ist.“

Auf Kosten der Gesundheit

Der Gesamtpersonalrat habe diese kontraproduktiven Kürzungen seinerzeit nicht verhindern können. „Die zusammengeschrumpfte Belegschaft macht noch das Beste aus der Misere – leider zunehmend auf Kosten der Gesundheit der Kollegen“, kritisiert Köhler, dass auch unter Oberbürgermeister Erik O. Schulz nicht in ausreichendem Maße Personalplanung stattfinde. „Irgendjemand muss dem Rat auch einmal diese hässliche Wahrheit sagen.“ Besonders im Sozialbereich würden die Defizite immer sichtbarer: „Es gibt in Hagen nicht bloß kaputte Brücken, sondern auch immer mehr kaputte Leute. Besonders in den Kitas ist gutes und ausreichendes Personal wichtig, damit die Kleinen auf den richtigen Weg gebracht werden.“

OB Schulz wirft Köhler vor, die bisherigen fünf Jahre seiner Amtszeit nicht ausreichend genutzt zu haben, „um endlich das Ruder herumzureißen“. Zwar werde inzwischen im Rathaus wieder Ausbildung betrieben, aber auf einem viel zu niedrigen Niveau. Auch müsse auf die Befristung von Stellen verzichtet werden, so Köhler, da damit lediglich Berufsanfänger angelockt würden, aber keine gestandenen Fachkräfte. Außerdem seien diese oft auch schnell wieder weg, weil andere Kommunen und Betriebe attraktiver zahlten und bessere Rahmenbedingungen anbieten könnten.

Unterstützung durch Digitalisierung

Auch der Stadtrat, so Köhler weiter, müsse seiner Verantwortung für die Funktionsfähigkeit der Stadtverwaltung nachkommen. „Es widerspricht der Kommunalverfassung, wenn Angelegenheiten der öffentlichen Gemeinschaft nicht mehr ordentlich erledigt werden können.“ Die zunehmende Digitalisierung biete hier sicherlich Optimierungspotenziale, verweist Köhler auf die inzwischen eingesetzte Task-Force: „Wir müssen Personal da abziehen, wo uns Technik helfen kann, und die Kollegen dort einsetzen, wo Technik nicht helfen kann.“ Er könne nur hoffen, so der Gesamtpersonalratsvorsitzende, dass die ersten guten Ansätze sich verstetigten und die Situation somit irgendwann wieder besser werde. Die Stadt hat es bislang auf Anfrage abgelehnt, zum Thema Personalmangel Stellung zu beziehen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben