Kriminalität

Hagener Raubüberfall: Juwelierin ist heute Zeugin

Dieses Foto ist vier Monate nach dem brutalen Überfall entstanden: Goldschmiedin Rosemarie Witthüser-Freitag (77) hat sich sichtlich erholt und arbeitet bereits wieder in ihrem kleinen Juweliergeschäft.

Foto: Michael Kleinrensing

Dieses Foto ist vier Monate nach dem brutalen Überfall entstanden: Goldschmiedin Rosemarie Witthüser-Freitag (77) hat sich sichtlich erholt und arbeitet bereits wieder in ihrem kleinen Juweliergeschäft. Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   Im August 2016 wird Rosemarie Witthüser-Freitag (77) in ihrer Goldschmiede brutal überfallen. Jetzt sieht sie den mutmaßlichen Täter wieder.

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Es war sicherlich das Verbrechen der letzten Jahre, das die Hagener Bevölkerung am meisten erschüttert und bewegt hat: Der brutale Raubüberfall auf die Goldschmiedin Rosemarie Witthüser-Freitag im August 2016. Von mehreren Räubern gnadenlos traktiert und eiskalt ins Gesicht geboxt, wurde die 77-Jährige regelrecht niedergeprügelt. Sie blieb blutüberströmt am Boden ihres Geschäfts am Bergischen Ring liegen.

Heute Vormittag, gut 20 Monate nach der schrecklichen Tat, wird die inzwischen 79-jährige Goldschmiedemeisterin einem ihrer mutmaßlichen Peiniger als Zeugin mutig gegenübertreten: Im Saal 201 im Landgericht. Das Schwurgericht verhandelt gegen den Serben Mijan P. (36) wegen des Überfalls auf die betagte Dame und der Vorwurf lautet „versuchter Mord“.

Keine Erinnerung mehr

Was sich am 20. August 2016, zwischen 10.37 Uhr und 10.52 Uhr, in ihrem Juweliergeschäft genau abspielte, daran hat Rosemarie Witthüser-Freitag, die Freunde liebevoll „Ronne“ nennen, keine Erinnerung mehr. Sie war zur Tatzeit allein im Geschäft und wurde mit Schlägen gegen ihren Kopf so brutal misshandelt, dass sie das Bewusstsein verlor. Durch ein „subdurales Hämatom“, eine Einblutung zwischen Hirnhaut und Hirn, so das medizinische Gutachten, bestand sogar akute Lebensgefahr.

Davon unbeeindruckt hatten die Räuber die Vitrinen leergeräumt, handgefertigte Schmuckstücke, also Unikate, im Wert von gut 300 000 Euro erbeutet. Am Tatort zurückgelassen wurde lediglich eine violette Kodi-Papiertüte.

Auf die Intensivstation gebracht

Etwa eine halbe Stunde nach der Tat hatte eine Kundin (58) die unscheinbare Goldschmiede gegenüber dem Fichte-Gymnasium betreten, ein Traditionsgeschäft, das an dieser Stelle seit mehr als 50 Jahren existiert. Sie fand die Inhaberin mit schweren Kopfverletzungen. Von den alarmierten Rettungskräften wurde sie sofort auf die Intensivstation des Allgemeinen Krankenhauses (AKH) gebracht.

Doch neben mikroskopischen Spuren gab es kaum Anhaltspunkte für Ermittlungen. So hatten sich keine Zeugen gemeldet, die an diesem sonnigen Samstagvormittag im Schatten der Staatsanwaltschaft irgendetwas Auffälliges oder Ungewöhnliches beobachtet hatten. In welche Richtung die Täter nach ihrem Raubzug verschwanden und ob sie dafür ein möglicherweise bereitgestelltes Fluchtauto benutzten, blieb unklar. Selbst Anwohner hatten von dem grausamen Geschehen nichts mitbekommen.

Nicht aufgeklärt

Einige Monate schien es so, als würde das Verbrechen vielleicht gar nicht aufgeklärt – bis zum 3. Dezember 2016.

Ortswechsel: Hamburg-Rotherbaum. Gegen 11.05 Uhr betreten zwei Männer ein Juweliergeschäft an der Rothenbaumchaussee. Sie schlagen brutal den 58-jährigen Inhaber nieder. Mit massiven Gesichtsverletzungen liegt er am Boden und wird gefesselt. Dann entwenden sie Gold aus den Auslagen.

Täter flüchten knapp

Erst als Kunden das Geschäft betreten, flüchten die Täter. Die sofort alarmierte Polizei kann die beiden Serben (27 und 34 Jahre alt) an einer U-Bahn-Station fassen.

Der Hagener Martin Winckel (56), Inhaber des „Internationalen Juwelier-Warndienstes“ und sein Vater Klaus (84), seit Jahrzehnten Chef des Schmuck-Ateliers „Dupré“, kennen Ronne Witthüser seit vielen Jahren: „Eine ganz liebe und ehrliche Frau, noch von der alten Generation, die an das Gute im Menschen glaubt.“

Auffallende Übereinstimmungen

Als die Nachricht über die Hamburger Tat bei ihnen aufläuft, erkennen sie sofort auffallende Übereinstimmungen zum Hagener Fall: „Derselbe Wochentag, ein Samstag. Fast genau dieselbe Tatzeit, 11 Uhr. In beiden Fällen Geschäftslage etwas abseits vom Zentrum. Lediglich ein älterer Inhaber im Verkauf. Und dann das völlig hemmungslose und brutale Vorgehen.“ Klaus Winckel benachrichtigt umgehend die Hagener Kripo.

Sohn Martin wird den Prozess heute aufmerksam verfolgen.

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