Geschichte

Hohenlimburger mit bedeutender Erfindung

Bernhard Boecker, Gemälde Tillmann

Bernhard Boecker, Gemälde Tillmann

Foto: Archiv Heimatverein

Hohenlimburg.   Vor 200 Jahren erfand der Hohenlimburger Drahtweber Bernhard Boecker eine Sicherheitsgrubenlampe.

200 Jahre ist es her, als ein Hohenlimburger eine für die Industrie bedeutende Erfindung gemacht hat. Bernhard Boecker (1768 - 1847) führte die Drahtweberei in der Stadt ein. Auf Handwebstühlen für Textilien stellte er Drahtgeflechte unter anderem für Grubenlampen her. 1817 baute er als einer der Ersten in den deutschen Ländern eine englische Sicherheitsgrubenlampe nach, die sogar weitaus besser als ihr Vorbild war.

Ursprung in England

Um den Bogen nach Hohenlimburg zu finden, muss man zunächst den englischen Ursprung beleuchten. Humphry Davy (1778 - 1829) war ein englischer Chemiker und ist unter anderem bekannt für die Entdeckung der narkotisierenden Wirkung von Lachgas. Zu seinen wichtigsten technischen Erfindungen gehörte eine zum Anzeigen von Schlagwetter im Bergbau benutzte Grubenlampe, die Davysche Sicherheitslampe.

„Offene Lampen im Bergbau waren aufgrund der Gase natürlich sehr gefährlich“, so Dr. Ralf Blank, wissenschaftlicher Leiter der Historischen Museen und Archive der Stadt Hagen. Daher wurden diese Sicherheitslampen von feinmaschigen Drahtkörben umfasst. Die Lampen mit Drahtgewebe hatten einen wichtigen Nebeneffekt. „Wenn Gase eindringen, hat sich die Flamme bläulich gefärbt“, sagt Dr. Ralf Blank.

Über die englische Sicherheitsgrubenlampe sowie über den Bergbau im Rheinland und in Westfalen berichtete die in Hagen erscheinende Zeitschrift „Hermann“ immer wieder.

Das bekam auch Bernhard Boecker zu lesen. Boecker war Drahtzieher im alten Limburg, ein bis ins 16. Jahrhundert an der Lenne zurück zu verfolgendes Gewerbe. „Er war vor allem auch ein Tüftler“, ergänzt Dr. Blank.

Die in London und Manchester hergestellten Lampen hatten einen großen Nachteil – sie waren sehr teuer. Einige Hagener Unternehmer hatten sich bereits im Herbst 1816 englische Grubenlampen besorgt. Der preußische Bergrat Jakob Nöggerath und der Hagener Gewerbeschuldirektor Adam Storck forderten einen Nachbau. Bernhard Boecker erhielt eine Lampe und untersuchte sie genau. Er versuchte, die Davy-Lampe nachzubauen und auch zu verbessern. Auf einem Textilwebstuhl fertigte er einen feinmaschigeren Messingdraht, als es das englische Vorbild besitzt. Boeckers Lampe besaß nur drei Verstrebungen (statt fünf wie bei der Davy-Lampe) und lieferte etwas mehr Licht. Sie machte auch einen hochwertigeren Eindruck, wie Versuche ergaben.

Mehr als die Hälfte günstiger

Boecker bot seine Grubenlampe ab Sommer 1817 aus Messing und Eisen an, die letzte Version war mehr als die Hälfte günstiger als das Modell aus Messing. Bernhard Boecker präsentierte seinen Nachbau in der Zeitschrift „Hermann“. Auch in bergbautechnischen Magazinen wurde über seine Lampe berichtet. Sie kam in den damaligen Kohlerevieren am Niederrhein und in Westfalen zum Einsatz. Das lief hervorragend – und zwar so, dass er mit der Produktion überhaupt nicht nachkam. 1822 wurde Bernhard Boecker in Berlin mit einer Medaille ausgezeichnet, welche sich noch heute im Familienbesitz befindet.

1826 gründete er mit Carl Haver eine Drahtweberei, die der starken Nachfrage kaum nachkam. 1831 besichtigte der damalige Kronprinz Friedrich Wilhelm, der spätere preußische König, mit einer Delegation die Fabrik. In Hohenlimburg übernahmen weitere Drahtwebereien die Produktion. „Die Sicherheitsgrubenlampe gab es bis zur Einführung elektrischer Lampen gegen Mitte des 20. Jahrhunderts. Die Drahtgewebe für ihre Schutzkörbe wurden hauptsächlich von Hohenlimburger Firmen geliefert“, sagt Dr. Ralf Blank.

Bernhard Boecker starb im Jahr 1847. Sein Name und eine zeitgenössische Grubenlampe werden im Stadtmuseum Hagen zu sehen sein. In der voraussichtlich im Herbst 2019 eröffneten Dauerausstellung zur Geschichte der Großstadt wird gerade auch Hohenlimburg einen herausragenden Platz einnehmen. Dr. Blank: „Hohenlimburg hat eine spannende, reiche und alte Geschichte, die das Herz eines jeden Historikers höherschlagen lässt. Die Innovationen des Drahtziehers Bernhard Boecker ist dabei nur eine Episode.“

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