Prozess

Hagener soll 47 775 Ampullen Testosteron verkauft haben

Vor dem Landgericht Hagen hat ein Prozess um illegale Doping-Mittel begonnen. Im Bild zu sehen sind Testosteron-Ampullen zu sehen, die vom Zoll beschlagnahmt wurden.

Foto: Helmut Ullrich

Vor dem Landgericht Hagen hat ein Prozess um illegale Doping-Mittel begonnen. Im Bild zu sehen sind Testosteron-Ampullen zu sehen, die vom Zoll beschlagnahmt wurden. Foto: Helmut Ullrich

Hagen.   Er soll die Kraftsportszene über lange Zeit versorgt haben: Ein Hagener (36) ist angeklagt wegen des Verkaufs von 47 775 Ampullen Testosteron.

Der freundliche Muskelmann (36) aus Vorhalle ist in der Bodybuilder-Szene kein Unbekannter — er beliefert seit Jahren Kraftsportler in NRW mit illegalen Präparaten. Im Verfahren vor dem Landgericht, das gestern begann, geht es um den Verkauf von 47 775 Ampullen des Sexualhormons Testosteron.

Zwischen März und Juli 2014 soll der Angeklagte, der geständig ist, eine Spezialfirma in Steinmauern (bei Rastatt) beauftragt haben, knapp 12 Kilo des Dopingwirkstoffs in Ampullen abzufüllen. Das Testosteron hatte er zuvor in China geordert, fünf Pakete mit insgesamt 30 Literflaschen waren per Schiff angeliefert worden. Unter der Bezeichnung „American Pharmacy“ verkaufte er, zusammen mit einem Händler in Oberhausen, die abgefüllten 1-ml-Ampullen (250 mg Wirkstoff) unter anderem an Abnehmer im Internet.

Drei Lieferungen beschlagnahmt

Im Frühjahr 2014 hatte er zudem mit dem Oberhausener Händler (der gesondert verfolgt wird) drei Kilo „Testosteron Enantat“ in China bestellt. Das illegale Dopingpräparat, das als Nahrungsergänzungsmittel „Creatine“ deklariert worden war, sollte an die eigens dafür gegründete Firma „MyVita“ in Wuppertal geliefert werden. Doch der Zoll in Frankfurt am Main war wachsam – und stellte das Paket am 17. April 2014 sicher.

Zwei weitere Lieferungen aus China, die an eine Dortmunder Adresse gehen sollten, konnten im Juni 2014 am Flughafen Köln/Bonn und im Juli 2014 auf einem Zwischenstopp am Flughafen „Charles-de-Gaulle“ in Paris abgefangen werden – insgesamt 4,4 Kilo. Bei einer am 28. August 2014 durchgeführten Durchsuchung von Lagerräumen, die der Angeklagte in Wuppertal angemietet hatte, wurden weitere 2025 Testosteron-Ampullen sichergestellt. Die Staatsanwaltschaft: „Auch diese Dopingmittel hat er zum gewinnbringenden Verkauf vorrätig gehalten.“

Bereits einschlägig vorbestraft

Der 36-Jährige ist einschlägig vorbestraft: Das Landgericht verurteilte ihn im August 2014 zu neun Monaten Haft auf Bewährung, weil er 5000 Einheiten eines spanischen Pferde-Medikament bestellt hatte, um es als Muskelaufbau-Präparat an Kraftsportler weiter zu verkaufen. Diesmal könnte er nicht so glimpflich davonkommen: Die Kammer unter Richter Andreas Behrens hat eine Strafe im Bereich von drei Jahren angedacht.

Ein Mitangeklagter (26) kann hingegen auf Bewährung hoffen: Er hatte das Testosteron lediglich zur Ampullen-Abfüllfirma transportiert.

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