Im Namen des Herrn

„Ich muss keinen Unterschied machen“

Pfarrer Christoph Gerdom ist Gemeindepfarrer in der Ev. Melanchthon-Kirchengemeinde

Pfarrer Christoph Gerdom ist Gemeindepfarrer in der Ev. Melanchthon-Kirchengemeinde

Foto: TSEW / Evangelischer Kirchenkreis Hagen

Der christliche Impuls zu diesem Sonntag kommt heute von Pfarrer Christoph Gerdom von der evangelischen Melanchthon-Kirchengemeinde

„Mach das Beste daraus!“ Das sage ich mir, wenn es nicht so läuft, wie geplant oder gewünscht. Versuch doch, bei allem Widrigen auch einen guten Aspekt zu finden, auf dem du aufbauen kannst. „Mach das Beste daraus!“ Das denke ich mir, auch wenn ich nach einem Beinbruch noch nicht wieder richtig laufen kann, aber doch mein Leben positiv gestalten möchte. „Mach das Beste daraus!“ Das denke ich mir angesichts der anhaltenden Corona-Pandemie mit all ihren Einschränkungen. So halte ich trotzdem nach alten und neuen Möglichkeiten Ausschau.

„Mach das Beste daraus!“ So ähnlich klingt auch der Aufruf des Propheten Jeremia an die in das babylonische Exil weggeführten Israeliten. Vieles was ihnen wichtig war, ist zurückgeblieben. Nichts ist mehr wie früher. Wie kann das weitere Leben aussehen? Zugleich weitet er meinen Blick über die eigenen Grenzen hinaus: „Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum HERRN; denn wenn’s ihr wohl geht, so geht’s euch auch wohl (Jer 29,7).“

Nicht nur auf das eigene Wohlergehen, das meiner Familie, meiner Gruppe, meiner Religion oder Kirche kommt es an. Es geht um die ganze Stadt, um alle Menschen. Ich muss keinen Unterschied machen. Zu Gott darf ich auch für die beten, die vielleicht selber gar nicht an ihn glauben. Ich darf ihnen Gutes wünschen, auch wenn sie ganz anders leben als ich selber. Ich kann über die eigenen Grenzen hinwegschauen und auch hinter ihnen Gottes Liebe am Werk wissen. Denn Gottes Liebe macht keinen Unterschied. Und so muss auch ich keinen Unterschied machen.

„Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn:“ Ein zutiefst christlicher Gedanke. Umso überraschender für mich, dass er aus dem Alten Testament stammt. Ich kann diese Worte und Gedanken nicht exklusiv für meinen Glauben in Anspruch nehmen. Ich habe sie mit anderen Religionen gemeinsam. Es gibt keinen Grund, Grenzen zu ziehen. Wir sind ein wanderndes Gottesvolk mit dem Ziel der zukünftigen himmlischen Stadt, in der alle Religionen in der Liebe Gottes aufgehoben sein werden.

Und somit darf ich mich mit allen anderen, denen dies auch am Herzen liegt, für das Wohl unserer irdischen Städte einsetzen. „Denn wenn’s ihr wohl geht, so geht’s euch auch wohl.“ Oder mit Worten von Tina Willms: Ich wünsch dir, dass du durch deine Stadt gehst, als seist du vom Himmel geschickt, um ein Segen zu sein.

Pfarrer Christoph Gerdom ist Gemeindepfarrer in der ev. Melanchthon-Kirchengemeinde.

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