Bildung

Hagener Schülersprecher: „Wir haben nicht einmal WLAN“

Schülersprecher Tom Böhner (17) übt Kritik an den Zukunftstechnologien seiner Schule.

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Hagen.   Lahmer Aufbruch in die Zukunft an Hagens Schulen. Schülersprecher Tom Böhner (17) übt Kritik an den Zukunftstechnologien seiner Schule.

Strukturiert, Ziel vor Augen, Zukunft durchgeplant: Er will so etwas werden wie die Stecknadel im Heuhaufen. Hunderte Bewerbungen gehen in jedem Jahr bei der Bundeswehr ein. Junge Männer (und wenige Frauen), die Kampfpilot werden wollen. Tom Böhner aus Haspe, 17 Jahre jung, zählt dazu.

Einen Teil der Voraussetzung will der Elftklässler gerade am Christian-Rohlfs-Gymnasium schaffen. Während der Schülersprecher für seine eigene Zukunft klar sieht, ist er gespalten, was die des Systems, in dem er gerade steckt, betrifft: Bildung.

Zurück zu G9

Keller Christian-Rohlfs-Gymnasium Haspe. Der Raum der SV. Ein ruhiges Zimmer, zu dem Schülersprecher Böhner einen Schlüssel hat – ein Schuljahr noch bis zu seinem Abitur.

Immerhin: Die Rückbesinnung auf neun Jahre bis zum Abitur – auch an jener Schule, die er selbst gerade besucht – hält Tom Böhner für richtig: „Ich selbst habe ja nur die G8-Variante erlebt. Aber ich glaube, dass ein Jahr Schule vielen gut tut. Bei einer Podiumsdiskussion an der Schule haben wir mal abgestimmt. Die Meinung in der Schülerschaft ist eindeutig. Man ist einfach weiter, ist reifer, wenn man in die Berufswelt entlassen wird. Ich denke, dass die Fünfer, die im Sommer bei uns eingeschult worden sind, von der Neuregelung profitieren.“

Abi wieder mit 18 Jahren

Das Tempo, so prognostiziert Tom Böhner, werde an den Schulen entspannter: „Der Stoff muss ja nicht mehr in so kurzer Zeit reingehämmert werden. Ich selbst werde 18 Jahre alt sein, wenn ich das Abi in der Tasche habe. Aber einige meiner Mitschüler sind dann erst 17 Jahre alt. Da müssen vermutlich die Eltern dabei sein, wenn sie sich an der Uni einschreiben. Das mutet schon ein bisschen seltsam an.“

Die Grafik zeigt die Zu- und Abnahme der Schülerzahlen an den Hagener Schulen (Vergleich 2017 gegenüber 2013). Ein nach links gerichteter Pfeil bedeutet eine Abnahme, nach rechts eine Zunahme.

Seltsam langsam verläuft der Einzug der Zukunftstechnologien an Hagener Schulen. Mit der Digitalisierung ist es noch nicht so weit her: „Es gibt zwei bis drei Computerräume“, sagt Tom Böhner, „aber der Breitbandausbau lässt noch zu wünschen übrig. Wenn an ein paar Rechnern gleichzeitig Online-Videos laufen, bricht das System zusammen.“

Immerhin: Man merke, dass an Verbesserungen kontinuierlich gearbeitet werde, sagt Böhner. Ein langfristiges Ziel sei mehr digitalisierter Unterricht. „Noch allerdings gibt es bei uns nicht einmal freies W-LAN“, sagt Böhner. „Eines Tages aber soll es an der Schule eine Lernplattform geben, auf der Unterrichtsinhalte bereit gestellt werden.“ Noch aber sind solche Pläne trotz der Sonntagsreden der Politiker im Hagener Westen sowie an vielen weiteren Schulen im Stadtgebiet Zukunftsmusik.

Unterricht ohne Tablet

„Ein Tablet im Unterricht“, sagt Tom Böhner, „ich glaube schon, dass das Sinn machen würde. Besonders in der Oberstufe. Spätestens an der Uni müssen wir ja auch lernen, so zu arbeiten.“

Zumindest bei der Umsetzung könnte ein junges Kollegium die Schüler unterstützen. Und da sieht Böhner seine Schule gut aufgestellt. „Es gibt bei uns viele junge Lehrer. Es fällt nur wenig Unterricht aus.“

Auf einer ganz anderen Ebene sieht Tom Böhner vor allem Handlungsbedarf. „Dass es in jedem Bundesland eine andere Bildungspolitik gibt – das kann ich nicht nachvollziehen“, sagt der junge Mann, der selbst vor ein paar Monaten in die FDP eingetreten ist. „Es muss auch verbindlich festgelegt werden, wie viele Schuljahre es bis zum Abitur sind. Und all diese getroffenen Regelungen dürfen dann nicht von der nächstbesten Mehrheit wieder in Frage gestellt werden.“

Die Podcasts zu den Porträts gibt es auf der Seite von Radio Hagen.

zum Zukunftsrauschen...
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