Eigeninsolvenz

Hohenlimburg: Kaltwalz-Werk stellt den Betrieb ein

Insolvent: Die Kaltwalz-Firma Siegfried Boecker wird Ende Januar 2020 den Betrieb einstellen.

Insolvent: Die Kaltwalz-Firma Siegfried Boecker wird Ende Januar 2020 den Betrieb einstellen.

Foto: Marcel Krombusch / Westfalenpost

Hohenlimburg.  Die Firma Siegfried Boecker in Elsey hat Insolvenz angemeldet. Ende Januar wird die Produktion stillgelegt. Rund 25 Mitarbeiter sind betroffen

Die Kaltwalz-Firma Siegfried Boecker hat Insolvenz in Eigenverantwortung angemeldet und stellt Ende Januar die Produktion in Elsey komplett ein. Rund 25 Mitarbeiter sind von der Stilllegung betroffen. Diese haben eine dreimonatige Kündigungsfrist und bekommen die Möglichkeit, in eine Transfergesellschaft zu wechseln – für sechs Monate und bei 75 Prozent des Gehalts.

Das sagt die Belegschaft

Für die Belegschaft der Kaltwalz-Firma sei die Nachricht von der Stilllegung ein Schock gewesen, sagt Birol Yildrim, Vorsitzender des Betriebsrats. „Wir waren ein Familienunternehmen. Viele Mitarbeiter sind seit Jahrzehnten hier beschäftigt und haben den Betrieb mit aufgebaut“, so Yildrim, der selbst seit 25 Jahren im Unternehmen arbeitet. Er äußert deutliche Kritik am Agieren der Geschäftsführung. „Für mich hat die Führung den Betrieb gezielt in die Insolvenz geführt.“

So sei die Belegschaft überaltert, jüngere Mitarbeiter wurden seit Jahren nicht eingestellt. „Außerdem war die Auftragslage gut.“ Dem Betriebsrats-Vorsitzenden fehlten schon längst wichtige Impulse, um den Standort zukunftssicher zu machen.

Das sagt die Führung

Dass der Betrieb von ihm gezielt in die Insolvenz gesteuert wurde, das weist Geschäftsführer Siegfried Boecker zurück. „Schon seit Jahren ist die Kaltwalzproduktion am Standort in Elsey nicht mehr wirtschaftlich gewesen, so dass wir nur noch subventioniert haben“, sagt Boecker. Viele Maschinen seien überaltert. Um die Produktion wettbewerbsfähig zu machen, hätten rund 12 Millionen Euro investiert werden müssen. Für eine Firma mit einer Bilanzsumme von 4 Millionen Euro nicht tragbar, so Boecker weiter.

Darüber hinaus sei es nicht möglich gewesen, am Firmengelände in Elsey zu expandieren. Es fehle an freien Flächen. „Auch ein Modernisierungsprogramm und deutliche Kostensenkungen inklusive Personalabbau haben den Trend nicht stoppen können.“

Vor diesem Hintergrund sei es schwer gewesen, junge Mitarbeiter langfristig an den Betrieb zu binden. Im Gegenteil: Innerhalb der letzten zehn Jahre wurde die Belegschaft um rund die Hälfte reduziert. Schon vor etwa drei Jahren habe die Geschäftsführung begonnen, einen Käufer für das Werk zu finden – ohne Erfolg. „Wir hatten mit mehr als 120 Firmen Kontakt, aber bei der Wirtschaftslage fehlt vielen der Wille zu investieren.“

Auch die Kooperation mit einer Unternehmensberatung 2019 habe keine aussichtsreiche Perspektive für die Produktion erkennen lassen. „Der Markt hat sich schneller verändert, als wir es konnten.“

Das sind die weiteren Schritte

Unter Kontrolle eines Sachwalters wird die Führung den Betrieb nun abwickeln. Dieser Prozess könne mehrere Jahre dauern, sagt Boecker. „Unsere Gläubiger haben gute Aussichten auf eine sehr hohe Quote“, zeigt er sich zuversichtlich, dass offene Forderungen erfüllt werden können. Über Partnerunternehmen werde die entstehende Lücke im Markt gefüllt, für Kunden sei also sichergestellt, dass sie weiter versorgt werden. „Aber auch wenn die Entscheidung vernünftig ist und das Verfahren ordentlich läuft, fühlt es sich schmerzlich an, Ende Januar aufzuhören“, so Boecker weiter. Der 36-Jährige hatte das Kaltwalz-Werk vor rund neun Jahren übernommen.

Ende März diesen Jahres wäre die Firma 60 Jahre alt geworden. Was nach der Stilllegung mit dem Firmengelände in Elsey passiert, ist aktuell noch unklar.

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