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Haltestellen als Werbeplattformen

Die Bushaltestelle mitten in der City heißt seit kurzem nicht mehr „Sparkassen-Karree“, sondern „Stadtmitte“.

Foto: Michael Kleinrensing

Die Bushaltestelle mitten in der City heißt seit kurzem nicht mehr „Sparkassen-Karree“, sondern „Stadtmitte“. Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   Die Straßenbahn vermarktet ihre Bushaltestellenschilder. Für bis zu 500 Euro im Monat können Firmen ihre Namen platzieren.

Manch Fahrgast wird vermutlich stutzen, wenn aus dem Lautsprecher nicht mehr der altbekannte Spruch „Nächster Halt – Sparkassen-Karree“ ertönt, sondern statt dessen die nächste Ein- und Ausstiegsmöglichkeit schlicht als „Stadtmitte“ angekündigt wird. Die Sparkasse hat den Vertrag der Firmennamen-Nennung mit der Straßenbahn gekündigt. Seit 2011 trug die Haltestelle mitten in der City den Namen des Geldinstitutes. Doch das kostet: Für die optische und akustische Firmennamensnennung zahlen Betriebe zwischen 150 und 500 Euro monatlich – je nachdem, von wie vielen Linien der Verknüpfungspunkt angesteuert wird.

Warum hat die Sparkasse den Werbevertrag mit der Straßenbahn gekündigt? „Wir haben unsere Sponsoring-Aktivitäten auf den Prüfstand gestellt“, so Sprecherin Angela Schaefer. „Im Grunde kennt jeder Hagener das Sparkassen-Karree, die Namensnennung ist also eigentlich überflüssig.“

Als „undramatisch“ bezeichnet auch Detlef Recka, Mitarbeiter der Hagener Versorgungs- und Verkehrs-GmbH (HVG), die Kündigung: „Das Prozedere ist nicht ungewöhnlich. Ab und an kündigt ein Vertragspartner, dafür steigt ein anderer ein.“

Zum aktuellen Fahrplanwechsel im Juni sind die Bushalteschilder nun also mit dem neuen Schriftzug „Stadtmitte“ versehen worden. Doch Gespräche mit neuen Interessenten hat die Straßenbahn bereits aufgenommen, „der Standort ist attraktiv, da er ein großer ÖPNV-Verknüpfungspunkt ist“, betont Recka. Spätestens zum Frühjahr 2018 seien die Haltestellen vor dem Karree wieder vermarktet, prophezeit ­er. Wobei er davon ausgeht, dass ein neuer Vertrag bereits in Kürze geschlossen werde.

Namensvergabe hat schon Tradition

Zum Hintergrund: Die Idee, Haltestellen zu vermarkten, wurde vor 25 Jahren geboren und seitdem von vielen Städten übernommen. Zu den ersten Haltestellen, die umgetauft wurden, gehörten die Haltestelle CD Wälzholz im Lennetal und das Autohaus Röttger (heute Max Moritz). „Damals konnte dem Firmennamen auch noch ein Logo hinzugefügt werden; Ortsbezug oder Straßenname wurden vernachlässigt“, erinnert sich Recka an die 1990er-Jahre zurück. Mittlerweile wird der Firmenname nur noch in Verbindung mit dem Straßen- oder Ortsnamen vermarktet. Beispiel: Haltestelle Hasper Zentrum – Wikinger Reisen.

Zur Umbenennung müssen Regeln erfüllt werden. So kann „Max Mustermann“ nicht einfach jeden Monat ein paar Scheine hinblättern, und schon wird eine Bushaltestelle mit seinem Namen versehen. „Uns ist es wichtig, dass sich der Fahrgast zurecht findet“, betont Detlef Recka. „Zur Orientierung steht daher der Name einer weitläufig bekannten Firma auf dem Schild und zusätzlich Straßen- oder Ortsname.“ Zur Vermarktung gehören nicht bloß Haltestellen-Schilder, auch bei der elektronischen Fahrplanauskunft und beim klassischen Fahrplanbuch werden die Firmennamen eingepflegt.

Und wie sieht es mit der Firmennamen-Vermarktung rund um den Hauptbahnhof, dem attraktivsten, da am stärksten frequentierten ÖPNV-Verknüpfungspunkt, aus? „Beim Hauptbahnhof bleibt alles beim Alten“, versichert Recka, „der Standort ist solch ein neuralgischer Punkt, da würde jeder andere Name die Fahrgäste nur verunsichern.“

>>>HINTERGRUND

  • Bei vor einigen Jahren mit der Straßenbahn geschlossenen Verträgen werden auch heute noch ausschließlich die Firmennamen genannt: So bei den Haltestelle Autohaus Pfeffer, Enervie-Zentrale, AKKU Hawker, Jürgens, HEB, Arcadeon, Bauhaus, Basse Druck, Deutsches Rotes Kreuz, CD Wälzholz.
  • Heute werden Verträge abgeschlossen, die Straßen- bzw. Ortsnamen mit jeweiligem Firmennamen kombinieren: Haltestelle Jägerstraße – Schwan-Apotheke, Kurfürstenstraße – Diabetologie Hagen, Haspe Zentrum – Wikinger Reisen, Siedlerstraße – HVG, Eilpe – Physiomed Hagen, Hüttenplatz – GWG

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