Personalie

Nach schwieriger Suche: Neuer Intendant fürs Theater Hagen

Francis Hüsers (57) wird neuer Intendantin Hagen. Der freischaffende Autor und Dramaturg lebt derzeit mit seiner Familie in Hamburg. 

Foto: Jörn Kipping

Francis Hüsers (57) wird neuer Intendantin Hagen. Der freischaffende Autor und Dramaturg lebt derzeit mit seiner Familie in Hamburg.  Foto: Jörn Kipping

Hagen.  Hagens neuer Intendant heißt Francis Hüsers. Der Rat muss die Entscheidung für den 57-Jährigen am 18. Mai noch final abnicken.

Francis Hüsers soll neuer Intendant des Hagener Theaters werden. Der Aufsichtsrat sprach sich am Montag nach viereinhalbstündiger Sitzung einstimmig für den freischaffenden Autor, Dramaturg und Fachberater für Kulturschaffende aus.

Das letzte Wort in diesem Findungsprozess hat zwar der Rat, der am Donnnerstag, 18. Mai, tagt, doch es ist davon auszugehen, dass sich die Mitglieder in die Entscheidung der Fachleute (also des Theater-Aufsichtsrates) nicht einmischen werden.

Finaler Abwägungsprozess

Der 57-jährige Francis Hüsers konnte sich letztlich im finalen Abwägungsprozess eindeutig gegen Mitbewerber Roman Hovenbitzer durchsetzen. Auch Hovenbitzer stellte am Montag sein Konzept und seine Vorstellungen, wie das Hagener Theater künftig geführt werden sollte, dem Aufsichtsrat vor.

Hovenbitzer – der 45-Jährige lebt mit seiner Familie in Köln – ist in Hagen kein Unbekannter. Er inszenierte für das Hagener Haus u.a. die Opern „Tschick“, „Jonny spielt auf“ und „Lola rennt“.

Dass der Vertrag des bisherigen Intendanten Norbert Hilchenbach zum Ende der aktuellen Spielzeit ausläuft, ist seit langem bekannt. Damit, dass sich die Suche nach einem neuen Intendanten bzw. einer neuen Intendantin allerdings dermaßen schwierig gestalten sollte, hatte wohl niemand gerechnet.

Dominique Caron zog Bewerbung zurück

Nach dem Sichten der Bewerber um den Leitungsposten hatte ursprünglich die Französin Dominique Caron die Nase vorn. Doch eine Woche vor der anvisierten Ratsentscheidung im November zog Caron ihre Bewerbung aufgrund lauter werdender Kritik an ihrer Person – vor allem aus der Belegschaft des Theaters – zurück.

Ab Februar wurden 76 Bewerber aus der zweiten Runde gesichtet, sechs Kandidaten zu intensiven Gesprächen nach Hagen eingeladen. Die Sichtungskommission – u.a. besetzt mit Margarita Kaufmann (Kulturdezernentin) und Michael Fuchs (Geschäftsführer des Theaters) sowie externen Experten – stellte dem Theateraufsichtsrat dann die beiden Endkandidaten Hüsers und Hovenbitzer vor.

Enorme Leitungserfahrung im Bereich Musiktheater

Hüsers punktete schließlich aufgrund seiner enormen Leitungserfahrung im Bereich Musiktheater. „Außerdem hat er ein angenehmes Auftreten und feinen Witz“, so Vorsitzender Sven Söhnchen.

Hagens neuer Intendant ist gebürtiger Rheinländer; sein Vater war früher Stadtdirektor, seine Mutter Bäckerin. Hüsers lebt derzeit mit seiner Familie in Hamburg.

Der großgewachsene Mann mit Glatze und Brille war bis vor knapp zwei Jahren als Operndirektor und stellvertretender Intendant der Staatsoper Hamburg tätig. Hohe Auslastungszahlen, internationale Aufmerksamkeit und ein gutes Wirtschaften wurden ihm dort ­attestiert.

Fähigkeiten als Manager gefragt

Auch in Hagen wird Hüsers nicht nur sein künstlerisches Talent unter Beweis stellen müssen, sondern auch seine Fähigkeiten als Manager, denn er muss ab 2018 mit einem Budget von 13,5 Millionen Euro (bislang 15 Millionen Euro) eine Spielzeit stemmen.

Nach der gestrigen Sitzung wollte Hüsers zu seiner Wahl keine Stellung nehmen, „das Verfahren läuft offiziell ja noch“, den Aufsichtsratsmitgliedern signalisierte er allerdings, er werde wohl zeitnah nach Hagen umsiedeln.

„Das ist eine richtig gute Lösung für Hagen“, resümierte Kulturdezernentin Margarita Kaufmann erleichtert.

>>HINTERGRUND:

In der Intendanten-Findungskommission saßen neben Hagener Experten auch Rolf Bolwin, ehemaliger Geschäftsführer des Bühnenvereins, und Peter Spuhler, Generalintendant des Badischen Staatstheaters Karlsruhe. Beide unterstrichen die hohe Qualität des Bewerberfeldes.

Francis Hüsers ist freischaffender Dramaturg, Regisseur und Kulturberater, hat Germanistik, Soziologie und Anglistik studiert und etliche soziologische Arbeiten veröffentlicht, u.a. zu den Themen Fremdenfeindlichkeit in Deutschland und Bisexualität als dritte Form der sexuellen Orientierung.

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