Serie „So arbeitet Hagen“

Hagener Physiotherapeutin Perlick liest aus dem Gang

Auf dem Laufband liegt die Wahrheit: Hier arbeitet Physiotherapeutin Stefanie Perlick intensiv mit ihren Patienten daran, wieder in die richtige Bewegung zu kommen.

Auf dem Laufband liegt die Wahrheit: Hier arbeitet Physiotherapeutin Stefanie Perlick intensiv mit ihren Patienten daran, wieder in die richtige Bewegung zu kommen.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen.  Physiotherapeutin Stefanie Perlick (41) bringt die Menschen über die richtigen Bewegungsmuster zurück in den Alltag.

Die Wahrheit liegt in diesem Fall im Obergeschoss einer Physiotherapie-Praxis. Da steht ein Laufband. Und wenn es nach Stefanie Perlick geht, sollte hier jeder mal ein paar Schritte absolvieren. „Ganz egal, ob das Kind, das plötzlich Schmerzen beim Fußball hat, der junge Sportler oder Menschen im hohen Alter“, sagt die Physiotherapeutin und Bewegungstrainerin.

Und damit ist die 41-Jährige, die in der Praxis von Björn Grobe im Wasserlosen Tal arbeitet, schon Mitten in ihrem Thema. „Am Gang oder an der Art, wie Menschen laufen kann man unheimlich viel erkennen“, sagt sie. „Gehen ist im Grunde das Natürlichste auf der Welt. Und trotzdem haben wir es irgendwann verlernt. Menschen tun jahrelang nichts für ihren Körper, glauben dann auf einmal, wieder Vollgas geben zu müssen. Oder sie rennen in ein Fitnessstudio und beginnen völlig unreflektiert mit Krafttraining.“

Wandel in der Branche

Die Bewegung ist der Schlüssel. Und dann spricht jene Frau, die 1998 ihre Ausbildung zur Physiotherapeutin begonnen und drei Jahre später erfolgreich abgeschlossen hat, den Wandel in der Branche an. „Manchmal kommen die Menschen noch mit der Vorstellung, dass sie sich auf die Massagebank legen, wir sie irgendwie wieder einrenken und damit alles gut ist“, sagt Stefanie Perlick, die als Mutter die Flexibilität in ihrem Beruf schätzt. „Bei uns geht es aber darum, die Menschen wieder in Bewegung zu bringen, und dann die richtigen Bewegungsmuster in ihren Alltag zu integrieren.“

Dieser Erfolg ist es, der die Physiotherapeutin, die im letzten Jahr noch eine Fortbildung in Sachen Laufanalyse und Lauftechnik absolviert hat, selbst antreibt. „Der Begriff des Krankengymnasten rückt wieder mehr in den Fokus. Wenn jemand zu uns kommt, sich kaum mehr bewegen kann und wir ihm die Bewegungsfreiheit zurückgeben können – das macht unseren Beruf aus“, sagt die Physiotherapeutin, die sich allerdings nicht als eine Wunderheilerin sieht. „Die Dankbarkeit in diesem Augenblick – das ist etwas sehr Schönes.

Kassenleistungen oft nicht ausreichend

Zur Wahrheit gehört aber auch: „Das, was durch die gesetzlichen Kassen verschrieben wird, ist oft nicht ausreichend“, so Stefanie Perlick. Hinzu kommt: „Den Patienten kommt eine hohe Eigenverantwortung zu. Wir geben ihnen ja auch Hausaufgaben mit auf den Weg. Am Anfang hängen sich viele voll rein. Mit steigender Behandlungsdauer lässt das leider oft nach. Manchmal ist man selbst motivierter als der Patient. Da muss man sich auch mal bremsen.“

Gebremst worden sind einige, die damals mit Stefanie Perlick die Ausbildung begonnen haben. Zum einen, weil sie die Schulgelder (insgesamt mehr als 13.000 Euro, ohne dass man selbst verdient), nicht zahlen konnten. Aber auch, weil sie den Lernaufwand unterschätzt haben. „Die Abbrecherquote ist so hoch wie die Ansprüche“, sagt Stefanie Perlick, die selbst ihren Traumjob gefunden hat. „Sport und Bewegung – das hatte schon immer eine große Bedeutung in meinem Leben.“

Azubis sollen nicht mehr zahlen

Immerhin: Auch in Sachen Finanzierung gibt es eine Entwicklung. „Zum Teil wird die Ausbildung mittlerweile staatlich unterstützt“, sagt Stefanie Perlick, „es gibt auch Schulen, die mittlerweile kein Schulgeld mehr erheben. Das hat sicherlich auch mit dem Fachkräftemangel zu tun.“

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