„Irma“

Hurrikan – Pastor Schneider flüchtet ab erstem Urlaubstag

Dies Foto wurde in der Stadt Naples aufgenommen, wo „Irma“ am Sonntag eintraf. Am gleichen Tag wollte auch Christoph Schneider dort sein.

Foto: David Goldman

Dies Foto wurde in der Stadt Naples aufgenommen, wo „Irma“ am Sonntag eintraf. Am gleichen Tag wollte auch Christoph Schneider dort sein. Foto: David Goldman

Hagen/Miami.   Eigentlich wollte Pastor Christoph Schneider eine 14-tägige Rundreise durch Florida machen. Stattdessen musste er von Tag eins an flüchten.

Mit höheren Mächten, so will man meinen, ist Pastor Christoph Schneider, Chef des Pastoralverbundes Hagen-Nord, vertraut. Sie haben aus seinem eigentlich für 14 Tage angesetzten Rund-Trip durch den US-Bundesstaat Florida eine Fluchtfahrt ins 1000 Kilometer entfernte Atlanta gemacht. Dort ging es ins nächstbeste Flugzeug und direkt nach Hause. Irma wütet. Die Reise ist vorbei.

Irma – dabei denkt man an eine westfälische Großmutter mit sanftem Gemüt und der Ruhe des Alters. Im Südosten der USA ist Irma aktuell allerdings ein stürmisches Monster. Der stärkste atlantische Hurrikan seit Beginn der Wetteraufzeichnungen hat mit knapp 300 Stundenkilometern alles zermalmt, auf das er getroffen ist. So zum Beispiel auch die Florida Keys, eine Inselgruppe, die auch zum Reiseprogramm von Pastor Christoph Schneider gehörte. „Am Sonntag kam der Sturm in Naples an, was wir laut Plan an diesem Tag eigentlich besichtigen wollten“, sagt Schneider. Da quetschte sich der Geistliche aber bereits mit einem Freund in einem Mietwagen über die Highways Richtung Atlanta. Stau, wohin man sah. Über Nacht verdreifachte Benzin-Preise und Mineralwasser-Fläschchen für 2,80 Dollar. „Da sieht man neben der Katastrophe mal, wie manche mit dem Elend der Menschen Geld machen“, ärgert sich Schneider. Trotzdem sei er auf viele hilfsbereite Amerikaner getroffen.

Menschen verlieren Häuser

Dass der im vergangenen Herbst geplante Urlaub eine reine Fluchtfahrt wird, damit hätte Schneider nicht gerechnet. Es ist ein kleines Übel angesichts der persönlichen Katastrophe, vor der die Menschen stehen, deren Häuser zerstört wurden und die Angehörige verloren haben. „Das Unglück der Menschen dort ist fürchterlich“, sagt Schneider.

Die Reise-Agentur ließ Christoph Schneider bislang hängen. „Der Rückflug von Atlanta war teurer als die gesamte Reise. Und überhaupt war es sehr kompliziert, dort wegzukommen“, äußert Schneider kein Verständnis dafür, dass der Reiseveranstalter nicht alles dafür tut, um seine Kunden aus dem Katastrophengebiet zu holen.

Eigentlich wäre noch eine Woche Florida angesagt. Schneider, der am Montagmorgen wieder in Deutschland landete, wird den Rest des Urlaubs in einem kleinen Häuschen auf den Höhen in Breckerfeld verbringen. „Das ist sehr schade alles. Aber dort weggekommen zu sein, ist die Hauptsache.“ Außerdem: Breckerfeld sei auch ganz schön.

Und Erzählstoff für die nächste Sonntagspredigt gibt es jetzt auch. Leider.

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