Interview

Hagens neuer OB Schulz hat drei große Baustellen im Visier

Erik O. Schulz ist der erste parteilose Hagener Oberbürgermeister - und derzeit auch der einzige in NRW .

Erik O. Schulz ist der erste parteilose Hagener Oberbürgermeister - und derzeit auch der einzige in NRW .

Foto: WP Michael Kleinrensing

Hagen.   Am Sonntag ist er zum neuen Hagener Oberbürgermeister gewählt worden – dem ersten parteilosen in der Hagener Nachkriegsgeschichte. Im Interview bezieht er Stellung zu seinen Plänen für die erste Zeit, zum Kontakt mit den Bürgern. Und zum Verhältnis zu seiner früheren Partei, der SPD.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Mit 62,7 Prozent der Stimmen ist Erik O. Schulz in der Stichwahl zum neuen Oberbürgermeister gewählt worden. Er ist nun der einzige parteilose Oberbürgermeister in Nordrhein-Westfalen. Und auch der erste in einer NRW-Großstadt, der von einem Jamaika-Bündnis aus CDU, Grünen und FDP unterstützt wurde.

Herr Schulz, war es tatsächlich – wie manche sagen – eine historische Wahl?

Erik O. Schulz: Ja, ich glaube schon, dass es eine historische Wahl war. Aber nicht wegen meiner Person. Die Situation ist aber historisch. Da verzichtet eine große Volkspartei auf einen eigenen Kandidaten, um mit zwei Kleineren einen Überparteilichen zu unterstützen. Das wird ganz sicherlich die politische Atmosphäre in Hagen verändern.

Sie werden Ihr Amt am kommenden Montag antreten. Wie sieht diese Woche zwischen Wahl und Amtsantritt aus?

Schulz: Ich habe drei große Baustellen. Zunächst einmal werde ich mit den drei Parteien, die mich unterstützt haben, noch einmal zusammensitzen und reden. Vielleicht auch schon mit den anderen Parteien im Rat. Dann muss ich mich natürlich auch um meinen bisherigen Hauptjob kümmern – als Geschäftsführer der Agentur Mark. Dort habe ich zwar eine hoch qualifizierte Prokuristin, die die Alltagsgeschäfte führt. Aber es sind noch einige Regelungen für die Übergabe zu treffen. Und dann werde ich mich natürlich gedanklich auf meinen neue Aufgabe als Oberbürgermeister vorbereiten.

Was werden Ihre ersten Entscheidungen im Amt sein?

Schulz: Zunächst einmal werde ich einen Ratschlag beherzigen, den mir der Gevelsberger Bürgermeister Claus Jacobi schon gegeben hat, als ich 2008 schon einmal Oberbürgermeister-Kandidat werden wollte: „Wenn Du im Amt bist, versuche nicht, alles am ersten Tag zu entscheiden.“

Aber um Entscheidungen werden sie nicht umhin kommen. Was werden die ersten drei Felder sein?

Schulz: Was Personalplanung in meinem engere Umfeld angeht: Da werde ich mich zunächst sehr zurückhalten. Und mich auch mit den drei mich unterstützenden Parteien abstimmen. Zu den Inhalten: Es ist jetzt zwar eine Richtlinie für die städtischen Beteiligungen verabschiedet worden – aber ich glaube, da ist vieles von den Ursprungsgedanken noch nicht umgesetzt worden. Dann habe ich im Wahlkampf viele Fälle gehört, in denen Bürger unzufrieden mit dem Baubereich waren. Die Kritik ist ausdrücklich nicht auf die Mitarbeiter bezogen. Aber wir müssen schauen, ob Kürzungen hier dazu geführt haben, dass Genehmigungsverfahren zu lange dauern. Und ich werde mich als drittes um die Organisation der Wirtschaftsförderung kümmern müssen.

Sie führen derzeit die Agentur Mark mit gerade einmal 25 Beschäftigen. Ab Montag wird es das Hundertfache an Mitarbeitern sein. Wie sollen Sie ein so großes Haus führen?

Schulz: Die Größe der Aufgabe ist jetzt eine andere für mich – das ist gar keine Frage. Es wird aber nicht mein Ziel sein, mich um die Details bis in die letzte Verwinklung zu kümmern. Wenn ein Fachbereich gut geleitet wird, dann ist das auch nicht nötig. Was ich aber auch aus meiner bisherigen Tätigkeit übertragen will: Es muss ein gemeinsames Ziel geben, auf das alle hinarbeiten. Ich will ein Chef sein, der sich vor seine Mitarbeiter stellt, wenn sie in der Kritik stehen. Es sollen gute Arbeitsabläufe entstehen – und eine Atmosphäre, in der die Mitarbeiter sagen: Ich fühle mich wohl, ich arbeite hier gerne. Ich will, dass die Mitarbeiter sagen: Ich bin stolz, für die Hagener Bürger arbeiten zu können. Und, dass die Bürger auch stolz auf ihre Verwaltung sind.

Sehen Sie dafür an der Spitze des Rathaus, sprich bei den Beigeordneten, die richtigen Mitstreiter?

Schulz: Wir müssen uns natürlich erst kennenlernen. Aber es ist ja bekannt, dass ich mit Kämmerer Christoph Gerbersmann schon lange gut befreundet bin und uns eine gute Chemie verbindet. Und auch meine ersten Begegnungen mit Margarita Kaufmann als neue Beigeordnete für Schule, Soziales und Umwelt waren sehr positiv.

Schulz will auch weiter auf dem Ebert-Platz Kaffee trinken gehen 

Ihr Leben lang wohnen Sie jetzt schon in Hagen. Wird man Sie auch weiter als Privatmann im Hagener Stadtbild sehen?

Schulz: Ja natürlich. Ich werde auch weiter mit meiner Familie auf dem Ebert-Platz Kaffee trinken gehen. Und ich habe gerade meine Phoenix-Dauer-Karte verlängert. Da werde ich weiter mit einem alten Freund im rechten G-Block sitzen und vorher eine Currywurst essen – nicht im VIP-Bereich. Ich werde auch weiter als Privatmann mein Theater-Abo haben und den ein oder anderen Autorenfilm in der Pelmke schauen.

Es soll also alles bleiben, wie es ist? Ist das nicht unrealistisch?

Schulz: Am Sonntagabend haben viele zu mir gesagt: „Bleib wie Du bist.“ Denen habe ich gesagt: Ich kann nicht bleiben, wie ich bin. Natürlich habe ich nun ein neues Amt. Aber ganz ehrlich: Ich und auch meine Familie, wir müssen nun auch schauen, wie sich alles entwickelt. Ich will weiter ansprechbar für die Bürger sein – ohne populistisch zu sein.

Im Rat werden künftig zehn verschiedene Gruppierungen vertreten sein, die Sie unterstützenden Parteien haben keine Mehrheit: Wie wollen Sie ihre Ziele im Rat erreichen?

Schulz: Indem wir gemeinsam – OB und Rat – Lösungen erarbeiten, die nicht entlang von dogmatischen Leitplanken verlaufen. Alle Fakten müssen auf den Tisch, es muss unglaublich viel Transparenz geben. Das sage ich ganz ausdrücklich auch im Hinblick auf die neue Gruppierungen im Rat. Es muss einen Prozess des regelmäßigen Abstimmens geben.

Da werden Sie Abstriche von eigenen Positionen machen müssen?

Schulz: Die Stärke eines Oberbürgermeisters bemisst sich nicht danach, ob er seine eigene Meinung durchgesetzt bekommt. Natürlich werde ich auch meine Positionen überprüfen und anpassen müssen. Wichtig ist, dass der beste Weg für Hagen gefunden wird.

Und werden Sie dabei auch auf Ihre frühere Partei, die SPD zugehen?

Schulz: Natürlich. Ich habe im Wahlkampf das ein oder andere kritisiert, weil ich es für zu populistisch hielt. Aber die Sozialdemokraten sind eine wichtige politische Kraft im Hagener Rat, die natürlich in die politische Verantwortung in Hagen einbezogen werden sollten. Der Wähler hat so entschieden. Ich habe auch keine Berührungsängste, mit der SPD zu sprechen.

Werden Sie nach Monaten des Wahlkampfs jetzt ohne Pause durcharbeiten?

Schulz: Am kommenden Montag geht es gleich weiter – aber 14 Tage Urlaub im Sommer habe ich meiner Frau versprochen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (7) Kommentar schreiben