Politik

Hagens SPD-OB-Kandidat Jörg: „Wir werden sie jagen!“

Wolfgang Jörg (Hintergrund) attackierte beim SPD-Parteitag nicht bloß seinen Rivalen um den OB-Posten Erik O. Schulz (Vordergrund), sondern kündigte auch an, die Grünen-Wählerschaft durch Inhalte in sein Boot ziehen zu wollen.

Wolfgang Jörg (Hintergrund) attackierte beim SPD-Parteitag nicht bloß seinen Rivalen um den OB-Posten Erik O. Schulz (Vordergrund), sondern kündigte auch an, die Grünen-Wählerschaft durch Inhalte in sein Boot ziehen zu wollen.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen.  Die SPD hat die Direktkandidaten für die Kommunalwahl 2020 aufgestellt. Dabei wurden die Bewerber aus Hohenlimburg und Altenhagen ausgebremst.

In einem akribisch vorbereiteten Abstimmungsmarathon hat die Hagener SPD am Samstag im Rahmen ihres Parteitages die Ratskandidaten für die Kommunalwahl 2020 aufgestellt.

Dabei folgten die Delegierten einem in den Kulissen sorgfältig vorbereiteten Drehbuch, das letztlich die Wunschkandidaten der SPD-Ortsvereine Altenhagen und Hohenlimburg ausbremste und stattdessen Vertretern der Jusos die Posten der Direktkandidaten sicherte. Gleichzeitig kündigte der designierte OB-Kandidat der Sozialdemokraten Wolfgang Jörg, der am Freitagabend nicht die Rückendeckung einer Grünen-Parteischar erhielt, in bester Diktion von AfD-Frontfigur Alexander Gauland an: „Ab Januar werden wir sie jagen!“

Grüne im FDP-Stil

Dabei zeigte sich der Hagener Landtagsabgeordnete keineswegs überrascht, dass die Grünen-Mitglieder letztlich Amtsinhaber Erik O. Schulz die politische Rückendeckung für das Duell um den Posten des Hagener Verwaltungschefs zusichern: „Schon nach den ersten Gesprächen mit den Grünen war klar, dass dies kein offener Prozess sein würde.“ Der SPD sei den Ruf der Unzuverlässigkeit angeheftet worden, und für die Grünen sei unklar geblieben, ob sich an der Seite der Genossen stabile Mehrheiten finden ließen, analysierte Jörg und schlussfolgerte: „Das ist FDP-Stil, das politische Fähnchen in den Mehrheitswind zu hängen. Die Grünen möchten sich kommod einrichten eng umarmt von Konservativen und Liberalen.“

Dabei, so der erst im Frühjahr 2020 offiziell zu nominierende Genossen-Kandidat, seien bei den Themen vierte Gesamtschule, Tempo der Energiewende, E-Mobilität aus regenerativen Energien oder auch Migration und Integration sich beide Parteien politisch sehr nahe. „Das werden die Wähler im Gegensatz zu den grünen Mandatsträgern erkennen“, kündigte Jörg einen konsequent inhaltlichen Wahlkampf an, um auch die Grünen-Sympathisanten für seine OB-Kandidatur zu gewinnen.

Jörg: „Kurfürstlicher Habitus“

Seinem im Rathaus fest verwurzelten Konkurrenten Schulz warf er mit Blick auf den am vierten Adventswochenende gewährten freien ÖPNV-Verkehr in Hagen „kurfürstlichen Habitus“ vor. Stattdessen schlug er vor, dass der OB lieber die waldpädagogische Arbeit des Marienhofes im Volmetal durch Gratis-Bustickets unterstützen solle, damit wichtige Umweltbotschaften flächendeckend an die Hagener Schülerschaft herangetragen werden könnten.

Im Anschluss kam es zu den mit Spannung erwarteten Duellen um die Direktmandate in den 26 Hagener Wahlkreisen. Dabei konnte selbst der arrogant-selbstgefällige Auftritt von Wieder-Genosse Gerold Vogel es nicht verhindern, dass die Kandidaten aus Hohenlimburg und Altenhagen allesamt gegen ihre Herausforderer durchfielen und sich somit in innerparteilichen Gräben innerhalb der Hagener SPD weiter vertieften.

Direktmandate auf einen Blick

Die Abstimmung der 98 Delegierten über die Direktmandatskandidaten erbrachte letztlich folgendes Ergebnis: Mittelstadt/Altenhagen-Süd: Kirsten Pinkvoss (87,4 Prozent Zustimmung); Altenhagen-West: Fleming Borchert (75,5 %); Altenhagen-Ost: David Wiegmann (62,5 %); Fleyerviertel: Nils Szuka (88,4 %); Eppenhausen: Christian Peters (84,4 %); Emst: Jörg Meier (86,7 %); Remberg: Werner König (84,9 %); Oberhagen: Matthias Machinek (88,5 %); Wehringhausen-Ost: Kevin Niedergriese (87,4 %); Wehringhausen-West: Claus Rudel (82,2 %); Kuhlerkamp/Hauptbahnhof: Christian Mechnich (85,1 %); Boele/Hengstey/Brockhausen: Inger Eiben (89,7 %); Kabel/Bathey/Garenfeld: Milazim Jusaj (87,4 %); Helfe/Fley: Matthias Kunz (89,5 %); Boelerheide: Günter Mosch (87,4 %); Vorhalle/Eckesey: Martin Stange (86,0 %); Hohenlimburg-Nord: Nadine Brandstätter (96,6 %); Hohenlimburg-Ost: Gerold Vogel (60,9 %); Hohenlimburg-Süd: Ramona Timm-Bergs (71,9 %); Hohenlimburg-West: Hendrik Jostes (67,0 %); Eilpe-Zentrum: Anja Engelhardt (87,9 %); Dahl/Delstern/Eilper Feld: Ralf Kuhenne (89,5 %); Geweke/Spielbrink: Dietmar Thieser (84,4 %); Haspe-Mitte/Kückelhausen: Timo Schisanowski (82,2 %); Hestert/Steinplatz: Vera Besten (87,6 %); Westerbauer/Quambusch: Günter Stricker (88,5).

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