Arbeitsmarkt

Hagener Spedition Ottensmann gibt Flüchtlingen eine Chance

Die Spedition Ottensmann bildet Flüchtlinge zu Kraftfahrern aus. Geschäftsführerin Claudia Blecher mit Mamadou Diakité (Guinea) li., Zarar Karimi und Rani Abdel (re./beide Afghanistan).

Foto: Michael Kleinrensing

Die Spedition Ottensmann bildet Flüchtlinge zu Kraftfahrern aus. Geschäftsführerin Claudia Blecher mit Mamadou Diakité (Guinea) li., Zarar Karimi und Rani Abdel (re./beide Afghanistan). Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.  Die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt verläuft zäh. Die Spedition Ottensmann bildet drei Zuwanderer zu Kraftfahrern aus.

Die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt verläuft in Hagen weiter schleppend. Erst 161 Flüchtlinge habe man in reguläre Anstellungen vermitteln können, so die Arbeitsagentur. Claudia Blecher, Geschäftsführerin und Mitinhaberin der Hagener Spedition Ottensmann, ist sich aber sicher, dass es mehr sein könnten, wenn die staatlichen Stellen aktiver wären.

Sie setzt hingegen weiter große Hoffnungen auf die Integration von Flüchtlingen in den deutschen Arbeitsmarkt. Und sie zeigt einen langen Atem. Drei junge Männer haben bei ihr gerade eine Ausbildung zum Berufskraftfahrer begonnen. Abdel Rani und Zarar Karimi kommen aus Afghanistan und Mamadou Diakite aus Guinea. Alle drei sind 18 Jahre alt und haben eine beschwerliche Flucht hinter sich.

Drei Männer sind hochmotiviert

„Wir haben einen großen Mangel an Berufskraftfahrern“, sagt Claudia Blecher. „ Und die jungen Männer sind hoch motiviert und zuverlässig.“ Noch nutzen die drei dem Unternehmen nicht direkt, bis sie ausgebildete Berufskraftfahrer sind, werden drei Jahre vergehen. Zum Teil seien sie zwar in ihren Heimatländern schon Lkw gefahren. „Aber das ist natürlich nicht mit Deutschland vergleichbar. Sie machen jetzt erst den Führerschein Klasse B für Pkw, danach folgt erst der Lkw-Schein. Die gesamte Theorie kommt hinzu und natürlich noch die Deutschkurse.“

Und dennoch ist Claudia Blecher sicher, dass sich diese Investition lohnt: „Wir haben in unserer Branche schon seit Jahren einen eklatanten Nachwuchsmangel. Ich bin froh, dass wir das in Zusammenarbeit mit der Fahrschule Burgmann hinbekommen.“ Es gebe zwar eine staatliche Förderung für diese Ausbildung, aber die Gelder sei nicht höher als bei anderen beruflichen Integrationsmaßnahmen. „Da gibt es keine Sonderbehandlung“, sagt Claudia Blecher.

Pünktlich, freundlich und sehr engagiert

Die jungen Männer seien pünktlich, freundlich und sehr engagiert. „Hier stimmen auch nicht die Klischees, dass Männer aus muslimischen Staaten Frauen im Beruf nicht akzeptieren, ihnen nicht in die Augen schauen oder die Hand geben.

Die drei akzeptieren mich voll und ganz als Chefin, geben mir immer die Hand“, sagt die Unternehmerin. Sie hatte schon früh erkannt, dass Flüchtlinge ihrer Branche gut tun können.

Kritik an der Arbeitsvermittlung

Im Jahr 2015, auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise, gab es bereits eine Informationsveranstaltung von Arbeitsagentur und Jobcenter bei der Spedition Ottensmann. Seitdem sei aber nicht viel passiert, kritisiert Claudia Blecher die staatliche Arbeitsvermittlung. „Dabei hatten wir angeboten, jedes Jahr bis zu zehn Flüchtlinge zusammen mit der Fahrschule Burgmann auszubilden.“

Vergeblich. So kamen die drei jungen Flüchtlinge, die bei Ottensmann zunächst ein Praktikum absolviert haben und jetzt eine Ausbildung beginnen, auch nicht über die Arbeitsagentur oder den Integrationpoint. „Das ist über eine Privat-Initiative entstanden. Eine Bekannte , die sich unter anderem um Flüchtlinge kümmert, ist auf mich zugegangen und hat gesagt: Die drei könnten sich für die Ausbildung zum Berufskraftfahrer eignen.“

Aus Sicht von Claudia Blecher war es ein Volltreffer.

>>HINTERGRUND: 2269 FLÜCHTLINGE BETREUT

  • Im gemeinsamen so genannten Integrationpoint von Arbeitsagentur und Jobcenter (Hartz IV) werden derzeit 2269 Flüchtlinge betreut.
  • Seit Bestehen des Integrationpoints im Herbst 2015 konnten erst 161 Flüchtlinge in den ersten Arbeitsmarkt, also in ganz normale Beschäftigungen, vermittelt werden – darunter fallen 38 Ausbildungsverträge. 162 Flüchtlinge konnten ein Praktikum beginnen.
  • Außerdem gab es 1219 Eintritte in Bildungs- und Sprachmaßnahmen.
  • Von den 2269 Flüchtlingen werden 603 von der Arbeitsagentur betreut, die sich um die Fälle kümmert, bei denen über den Asylantrag noch nicht oder nicht positiv entschieden wurde und die noch unter das Asylbewerberleistungsgesetz fallen, während 1666 Menschen nach der positiven Entscheidung über ihren Asylantrag unter der Obhut des Jobcenters stehen.
  • Insgesamt gestalte sich laut Arbeitsagentur die Integration langwieriger als vor Jahren gedacht. Die Bemühungen zur sprachlichen Qualifizierung der Flüchtlinge trügen aber langsam Früchte, das heiße, zahlreiche Flüchtlinge hätten inzwischen Integrations- oder B1-Kurs erfolgreich abgeschlossen und befänden sich in weiterführenden B2 – Kursen.

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