Wirtschaft

Henke AG reizt neue Fassade für Verwaltungs-Hochhaus

Mit dieser CNC-Maschine, vor der Vorstandssprecher Jürgen Henke steht, werden in der Bechelte Fassadenteile millimetergenau zugeschnitten.

Mit dieser CNC-Maschine, vor der Vorstandssprecher Jürgen Henke steht, werden in der Bechelte Fassadenteile millimetergenau zugeschnitten.

Foto: WP Michael Kleinrensing

Hagen.  In der Bechelte werden Elemente für Fassaden in ganz Deutschland gefertigt. Jürgen Henke reizt aber nun ein Projekt in seiner Heimatstadt: Die neue Fassade für das Verwaltungshochaus.

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Wenn das triste Stadtverwaltungs-Hochhaus am Friedrich-Ebert-Platz in diesem Jahr tatsächlich eine neue Fassade erhalten sollte, dann steht ein Bewerber für die Arbeiten schon so gut wie fest: die Henke AG aus der Bechelte. Vorstandssprecher Jürgen Henke macht klar und deutlich, dass ihn trotz all der Gebäude, denen sein Unternehmen in ganz Deutschland ein neues Aussehen gegeben hat, dieses Projekt in seiner Heimatstadt ganz besonders reizen würde: „Da wollen wir auf jeden Fall dabei sein. Das ist ein Gebäude, das weithin zu sehen ist, das das Bild von Hagen prägt.“

So könnte das Hochhaus, das bislang noch mitten in der Stadt DDR-Charme verbreitet, nun aber mit Bundesmitteln aus dem kommunalen Investitionsprogramm energetisch saniert werden soll, zur neuen Hagener Landmarke werden. Vielleicht so wie das so genannte Gustavo-Haus im Berliner Bezirk Lichtenberg. Ein einstmals trister Plattenbau, der in den 90er-Jahren mit Hilfe der Henke AG eine bunte Fassade mit Werken des spanischen Künstlers Gustavo erhalten hat. Aus dem Betonklotz ist so ein beachtetes Kunstwerk geworden. Die Henke AG hat dies technisch umgesetzt.

Hagen hat mit hoher Leerstandsquote zu kämpfen

Im 112. Jahr seines Bestehens ist das Hagener Unternehmen, das auch in Berlin (schon seit 1980) und in Hamburg Standorte hat, mittlerweile. Das klassische Dachdecken gehört auch heute noch zum Portfolio des Unternehmens, das Jürgen Henke inzwischen in dritter Generation führt. Aber spezialisiert hat man sich auf Industriebauten und insbesondere auf die Fassadengestaltung von großen Wohneinheiten.

In Hagen hat die Henke AG dafür schon Beispiele geliefert. Etwa in der Höxterstraße am Tücking. Die Siedlung der Wohnungsgenossenschaft GWG galt als problembeladen. Durch die Sanierung und insbesondere durch die farbige Neugestaltung der Fassade ist sie zu einem Vorzeigeprojekt geworden, das in der Fachwelt für Aufsehen gesorgt hat und den Filmemacher Adolf Winkelmann (unter anderem „Contergan“ oder Video-Installation am Dortmunder U) zu einem Projekt animiert hat.

Für Jürgen Henke ist es ein Beispiel, dass auch ein alter Wohnungsbestand nicht abgeschrieben werden muss. „Wir haben die Möglichkeit, die Gebäude in die Jetzt-Zeit zu holen“, sagt der gelernte Dackdeckermeister. Und er blickt dabei auch auf seine Heimatstadt Hagen, die mit einer hohen Leerstandsquote zu kämpfen hat, die aber durch den Zuzug von vielen Flüchtlingen schon sehr schnell wieder neuen Wohnraum benötigen wird. Die Wohnungsgenossenschaften sieht er hier als guten Partner.

Das Ziel: Die Arbeitszeit auf den Baustellen deutlich reduzieren

Am Quambusch in der Ährenstraße wird derzeit eine GWG-Siedlung unter anderem mit einer neuen Fassade von Henke zukunftsfähig gemacht. Für Jürgen Henke gibt es zwei Argumente, warum die Aluminium-, Platten-Vorhang-, Trapezblech- oder Alucobondfassaden zukunftsträchtig sind: Sie garantierten, so der Unternehmer, Effizienz und Nachhaltigkeit. Effizienz will die Henke AG unter anderem dadurch garantieren, dass die Produktion zunehmend von der Baustelle in die Produktionshallen verlegt wird.

Dafür steht zum Beispiel die neue, hoch moderne CNC-Maschine in der Produktionsstätte an der Bechelte. Hier werden die Elemente millimetergenau vorgefertigt, die später sofort an den Wänden aufgehängt werden können. „Zu 70 bis 80 Prozent erfolgt die Produktion bei uns im Betrieb, nur zu 20 bis 30 Prozent auf der Baustelle“, erklärt Jürgen Henke. „Dadurch werden wir wetterunabhängiger und schneller, das macht die Arbeit effizienter.“

Unter anderem bundesweit agierende Handelsketten wissen das zu schätzen, lassen ihre stets gleich aussehenden Fassaden in Hagen produzieren. Zudem sei Nachhaltigkeit ein großes Thema: „Wenn die Fassade mal wieder abgebaut werden muss, dann können alle Materialien ohne großen Aufwand getrennt wieder verwertet werden. Das ist anders als bei einer Styropor-Putz-Dämmung.“ Zudem bestehe keine Brandgefahr.

Die Arbeit sei sehr spezialisiert, so Jürgen Henke: „Wir brauchen gute Leute.“ Und deshalb setzt das Unternehmen auf die eigene Ausbildung: Zwölf Azubi-Plätze gibt es derzeit. Nicht immer, so Henke, sei es aber einfach, diese auch mit wirklich qualifizierten jungen Leuten zu besetzen. Das Engagement lohne sich aber: „80 Prozent unserer Mitarbeiter haben wir selbst ausgebildet.“ Etwa 70 sind es in Hagen, etwa zehn in Berlin und weitere zwei in einer Vertriebs-Dependance in Hamburg. Acht Handwerksmeister und drei Diplom-Ingenieure, die zum Team gehören, zeigen, wie hoch spezialisiert der Beruf des Dachdeckers bzw. Fassadenbauers inzwischen geworden ist.

Zusammenarbeit mit kreativen Architekten

Fürchtet Jürgen Henke nicht, dass ein weiterer Erfolg seines Unternehmens zu einem uniformen Aussehen in Städten führen könnte, dass die Fassaden aus seinem Unternehmen zur Einheitsfront in Hagen werden könnten? „Nein“, sagt Jürgen Henke, der gerne mit Künstlern zusammenarbeitet. „Zum einen liegt unser Schwerpunkt klar bei größeren Wohneinheiten, nicht beim Eigenheim. Zum anderen arbeiten wir eng mit kreativen Architekten zusammen. Auf die Idee kommt es an.“

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