Geschichte

Hagener Stücke: Kamera aus Delstern reiste Übersee

Eine Kamera der Firma Ruberg  gehört zum Fundus des  Stadtarchivs Hagen. Sie besteht zu großen Teilen aus Kunstharz.

Eine Kamera der Firma Ruberg gehört zum Fundus des Stadtarchivs Hagen. Sie besteht zu großen Teilen aus Kunstharz.

Foto: Stadtarchiv

Hagen.   Josef Ruberg produzierte und verkaufte Antriebsketten für Fahrräder im Hagener Stadtteil Delstern, später auch Kameras — sogar Übersee.

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Die 1918 von Josef Ruberg (1875 bis 1941) im Hagener Stadtteil Delstern gegründete Firma fertigte Antriebsketten für Fahrräder, Motorräder, Automobile und Maschinen. Nach 1930 nahm das Unternehmen zusätzlich die Produktion von Kameras auf.

Im Juni 1931 ließ sich Josef Ruberg in Deutschland, im Februar des folgenden Jahres auch in den USA die Konstruktion eines Fotoapparats patentieren.

Kostengünstigen Herstellung aller Bestandteile

„Aufgrund der sehr einfachen und kostengünstigen Herstellung aller Teile der Kamera aus Kunstharz, die in einem einzigen Pressvorgang vorgenommen werden kann, ist es möglich, eine günstige, für jeden erschwingliche Kamera auf dem Markt zu platzieren“, heißt es in der Anmeldung.

In den 1930er- Jahren produzierte Ruberg & Renner vier Modelle in 25 Ausführungen aus Bakelit und Metall. Gefertigt wurde auch für den Export in die USA, Großbritannien und Frankreich.

Rollfilmkameras

Die handlichen Rollfilmkameras (Film 127/120, 4x6,5 / 3x4) gab es in verschiedenen Ausstattungen. Einfache Modelle besaßen ein schlichtes Meniskus-Objektiv, bessere Ausführungen eine Meyer-Optik mit Compur-Verschluss, andere ein zoombares Periskop-Objektiv der Firma Roden­stock.

Neben Kameras blieben Ketten das Hauptgeschäft des Unternehmens. Ab 1935 leitete die Serienfertigung von Munitionsgurten das kurz darauf folgende Ende der Kameraproduktion in Hagen ein.

Metallpatronengurte für Maschinengewehre

Josef Ruberg hatte 1917 neuartige Metallpatronengurte für Maschinengewehre konstruiert. Sie kamen zum Ende des Ersten Weltkriegs nicht mehr zum Einsatz. Der Versailler Friedensvertrags verbot 1919 bis 1935 die Produktion von automatischen Waffen und Zubehör.

Im Februar 1936 meldete Ruberg & Renner einen Metallpatronengurt für das MG 17 (Kaliber 7,92x57 mm) zum Patent an.

Unternehmen hatte sich spezialisiert

Das Unternehmen spezialisierte sich auf Munitionsgurte für MG‘s und Bordkanonen in Kampfflugzeugen der Luftwaffe.

Die Söhne waren ebenfalls im Unternehmen tätig. Felix (1909 bis 1994) betrieb seit 1937 in Delstern eine eigene Firma. Sie stellte bis Anfang 1945 Bordwaffen-Lafetten her. 1941 übernahm Werner (1912 bis 2005) die Leitung der Kettenwerke Ruberg & Renner.

Rad- und Motorrad-Sport gefördert

Nach Beseitigung der Kriegsschäden setzte Ruberg & Renner 1947 die Produktion von Antriebs- und Transportketten fort. Die Metallwarenfabrik Felix Ruberg stellte Haushaltsgeräte her.

Seit Anfang der fünfziger Jahre förderte Ruberg & Renner den Rad- und Motorrad-Sport. Hier wurden vor allem Rollenketten verwendet. Bis 1967 unterhielt das Unternehmen wie die Schweinfurter Torpedo-Werke und Fichtel & Sachs eigene Rennteams.

In den 70er- Jahren wurde die Firma von dem US-Unternehmen Rexnord übernommen. Die Rexnord Kette GmbH verlagerte ihre Produktion 1982 von Delstern an den heutigen Standort im Lennetal bei Fley.

>>> INFO

Hagener Stücke

13. November: Andreas-Bierdose

20. November: Feuerlösche

27. November: Füllfederhalter

4. Dezember: Hellebarde

11. Dezember: Kamera

18. Dezember: Kinderwagen

27. Dezember: Medaille

2. Januar: Pickelhaube

8. Januar: Rathaushammer

15. Januar: Richtbeil

22. Januar: Sensenblatt

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