AfD

Hagener Ratsfrau mit Europas Rechtspopulisten auf der Bühne

Gruppenbild der Rechtspopulisten (vorne von links): Frauke Petry, AfD-Vorsitzende, Marine Le Pen, Front National, Matteo Salvini, Lega Nord, Geert Wilders, niederländischen Freiheitspartei, Harald Vilimsky (FPÖ) und der AfD-Landesvorsitzende NRW Marcus Pretzell. In der zweiten Reihe links: Ratsfrau Lisa Kristin Radke (AfD).

Gruppenbild der Rechtspopulisten (vorne von links): Frauke Petry, AfD-Vorsitzende, Marine Le Pen, Front National, Matteo Salvini, Lega Nord, Geert Wilders, niederländischen Freiheitspartei, Harald Vilimsky (FPÖ) und der AfD-Landesvorsitzende NRW Marcus Pretzell. In der zweiten Reihe links: Ratsfrau Lisa Kristin Radke (AfD).

Hagen/Koblenz.   Lisa Kristin Radke steht in Koblenz mit Rechtspopulisten wie Marine Le Pen auf der Bühne. Die Ratsfrau aus Hagen empfindet das als „Ehre“.

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In vorderste Reihe steht die erste Garde der europäischen Rechtspopulisten: Marine Le Pen, Vorsitzende des französischen Front National, der niederländische Rechte Geert Wilders, Matteo Salvini von der italienischen Lega Nord und Harald Vilimsky von der österreichischen FPÖ. Dazu haben sich AfD-Frontfrau Frauke Petry nebst ihrem Gatten Marcus Pretzell gesellt. In zweiter Reihe ist die Hagener Ratsfrau Lisa Kristin Radke (AfD) zu sehen.

Das Bild vom Kongress der ENF (Europa der Nationen und der Freiheit) verbreiten Nachrichtenagenturen über ganz Europa. Und in den Hagener Fraktionen und in den sozialen Netzwerken sorgt der Auftritt von Radke für Diskussionen.

Hagener Politikerin empfindet Auftritt als Ehre

Doch Lisa Kristin Radke, die für die Alternative für Deutschland im Rat der Stadt Hagen sitzt und gleichzeitig Mitglied im Landesvorstand der Jugendorganisation ist, erfüllt der Tag mit Stolz: „Ich empfinde es als Ehre, mit solch prominenten Polit-Größen auf einer Bühne zu stehen“, sagt Radke auf Anfrage unserer Zeitung, „daneben hatte ich sogar die Möglichkeit, sie im Gespräch kennenzulernen.“

Dass ihr medienwirksamer Auftritt für Diskussionen sorgt, ist ihr durchaus bewusst: „Ich kann den kritischen Blick verstehen“, sagt Lisa Kristin Radke, „ich befürworte solche Diskussionen. Sie sind Bestandteil der Demokratie.“ Die Jugendorganisation „Junge Alternative“ habe den Kongress mitorganisiert. Daher sei auch sie zur Unterstützung nach Koblenz gereist.

Fraktion will sich auf die Aufgaben vor Ort konzentrieren

Bislang hatten die lokalen AfD-Vertreter um den Fraktionsvorsitzenden Michael Eiche und Lisa Kristina Radke immer erklärt, manche Äußerung von Vertretern der jungen Partei auf Bundesebene durchaus kritisch zu sehen. Daran, so Radke, ändere sich nichts. „Wir konzentrieren uns als Ratsfraktion auf die Aufgaben vor Ort.“

Ein Deckmantel, den die politische Konkurrenz so nicht durchgehen lässt. „Für die SPD-Ratsfraktion steht schon lange fest, dass die Hagener AfD ein Doppelspiel spielt“, sagt der Fraktionsvorsitzende Claus Rudel. „Jetzt können aber auch die Hagener Bürger ganz deutlich mit ansehen, wie sich die AfD-Ratsfrau Lisa Radke entlarvt. Schwingt sie doch über den Köpfen von Europas rechten Populisten wie Petry, Le Pen und Wilders in Koblenz euphorisch die Fahne.“

SPD sieht nationalistisches Gedankengut

Spätestens jetzt, so Rudel, müsse jedem klar sein, wo die Hagener AfD politisch wirklich stehe und was sich hinter der Maske einer bislang kaum auffälligen AfD-Fraktion verberge: nationalistisches Gedankengut und anti-europäische Propaganda.

Ähnlich argumentieren auch die Grünen: „Das bewusst harmlose Auftreten der AfD im Hagener Rat konnte noch nie darüber hinwegtäuschen, welche radikale Geisteshaltung sich dahinter verbirgt“, sagt Jochen Riechel, Fraktionssprecher Bündnis 90/Die Grünen.

Harte Kritik der Hagener Grünen

Und weiter: „Frau Radke schwingt hier die Fahne für die Internationale derer, die die europäische Friedensordnung zerschlagen und die demokratische Entwicklung der Nachkriegszeit zurückdrehen wollen. Wer die AfD für eine Partei hält, mit der man unter den üblichen parlamentarischen Gepflogenheiten zusammenarbeiten kann, macht sich etwas vor.“

Harsche Kritik kommt auch von der stellvertretenden Kreisvorsitzenden der CDU. „Dieses Treffen erinnert mich an die Harzburger Front, bei dem sich rechtsradikale Politiker aufmachten, um die Demokratie in Deutschland zu stürzen“, so Cemile Giousuouf, die auch für die CDU im Bundestag sitzt. „Diesmal versuchen es die Nationalisten auf europäischer Ebene mit der EU. Und Frau Radke heult mit den nationalistischen Wölfen mit. Nationalismus bedeutet Krieg in Europa. Die Lehre aus der Geschichte muss lauten, mehr Europa und weniger Nationalismus – nicht umgekehrt.“

CDU-Fraktionschef findet Auftritt „beschämend“

„Das ist typisch für die AfD: nach außen die bürgerliche Fassade zeigen, nach innen die Maske fallen lassen“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Röspel. „Es ist beschämend, dass jetzt mit Frau Radke ein Mitglied des Hagener Rates sich mit Rechtsextremisten wie Marine Le Pen und Geert Wilders fahnenschwingender Weise solidarisiert.“ Radke sehe offenbar ihre politische Zukunft bei rückwärtsgewandten Antieuropäern und Rassisten. Man dürfe gespannt sein, wie sich die anderen AfD-Ratsmitglieder positionierten.

Auch die Freie Wählergemeinschaft Hagen Aktiv nimmt die AfD-Fraktion ins Visier: „Wir würden es begrüßen, wenn die AfD-Anhänger im Stadtrat endlich einmal inhaltlich klar Stellung zu den von ihrem Bundesvorstand vertretenen Positionen beziehen würde“, so Josef Bücker, Fraktionsvorsitzender von Hagen Aktiv.

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