Gewässer-Untersuchung

Hagens Flüsse durch Medikamente und Chemikalien belastet

Monika Raschke hat für den Hagener NABU Infoheft (Ausgabe 62) einen Bericht über den Zustand Hagener Flüsse und Bäche verfasst. 

Monika Raschke hat für den Hagener NABU Infoheft (Ausgabe 62) einen Bericht über den Zustand Hagener Flüsse und Bäche verfasst. 

Foto: Sophie Scholl

Hagen.  Der Mensch hinterlässt zahlreiche giftige Spuren in den heimischen Gewässern. Eine Untersuchung bringt negative Ergebnisse ans Licht.

Arzneistoffe, Spuren von Schwermetallen und Chemikalien gelangen trotz Kläranlagen in Hagens Flüsse. Darunter jede Menge Spuren der Medikamente Ibuprofen, zweier Blutdrucksenker, zweier Antibiotika, zweier Röntgenkontrastmittel und von Diclofenac. Das erschwert die Lebensbedingungen für die Flussbewohner enorm. Zu diesem Ergebnis kommt Monika Raschke in ihrem Bericht über Hagener Flüsse und Bäche im Heft des Naturschutzbundes Deutschland zum Natur-, Umwelt-, und Vogelschutz in Hagen und Umgebung.

Ein hoher Phosphor- und ein defizitärer Sauerstoffgehalt sind Schuld an der Bewertung „unbefriedigend“, die die Volme bekommen hat. Das „Makrozoobenthos“, das sind die auf und im Gewässerboden lebenden Tiere, die noch mit dem bloßen Auge erkennbar sind, wurde noch mit „befriedigend“ bewertet. Die größeren Wasserpflanzen und Fische haben sogar die Bewertung „unbefriedigend“ bekommen.

„In die Volme werden gereinigte Abwässer von vier Kläranlagen geleitet, noch bevor die Volme Hagen erreicht“, sagt Monika Raschke. Hagens Abwässer kämen dann noch dazu. „In Hagens Flüssen sind Spuren von Schwermetallen und Arzneistoffen nachweisbar, sie gelangen auch trotz der Kläranlagen in die Flüsse“, erklärt Raschke. Und durch den demografischen Wandel sei ein Mehrgebrauch von Arzneimitteln abzusehen und so auch ein höherer Konzentrationswert von Arzneistoffen in den Flüssen.

Einfluss auf die Flussbewohner

In der Volme sind es insgesamt 13 Arzneistoffe, die gefunden wurden. Darunter sind Ibuprofen, zwei Blutdrucksenker, zwei Antibiotika, zwei Röntgenkontrastmittel und Diclofenac. „Diclofenac ist nichts anderes als das Schmerzmittel Voltaren. Wenn man die Salbe unter der Dusche abwäscht, gelangt es in das Abwasser“, sagt Raschke. All diese Stoffe nehmen unmittelbar Einfluss auf die Lebensbedingungen und die Lebewesen, wie Krebse, Insektenlarven und Fische, im Fluss. Boden, Luft und Wasser müssten als Ganzes betrachtet werden, sagt Raschke. „Wenn in der Landwirtschaft Insektizide verwendet werden, gelangen diese in die Luft, bei dem nächsten Regen dann auch in die Flüsse. Das beeinflusst die Entwicklung der Insektenlarven und betrifft dann auch die Fische, die die Larven als Nahrung brauchen“, erklärt Raschke die Zusammenhänge.

Aber nicht nur Chemikalien, sondern auch Eingriffe wie Flussbegradigungen oder das Stauen des Wassers zu Stauseen, verändern den Fluss als Lebensraum und verdrängen damit die typischen Arten. „Durch Stauseen fließt das Wasser langsamer und steht in den Rückstaubereichen. Dort setzen sich feine Bodenpartikel und mit ihnen auch Nährstoffe ab, die für eine Verschlammung der Gewässersohle sorgen. Hier können die typischen Fische und Larven oder Wasserpflanzen nicht überleben“, sagt Raschke.

Lösungen schon im Kleinen möglich

Lösungsansätze, um die Wasserqualität zu heben und die Lebensräume typischer Arten eines Mittelgebirgsflusses zu erhalten, gäbe es viele. Wie darauf zu achten, dass Medikamente nicht über die Toilette entsorgt werden. „Im Größeren könnte darauf geachtet werden, dass Abwässer und Niederschläge nicht in einem Kanal abgeleitet werden. Bei Regen geht ein Teil des Mischwassers an der Kläranlage vorbei und gelangt ungereinigt in die Gewässer.“

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