Kinderbetreuung

Hunderte Erzieher kehren der Stadt Hagen den Rücken

Michaela Vacarean (hier mit Jan-Paul, Yoko, Nisanur und Niko) macht in der Kindertagesstätte Stadtmäuse der Stadt Hagen eine Ausbildung zur Erzieherin.

Michaela Vacarean (hier mit Jan-Paul, Yoko, Nisanur und Niko) macht in der Kindertagesstätte Stadtmäuse der Stadt Hagen eine Ausbildung zur Erzieherin.

Foto: Jens Stubbe

Hagen.   Kindertageseinrichtungen in Hagen finden keine Erzieher mehr. Darauf reagieren die Berufsschule und die Träger.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Rund 100 ausgebildete Erzieher verlassen jedes Jahr das Käthe-Kollwitz-Berufskolleg. Und trotzdem herrscht in Hagen ein riesiger Mangel. Wie groß der Bedarf ist, lässt sich seriös kaum beziffern. Allerdings können offene Stellen, wie sie sich beispielsweise im Falle einer Elternzeit ergeben, derzeit nicht nachbesetzt werden.

Mit einer Umstellung der Ausbildung wollen Berufsschule und sieben Träger von Kindertageseinrichtungen gemeinsam gegensteuern.

Viele ältere Erziherinnen gehen in den Ruhestand

Denn zuletzt sind diejenigen, die in Hagen ihre dreijährige Ausbildung absolviert haben, zu großen Teilen nicht in der Stadt geblieben. Geburtenboom, Zuzug von kinderreichen Familien und Betreuungsplatz-Garantie sorgen in vielen Kommunen für die Neueröffnung von Einrichtungen. Hinzu kommt eine breit aufgestellte Generation älterer Erzieherinnen, die gerade in den Ruhestand eintritt.

Entsprechend groß ist die Konkurrenz der Kommunen bei der Suche nach qualifiziertem Personal. „Städte wie München locken gezielt mit höheren Gehältern, Hilfe bei der Wohnungssuche und langfristigen Verträgen Erziehrinnen“, erzählt Dirk Hanusch von der Stadt Hagen. Aber auch NRW-Kommunen wildern (erfolgreich) auf dem Hagener Markt.

Sieben Träger schaffen 19 PIA-Stellen in Hagen

PIA heißt ein Ausbildungsmodell, das in anderen Städten schon erfolgreich eingesetzt wird und jetzt auch in Hagen an den Start geht. Die Buchstabenkombination steht für „Praxisintegrierte Ausbildung“. „Das bedeutet, dass die Studierenden an einigen Tagen der Woche bei uns unterrichtet werden, an anderen aber über die gesamte Ausbildungszeit in einer Einrichtung praktische Erfahrungen sammeln“, so Caroline Schwibbe, die das neue Konzept am Käthe-Kollwitz Berufskolleg umsetzt. „Theorie und Praxis werden enger verzahnt. Die Studierenden arbeiten in einer Einrichtung bei einem Träger und können die Kinder länger begleiten. Dadurch wächst die Identifikation.“

Ein weiterer Pluspunkt: „Die Studierenden bekommen bereits mit Ausbildungsstart ein Gehalt“, so Caroline Schwibbe. In der klassischen Erzieherausbildung schließen sich an zwei theoretische Jahre Blockpraktika an. Geld gibt es erst im dritten Jahr.

Unbefristete Verträge bleiben ein Problem der Branche

19 PIA-Stellen stellen Stadt, AWo, Evangelische Jugendhilfe, die Kita Hegemann gGmbH, die Johanniter, der Kirchenkreis Hagen und die Caritas zunächst bereit. Die Bewerbung startet am 1. November. „Mit diesem neuen Ansatz erhoffen wir uns auch Menschen zu erreichen, die bislang noch nicht über eine Ausbildung zum Erzieher nachgedacht haben“, sagt Angelika Hamann von der Evangelischen Jugendhilfe.

Egal welchen Ausbildungsweg die Studierenden wählen – ein Problem bleibt: Unbefristete Verträge und damit Planungssicherheit können die Träger in Hagen (und vielen anderen Städten des Landes) nicht bieten. „Das hat mit der Gesetzeslage zu tun“, erklärt Andrea Doehring vom Kirchenkreis, „die Träger sind finanziell so knapp ausgestattet, dass wir nicht Gefahr laufen können, Stellen über Plan zu besetzen, wenn sich der Bedarf ändert, weil Eltern weniger Betreuungsstunden buchen.“

Träger fühlen sich von der Politik alleingelassen

Die Träger fühlen sich von der Politik alleingelassen. „Land und Bund sorgen für einen Rechtsanspruch auf Betreuung, stellen sich dieser Herausforderung aber nicht“, so Angelika Hamann, „Probleme werden auf die Träger abgewälzt. Die Unterstützung durch das Land ist völlig unzureichend. Das ist in anderen Bundesländern besser.

>>HINTERGRUND: BEWERBUNG AB 1. NOVEMBER

  • Interessenten müssen ihre Unterlagen ab dem 1. November am Käthe-Kollwitz-Kolleg einreichen. Die Schule prüft die formalen Voraussetzungen.
  • Im Anschluss erfolgt bis zum 31. Dezember eine Bewerbung beim Träger. Mit dessen Zusage ist eine Onlineanmeldung an der Schule möglich. Infos: www.kkbkha.de

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben