Umwelt

HGW lässt drei große Bäume vor Kindergarten in Hagen fällen

Nur Stümpfe blieben von den schönen Birken.

Nur Stümpfe blieben von den schönen Birken.

Emst.   Weil ein Anwohner über eine verstopfte Dachrinne klagte, ließ die Hagener Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft kurzerhand drei Birken fällen.

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Wenn stattliche Bäume gefällt werden, dann kochen die Emotionen in Hagen schnell über. So auch jetzt an der Cunostraße auf Emst, wo die Hagener Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft (HGW) drei Birken fällen ließ. „Das Quartier hat dadurch enorm an Atmosphäre verloren“, beklagt Susanne Schönlau, Leiterin des städtischen Kindergartens, vor dessen Türe die Laubbäume standen.

Nur drei kaum aus der Wiese ragende Stümpfe zeugen noch von der Baumgemeinschaft. Ein Anwohner hatte sich seit zwei Jahren bei der HGW, auf deren Boden sich die Birken befanden, regelmäßig beklagt, dass die Bäume auf sein Grundstück hinüber ragten und jede Menge Unrat verursachten.

In Rechnung stellen

Dachrinne und Fallrohr des Gartenhauses würden von den Blättermassen verstopft. Sollte die Wohnungsgesellschaft nicht endlich etwas dagegen unternehmen, so drohte er, dann würde er der HGW die Kosten für die Reinigung von Dachrinne und Co. in Rechnung stellen.

Schließlich entschied sich das städtische Wohnungsunternehmen zum Handeln. Doch die schönen Birken wurden nicht, wie man vielleicht annehmen sollte, um einige Äste und Zweige gekürzt. Vielmehr beschloss die HGW nach Rücksprache mit der beauftragten Gartenbaufirma, die Birken abzuholzen. Begründung: „Es hätte keinen Sinn gemacht, nur die Äste zu kürzen, da die Bäume infolgedessen erkrankt und abgestorben wären“, teilte ein HGW-Mitarbeiter mit: „Und das hätte schließlich auch die Fällung zur Folge gehabt.“ Auch das Fällen nur einer Birke sei keine Option gewesen, weil es sich um eine Baumgruppe gehandelt habe und die Standsicherheit der beiden anderen Birken ohne die dritte im Bunde nicht mehr hätte gewährleistet werden können.

Für lebenswertes Umfeld

Eine Begründung, die nicht allen Emstern so recht einleuchten möchte. Dass eine Privatperson mit Androhung von Reinigungskosten eine Wohnungsgesellschaft zwingen könne, drei „ganz tolle Birken“ einfach fällen zu lassen, habe ihn schockiert, erklärte Horst-Helmut Fichtel, der sich seit jeher für ein lebenswertes Umfeld mit möglichst viel Grün engagiert: „Dieser Kahlschlag ist ein Wahnsinn.“ Er gehe davon aus, dass die HGW sich lediglich die Mühe ersparen wolle, die Bäume zu pflegen und zu erhalten.

Ein Vorwurf, den die Wohnungsgesellschaft zurückweist. Die HGW führe ein Baumkataster und lasse sämtliche Bäume auf ihren Grundstücken jährlich auf Standsicherheit und Krankheiten untersuchen, teilte das Unternehmen mit. Ob an Stelle der drei Birken vor dem Kindergarten neue Bäume gepflanzt würden, sei allerdings noch nicht diskutiert worden. . .

>>Hintergrund: Baumschutzsatzung aufgehoben

  • Früher waren Bäume ab einem bestimmten Stammumfang über die Baumschutzsatzung der Stadt geschützt, die jedoch im Jahre 2007 aufgehoben wurde.
  • Seitdem können Bäume vom Eigentümer zumeist ohne Genehmigung gefällt werden. Die Abschaffung der Satzung sollte auch bürokratische Hürden verringern.
  • Bestimmte Bäume, etwa Naturdenkmale, dürfen weiterhin nicht gefällt werden.

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