Brandschutz und Klimatechnik

Handwerker übernehmen die Regie im großen SIHK-Hörsaal

Im großen SIHK-Hörsaal haben seit den Sommermonaten die Handwerker die Regie übernommen. Das Herzstück der Kammer wird nach dem technischen Standard des 21. Jahrhunderts fit gemacht. Foto:Sandra Wahle

Im großen SIHK-Hörsaal haben seit den Sommermonaten die Handwerker die Regie übernommen. Das Herzstück der Kammer wird nach dem technischen Standard des 21. Jahrhunderts fit gemacht. Foto:Sandra Wahle

Hagen.   Handwerker diktieren aktuell den Rhythmus im SIHK-Gebäude an der Bahnhofstraße. Für 3,8 Millionen Euro wird der große Hörsaal modernisiert.

Das Kammergebäude der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer (SIHK) in Hagen an der Bahnhofstraße wird aktuell im großen Stil saniert. Während die Vorderfront des Verwaltungssitzes entlang der Karl-Marx-Straße das vertraute Bild liefert, haben an der Rückseite und im Innenhof die Handwerker die Regie übernommen. Im Mittelpunkt der Arbeiten steht die Modernisierung des großen Hörsaals mitsamt Foyer und den beiden Konferenzräumen. Insgesamt werden 3,8 Millionen Euro investiert.

Ursprünglich war angedacht, lediglich die im Laufe der Jahre arg altersschwach gewordene Klima- und Lüftungstechnik in dem Objekt zu erneuern. Doch bei einer turnusmäßigen Brandschau der Hagener Feuerwehr wurde offensichtlich, dass die Flucht- und Rettungswege nur unzureichend ausgeleuchtet sind, die Rauchabzüge nicht dem erforderlichen Standard entsprechen und vor allem auch das Foyer mit der Lichtkuppel, in dem bis zu 200 Menschen Platz finden, ebenfalls unter die Versammlungsstättenverordnung fällt und damit brandschutztechnisch entsprechend nachgerüstet werden müsse.

Brandschutzkonzept beauftragt

„Die Stadt hätte uns den Hörsaal zugemacht, wenn wir jetzt nicht gehandelt hätten“, beschreibt Carmen Knollmann, Geschäftsbereichsleiterin Zentrale Dienste, die Situation. Also gab die Kammer ein Brandschutzkonzept in Auftrag, um den tatsächlich notwendigen Rahmen der anstehenden Arbeiten abzustecken.

Das Ergebnis wird gerade besonders staubintensiv umgesetzt. Der stattliche Hörsaal, der bis zu 970 Menschen Platz bietet und somit als zweitgrößte Versammlungsstätte in Hagen nach der Stadthalle gilt, gleicht derzeit einem Rohbau. Lediglich der sorgfältig geschützte Stabholzparkettboden bleibt erhalten.

Hinter den demontierten Wandverkleidungen kommt derweil das nackte Mauerwerk zum Vorschein, eine stählerne Zwischendecke ermöglicht aktuell die feuerfeste Verkleidung der Decken-Stahlträger, und der Schutt verschwindet über den rückwärtigen Notausgang in Containern auf dem Hof-Parkplatz.

Mauerriss durch Erdbeben

Kurios: In einer Rückwand des Hörsaals, in dem neben Veranstaltungen aller Couleur auch die Kammer-Prüfungen stattfinden, tauchte völlig überraschend ein kapitaler Riss auf, der offenbar nach einem Erdbeben das Mauerwerk vom Boden bis zur Decke aufgesprengt hatte. „Dieser Schaden muss unter Druck verfüllt werden“, erläutert Knollmann.

Verschwunden ist bereits die Technikloge an der Rückseite des Saals. Ton-, Licht- und Beamertechnik werden künftig ebenerdig weitaus komfortabler zu steuern sein. Entsprechend werden auch die Wände mit einem Baustoff verkleidet, der die Nachhallzeiten des Schalls verkürzt, so dass der Hörsaal künftig auch dem geforderten Inklusionsstandard entspricht.

Klimatechnik über zwei Etagen

Die eigentliche Klimatechnik wird angesichts des künftig erforderlichen Volumens in der dritten und vierten Etage des Seminargebäudes untergebracht, wo seit dem Auszug der Pharmazeutisch-technischen Assistenten ohnehin ein Geschoss leer stand. Im Zuge der Arbeiten wird zudem das Flachdach, dessen Sanierung ursprünglich erst in fünf Jahren angestanden hätte, gleich mit erneuert.

Carmen Knollmann versichert: „Alles andere hätte wirtschaftlich keinen Sinn gemacht.“ Auch für diese Maßnahme gibt es die volle Rückendeckung der SIHK-Vollversammlung, die immerhin 46 000 Betriebe vertritt.

Kammer weicht aus

Während der Sanierungsarbeiten, die sich voraussichtlich bis Mai 2018 hinziehen, müssen die klassischen SIHK-Veranstaltungen an andere Orte verlegt werden. So wird der traditionelle Jahresempfang am 7. Dezember mit dem CDU-Wirtschaftsexperten Friedrich Merz diesmal in der Stadthalle stattfinden. Aber auch mit ihren Prüfungen muss die Kammer ins Bildungszentrum in Kückelhausen sowie die Geschäftsstelle in Iserlohn ausweichen.

Mittelfristig stehen neue Fluchtwege für den aufgeständerten Sitzungsraum über dem Hauptportal auf der Agenda. Damit kann bis 2020 gewartet werden, denn im Jubiläumsjahr 2019 – die Kammer wird 175 Jahre alt – sollen die Flure der Zentrale staubfrei bleiben.

>>HINTERGRUND: ENGE RAHMENVORGABEN

  • Sanierungsarbeiten in der Zen­trale der Südwestfälischen Indu­strie- und Handelskammer (SIHK) bedeuten keineswegs automatisch, dass vorzugsweise Betriebe aus dem Kammerbezirk zum Zuge kommen.
  • Zwar hat die Kammer im Rahmen der Ausschreibung gezielt 14 Unternehmen aus der Region angeschrieben, doch diese konnten alle nicht die finanziellen Rahmenvorgaben der SIHK erfüllen, so dass bislang auswärtige Firmen den Zuschlag erhielten.
  • Offen ist noch die Vergabe der kompletten Lüftungs- und Klimatechnik – ein Auftrag, der alleine schon ein Volumen von 1,6 Millionen Euro hat.

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