Neue Aufhängung

Hohenlimburg: Warum die Kirchenglocke nicht schlägt

| Lesedauer: 4 Minuten
Seit dem Frühjahr fehlt der Stundenschlag aus dem Turm der Reformierten Kirche in Hohenlimburg. Die Aufhängung der Glocke muss erneuert werden.

Seit dem Frühjahr fehlt der Stundenschlag aus dem Turm der Reformierten Kirche in Hohenlimburg. Die Aufhängung der Glocke muss erneuert werden.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hohenlimburg.  Seit dem Frühjahr fehlt der Stundenschlag aus dem Turm der Reformierten Kirche. Der Grund: Die Aufhängung der größten Glocke muss erneuert werden

Seit Monaten ist es auffallend ruhig im Glockenturm der Reformierten Kirche. Dort schlägt eigentlich stets zur halben und vollen Stunde die größte der drei Glocken im Turm. Doch der Stundenschlag ist nicht zu hören, denn die Glocke liegt am Turmboden. Die Aufhängung muss erneuert werden.

+++ Lesen Sie auch: Hohenlimburg: Neue Elseyer Pfarrerin im Gespräch +++

Mängel am alten Joch erkannt

Kurz nach Beginn der Corona-Pandemie, vor rund eineinhalb Jahren, erkannten Sachverständige erhebliche Mängel an dem Joch, an dem die Glocke aufgehängt ist. An dem massiven Holzbalken waren Risse erkennbar, die langfristig Probleme gemacht hätten.

„Wenn eine rund zwei Tonnen schwere Glocke in Schwingung versetzt wird, dann wirken enorme Kräfte auf die Aufhängung“, beschreibt Bernd Wallentowitsch, Baukirchmeister der Reformierten Gemeinde. Wenn Spielraum zwischen Stahlverbindung und Holzführung ist, sorgt das für Instabilität. „Es ist also unabdingbar, dass die Verbindungen regelmäßig auf festen Sitz geprüft und gegebenenfalls nachgespannt werden müssen.“ Das Problem: Auch nach dem Nachspannen an das Joch löste sich die Verbindung wieder. Die Glocke hat sich gelockert. Der Gemeinde blieb nichts anderes übrig, als das Joch abbauen und einen Nachbau in Auftrag geben zu lassen.

Kaum noch Firmen für die Arbeit

Keine leichte Aufgabe, denn es gibt kaum noch Firmen, die solche Arbeiten anbieten. „Die meisten kommen aus Süddeutschland. In unserer Region gibt es nur noch eine Handvoll Anbieter.“ Man fand schließlich eine Firma, die am Joch Maß nahm und nun an einem exakten Nachbau des Holzbalkens aus Eichenholz arbeitet. Die Gemeinde hofft, dass das neue Joch in den kommenden Wochen fertig ist und angeliefert und eingesetzt werden kann. Der Einbau selbst wird eine Herausforderung: Denn weder kann das rund eine Tonne schwere alte Joch über die Treppe den Glockenturm hinunter, noch das neue Joch über die Treppe hoch getragen werden.

Autokran muss anrücken

Ein Autokran muss in der Fußgängerzone anrücken und von Außen nachhelfen. Im Turm wird die Glocke mit dem neuen Joch verbunden und eingehängt. Eventuell muss dann noch die Elektrik für den Stundenschlag erneuert werden, bevor die Bronzeglocke nach Monaten des Stillstands wieder schwingen kann. Ein Datum für die Anlieferung des neuen Jochs und den Einbau gibt es noch nicht, so die Gemeinde. Es soll aber möglichst noch im Herbst stattfinden. „Wir würden gerne zu Weihnachten dieses Jahr wieder alle drei Glocken läuten lassen.“

Lesen Sie auch: Hohenlimburg: Besuch auf einem vergessenen Friedhof +++

Gemeinde zahlt die Erneuerung

Mehr als 20.000 Euro kostet die Erneuerung des Jochs, die Anlieferung per Autokran nicht eingerechnet. Die Gemeinde bezahlt die Rechnung aus eigener Tasche und hat daher auch ihre Mitglieder um Spenden gebeten. Derweil sei es Anwohnern durchaus aufgefallen, dass der Stundenschlag zurzeit fehlt, sagt Folkert Schuerhoff, ehemaliger Presbyter der Reformierten Gemeinde. „Einmal rief zum Beispiel jemand an und fragte, warum die Glocken nicht zu hören waren. Er hätte verschlafen.“ Zu dem Klang von Kirchenglocken vor der Haustür kann man grundsätzlich geteilter Meinung sein. Das weiß auch die Gemeinde. Deshalb wird zum Wochenende samstags nicht mehr um 7 Uhr in der Früh geläutet, wie es lange Usus war, sondern nur noch um 12 und 18 Uhr.

Einziges Bronzegeläut in Westfalen

Ein Klang, der so übrigens einzigartig in der Region ist. Denn die drei Glocken im Turm sind das letzte vollständig erhaltene Bronzegeläut aus dem 19. Jahrhundert in Westfalen. Vor 126 Jahren gestiftet, überstanden sie beide Weltkriege. Zwar wurden die beiden größeren Glocken im Kriegsjahr 1942 vom Kirchturm geholt und abtransportiert, um für die Waffenproduktion eingeschmolzen zu werden. Doch dazu kam es nicht: Nach Kriegsende fanden sich die Glocken wieder und kehrten 1951 auf den Turm zurück.

Spuren vom Transport damals sind noch heute erkennbar an der großen Bronzeglocke, die bald ein neues Joch bekommt.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hagen

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben