Medizin

Helling-Plahr will Spendeverbot für Homosexuelle aufheben

Die Herstellung von Blutprodukten (Thrombozyten, Erythrozyten und Plasmapräparate) sowie Spezialpräparaten beim DRK in Hagen.

Die Herstellung von Blutprodukten (Thrombozyten, Erythrozyten und Plasmapräparate) sowie Spezialpräparaten beim DRK in Hagen.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen.  Katrin Helling-Plahr aus Hagen fordert, dass die Versorgung mit Spenderblut Priorität habe. Homosexuelle dürften nicht ausgeschlossen werden.

Die Hagener Bundestagsabgeordnete Katrin Helling-Plahr fordert, das faktische Blutspendeverbot für homo- und bisexuelle Menschen aufzuheben. Die FDP-Politikerin hat einen Brief an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und den Präsidenten der Bundesärztekammer geschrieben, in dem sie den pauschalen Ausschluss dieser Personengruppe als vollkommen überholt bezeichnet: „Das faktische Spendeverbot stellt Homo- und Bisexuelle in eine Schmuddelecke.“

Helling-Plahr reagiert damit auf den Bericht unserer Zeitung über den Engpass bei den Blutkonserven und zeigt für den Hilferuf des Roten Kreuzes in Hagen volles Verständnis. Zudem forderte sie, dass die Versorgung Deutschlands mit Spenderblut oberste Priorität haben sollte: „Die Bundesregierung sagte es in einer Antwort auf eine kleine Anfrage von mir selbst: Die Anzahl der Vollblutspenden ist rückläufig, eine Zunahme von Rückstellungen ist zu erwarten – nur Konsequenzen zieht sie daraus keine.“ Angesichts der jüngsten eindringlichen Warnungen vor drohenden Engpässen sei diese abwartende Haltung nicht zu rechtfertigen.

Es fehlt an Nachrückern

Die Spenderzahlen seien aber nicht nur wegen der Corona-Pandemie rückläufig, sondern auch wegen der demografischen Entwicklung und der Rückstellungspraxis. „Ich sehe mit Besorgnis, dass sowohl die Anzahl der Vollblut- als auch der Blutplasmaspenden in Deutschland rückläufig ist“, berichtet die FDP-Politikerin.

Viele langjährige Vollblutspender könnten aufgrund ihrer Gesundheit nicht mehr spenden oder erreichten zusehends die Altershöchstgrenze. Teilweise würden frühere Spender auch zu Empfängern, wobei es gleichzeitig an ausreichenden, jüngeren Nachrückern, die diese Ausfälle auffangen können, fehle.

Darüber hinaus würden viele potenzielle Spender pauschal an einer Spende gehindert, kritisiert Helling-Plahr. Homo- und bisexuelle Männer seien von der Blutspende de facto ausgeschlossen, da bei ihnen von einer erhöhten HIV-Prävalenz und/oder einer risikobehafteten Sexualpraktik mit damit erhöhtem Infektionsrisiko ausgegangen werde. Diese Personengruppe dürfe erst Blut spenden, wenn sie vor der Spende ein Jahr keinen Sexualverkehr hatte: „Andere Staaten haben dieses Verbot wegen neuer medizinischer Erkenntnisse längst überarbeitet.“

Tatsächliches Risikoverhalten

Anknüpfungspunkt sollte das tatsächliche Risikoverhalten jeder Person sein, egal welche sexuelle Orientierung diese habe, so Helling-Plahr. Und tatsächlich habe man vor kurzem noch den Eindruck gewinnen können, dass das faktische Blutspendeverbot für homo- und bisexuelle Männer kippe. Im Zweiten Gesetz zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite sei ein Passus aufgenommen worden, der die Bundesärztekammer zu einer regelmäßigen Überprüfung von gruppenbezogenen Ausschlüssen und Rückstellungen von einer Blutspende verpflichte. „In Wirklichkeit bleibt die große Lockerung des Blutspendeverbots für homo- und bisexuelle Männer aber aus“, sagt Helling-Plahr: „Die Überprüfungspflicht ist lediglich eine Manifestierung der gegenwärtigen Rechtslage und bringt keinerlei Veränderungen in der Praxis. Das ist Augenwischerei.“

Die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung müsse der Vergangenheit angehören und dürfe nicht auf pauschale Ausgrenzungen gewisser Personengruppen setzen, so die Hagener Liberale.

Beim Roten Kreuz wehrt man sich jedoch gegen eine dahingehende Öffnung. Dass homosexuelle nicht ohne weiteres Blut spenden dürften, habe nichts mit Diskriminierung zu tun, sondern mit der Sicherheit der Patienten. Bei HIV gebe es ein diagnostisches Fenster, in dem die Infektion nicht nachweisbar sei. Zudem dürften auch andere Personengruppen kein Blut spenden: „Zum Beispiel wer in den 80er und 90er Jahren in England gelebt hat – wegen der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit“, so DRK-Sprecher Stephan David Küpper: „Es gibt in Deutschland kein Recht auf Blutspende, wohl aber ein Recht der Patienten, darauf vertrauen zu dürfen, dass das transfundierte Präparat so sicher wie irgend möglich ist.“

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