Stationäres Hospiz

Hospiz-Hund Paul nimmt dem Leben die Schwere

Die Hospiz-Gäste Erick Spring (links) und Anton-Josef Liedtkemögen es, wenn Einrichtungshund Paul ihnen Gesellschaft leistet. Fotos:Yvonne Hinz

Die Hospiz-Gäste Erick Spring (links) und Anton-Josef Liedtkemögen es, wenn Einrichtungshund Paul ihnen Gesellschaft leistet. Fotos:Yvonne Hinz

Hagen.   Paul ist ein 15 Monate alter Mischlingsrüde. Die Gäste im stationären Hospiz Hagen mögen den Hund, da er die Atmosphäre im Haus auflockert.

Er ist ein echtes Powerpaket. 15 Monate alt, stürmisch, lebendig. Doch Paul kann auch anders. Ruhig, vorsichtig, beinahe sensibel nähert er sich den Gästen. Paul heißt der Hund, dessen Besitzerin die Leiterin des ersten stationären Hospizes in Hagen ist. Paul begleitet Merle Schüphaus täglich zu ihrem Arbeitsplatz in der Rheinstraße 3. Die Gäste sind jene Männer und Frauen, die im Hospiz ihre letzten Tage, Wochen oder Monate verbringen.

Als echten Therapiehund kann man den Jack-Russel-Mischling nicht bezeichnen. Zum einen hat er (noch) keine entsprechende Ausbildung, außerdem dürfen Therapiehunde per Gesetz nicht dauerhaft an einem Arbeitsplatz (zum Beispiel Klinik, Altenheim oder Hospiz) sein.

„Paul ist mit eineinviertel Jahren ja auch noch zu jung. Momentan ist er einfach der gern gesehene Einrichtungshund“, sagt Merle Schüphaus.

Paul dreht seine Runden

Paul wuselt durch den Aufenthaltsraum, der wie ein gemütliches Wohnzimmer wirkt. Erick Spring und Anton-Josef Liedtke lächeln, als sie Paul erblicken. Der Hund wird ruhiger, nähert sich den Männern, die auf dem Sofa sitzen.

Paul legt seinen Kopf auf Erick Springs Oberschenkel, genießt das Kraulen zwischen den Ohren. „Als Kind hab’ ich höchstens mal den Hund meiner Oma, wenn sie im Urlaub war, verwahrt“, erinnert sich der Rentner. Nein, ein Hundenarr sei er nie gewesen, „aber es ist schön zu sehen, wie Paul hier seine Runden dreht und Leben ins Haus bringt“.

Menschen reagieren positiv auf den Hund

Merle Schüphaus, die die Einrichtung, in der sterbende Menschen auf ihrem letzten Weg begleitet werden, leitet, hat Paul im Alter von neun Wochen von ihrer Tochter geschenkt bekommen. „Als jungen Welpen hab’ ich ihn schon ­immer in die Praxis von Frau Dr. Queckenstedt, in der auch Sterbebegleitung angeboten wird, mitgenommen. Schon vor etlichen Monaten hab’ ich dort bemerkt, dass sterbende Menschen auf Paul ganz besonders positiv reagieren. Und er auf sie.“

Patienten seien mit ihm „um den Block“ gegangen, hätten mit ihm gespielt, hätten plötzlich wieder gelacht.

Besondere Gabe

Merle Schüphaus war mit Paul in einer Hundeschule – von der Welpengruppe bis zum Erziehungskurs. „Wenn Pauls Sturm- und Drangzeit vorbei ist, möchte ich ihn in Münster zum Therapiehund ausbilden lassen“, sagt sie.

Das Besondere an Paul? „Er scheint es zu spüren, wenn ein Mensch schwerstkrank ist und bald sterben wird. Er wird dann sehr zurückhaltend. Diese Gabe hatten die Hunde, die wir früher hatten, nicht“, sagt Merle Schüp­haus.

Anfangs an der Leine

Wenn Gäste und deren Angehörige und Freunde zum ersten Mal das Hospiz besuchen, bleibt Paul draußen. „Später nehme ich ihn dann zu den Gästen mit, anfangs ist der Hund natürlich an der Leine.“

Anton-Josef Liedtke kennt Paul schon seit einiger Zeit. „Ich hatte früher einen Siam-Kater, der ist bei mir 18 Jahre alt geworden. Später hatte ich eine Mischlingshündin. Die hieß Daisy und lag immer bei mir auf der Couch“, erzählt der alte Mann lächelnd.

Erick Spring nickt und fügt an: „Ja, Tiere wie Paul nehmen dem Leben ein bisschen die Schwere. Paul lockert die Atmosphäre hier im Hospiz auf. Und das tut gut.“

>>>HINTERGRUND

  • Das erste stationäre Hospiz in Hagen befindet sich in der Rheinstraße 3.
  • Am 5. März bezogen die ersten Gäste das aufwändig komplett sanierte und durch einen Neubau erweiterte Haus am Ischeland.
  • Das Hospiz verfügt über acht Gästezimmer; die ständig belegt sind. Schon vor Eröffnung der Einrichtung gab es lange Wartelisten.

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