Arbeit

Hagenerin arbeitet schon seit 50 Jahren im selben Büro

Reinhild Obermüller arbeitet seit 50 Jahren in ihrem Büro an der Badstraße. Seither hat sich auf der Arbeit alles geändert, nur sie selbst ist geblieben.

Reinhild Obermüller arbeitet seit 50 Jahren in ihrem Büro an der Badstraße. Seither hat sich auf der Arbeit alles geändert, nur sie selbst ist geblieben.

Foto: Lisa Dröttboom

Hagen.   Reinhild Obermüller aus Hagen arbeitet seit 50 Jahren im selben Büro. Sie erzählt, warum sie auch heute noch nicht ans Aufhören denkt.

Reinhild Obermüller geht seit 50 Jahren durch dieselbe Tür zur Arbeit. Was sich seither in dem Büro in der Badstraße verändert hat? „Vieles.“ Sie stockt, überlegt. „Eigentlich alles“, sagt die 71-Jährige.

Angefangen hat sie am 15. April 1969 in einem Immobilienbüro, zuerst als Halbtagskraft zur Unterstützung für einen Mitarbeiter. Später ist sie auch selbst rausgefahren, hat Immobilien verkauft. Heute arbeitet sie für „Verwaltungen Dr. Junker“: Sie überwacht Konten, macht die Buchhaltung, regelt die Gehälter und hat ein Auge auf gewerbliche Mieten. „Ich mache, was anfällt.“

Die einzige Konstante in 50 Jahren

Doch nicht nur ihre Aufgaben haben sich in 50 Jahren geändert, auch die Chefs und die Angestellten. Anstelle von acht Mitarbeitern gibt es heute nur noch einen.

„Meine zwei Cheffinnen und mich, mehr gibt es nicht“, sagt sie lachend. Einzige Konstante in fünf Jahrzehnten: Reinhild Obermüller in ihrem Büro in der Badstraße.

Der Job war Liebe auf den ersten Blick

„Als ich jung war, habe ich eine Handelsschule besucht“, erklärt die 71-Jährige. Damals noch in Warburg, ihrer Heimat. Bei einem Urlaub am Bodensee habe sie dann ihren Mann Karl-Heinz kennengelernt und sei wenig später mit ihm nach Hagen gezogen. Nach der Heirat im Februar 1969 stand für sie fest: „Ich wollte wieder etwas beruflich tun.“

Obermüller sucht sich vier Stellenanzeigen aus der Zeitung aus, besucht Vorstellungsgespräche. „Das erste war nichts für mich“, sagt sie. „Das zweite hatte ich bei Leuwer Immobilien. Die anderen beiden habe ich danach abgesagt.“ Es war wie Liebe auf den ersten Blick. Obermüller wusste sofort: Hier will sie arbeiten.

71-Jährige denkt noch nicht ans Aufhören

„Ich habe hier immer das Gefühl gehabt, wertgeschätzt zu werden – für meine Arbeit und als Mensch. Deshalb bin ich auch immer noch mit Freude dabei.“ Und solange ihr die Arbeit Spaß macht, will sie noch nicht ans Aufhören denken.

„Ich hätte mit 60 Jahren in Rente gehen können, aber ich wollte nicht. Ich kann nicht stricken, nicht häkeln, nicht malen – was hätte ich tun sollen?“ Sie grinst. „Warum soll ich mir eine neue Beschäftigung suchen? Dann kann ich auch hier bleiben und arbeiten.“ Heute ist sie zwar Rentnerin, arbeitet aber immer noch für das Unternehmen. Als Minijobberin.

Schwere Zeiten überwunden

„Ich habe es nie für das Geld gemacht“, stellt Obermüller klar, „sondern weil ich Spaß dran habe. Es gab auch stressige Zeiten, aber ich hatte nie das Gefühl, es geht nicht mehr.“ Und was hat ihr Mann dazu gesagt, als sie weiterarbeiten wollte? „Der hat mich immer unterstützt. Er freut sich, solange es mir Spaß macht.“

Nur manchmal, da würde er jammern, dass sie noch arbeiten geht. Bei der Urlaubsplanung zum Beispiel. „Aber das meint er nicht wirklich ernst“, sagt sie mit einem Augenzwinkern.

Nach Krankheiten um den Job gekämpft

Dunkle Zeiten gab es für Reinhild Obermüller nur wenige. „Ich war zweimal sehr krank, als ich noch jung war.“ Sie sei lange ausgefallen. Keine einfache Situation. „Es war eine sehr wackelige Zeit.“ Ob sie damals Angst um ihren Job hatte? „Ja“, gibt sie zu. „Aber ich habe darum gekämpft, bleiben zu dürfen, und am Ende waren wir alle froh, dass wir das zusammen durchgestanden haben.“

Es habe sie alle näher zusammengebracht. „Es ist für mich kein richtiges Chef-Angestellten-Verhältnis“, sagt Obermüller mit einem Lächeln. „Es ist eher eine Freundschaft.“ Sie überlegt kurz. „50 Jahre“, fügt sie hinzu. „Das schafft nicht jeder. Da muss schon alles stimmen. Für mich hat es immer gepasst.“

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