Theis-Insolvenz

Im schmucken Palais der Stahlprinzessin

Foto: WP Hohenlimburg

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Hohenlimburg / Berlin. Die Potsdamer Medien feierten sie in den zurückliegenden 27 Monaten in höchsten Tönen: Prinzessin von Hohenzollern - bis zu ihrer Hochzeit mit Donatus Prinz von Hohenzollern vor nunmehr drei Jahre besser als Dr. Viola Hallman unterm Schlossberg bekannt.

Denn die 64-jährige Unternehmerin und Geschäftsführerin der Theis-Gruppe rettete im Dezember 2007 das Traditionsreiche Palais Lichtenau vor dem Untergang. „Prinzession kauft Palais Lichtenau” titelte am 20. Dezember 2007 die Potsdamer Tageszeitung. „Fast ein Märchen” schrieben die Kollegen der Berliner Journaille damals. „Eine Prinzession von Hohenzollern rettet das Palais Lichtenau und hält dabei auch den Garten frei von Renditebauten.”

In der Berliner Vorstadt wurde das Palais als „edelster Ladenhüter unter den Potsdamer Denkmalen” gehandelt. Lange Zeit war nach einem Käufer gesucht worden. Vergeblich. „Eines Tages”, so die Potsdamer Tageszeitung am 13. September des vergangenen Jahres, „entdeckte eine Unternehmerin aus Hagen bei einem Potsdam-Besuch zufällig das Maklerschild. Nun soll hier ein repräsentatives Gäste- und Schulungshaus entstehen. Dass es sich bei der neuen Eigentümerin um Viola Prinzessin von Hohenzollern handelt, ist eine schöne Fügung.”

So sah es auch der Potsdamer Stadtkonservator Andreas Kalesse, der bereits im Dezember 2007 den Journalisten vor Ort in den Block diktierte: „Das (Anm.: Der Kauf des Palais) ist für uns Denkmalpfleger die Meldung des Jahres. Ich bin glücklich über das Ergebnis langer Verhandlungen.”

Im April des vergangenen Jahres nahm dann die Sanierung des Hauses Ritz-Litzenau (siehe auch: Hintergrund) Form an. Wo die Prinzessin von Hohenzllern ihre hoheitlich Bettstelle bauen wird, lehnte eine Schautafel: „Neuer Auftrag.”

Architekt Professor Dr. Karsten Westphal, mit der Sanierung des Palais beauftragt, hatte sich das Schloss zuvor vom Keller bis zum Dach sorgfältig angeschaut und konstatierte: „Nichts, was erschüttert.”

Die Bauherrin, Prinzessin von Hohenzollern, nannte er im Gespräch mit Volkmar Klein (Potsdamer Stadtkurier) kongenial. Für die Chefin der Theis Kaltwalzwerke sollte der 63-Jährige das Palais zum repräsentativen Gäste- und internationalen Schulungszentrum der Gruppe ausbauen - mit Appartments oben und „einer Beletage für öffentliche Begängnisse”.

Prof. Dr. Karsten Westphal freute sich damals nicht nur auf den Ertrag aus dem auf drei Millionen Euro getaxten Sanierungsprojekt. Zusätzlich sollte er ein Buch über seine Arbeit am Palais schreiben. Im Verlag von Donatus Prinz von Hohenzollern, dem Gatten der Auftraggeberin.

Damals, im April 2008, gab sich Karsten Westphal noch optimistisch, dass das Palais der Stahlprinzessin ungeachtet „lästiger Finanzierungs-, Planungs- und Bauabläufe im August 2010 fertig sein werde”. Dann wolle das Traditiosnunternehmen am Heiligen See seinen 100. Geburtstag feiern.

In Berlin zeigten sich gestern Mittag die Mitarbeiter des renommierten Architekturbüros Westphal von den Ereignissen im „fernen” Hagen überrollt.

Bauarbeiten gestoppt

„Wir haben in der vergangenen Woche von der Insolvenz des Unternehmens Theis erfahren. Die Bauarbeiten sind deshalb gestoppt”, sagte Bauleiter Lothar Hoffmann, der den Verhandlungen mit dem Düsseldorfer Insolvenzverwalter mit Spannung entgegensieht. „Wir wissen nicht, wie es weitergeht.” Und das bereitet dem Bauexperten große Sorge, denn die Bauhülle muss abgedichtet werden, damit in dem denkmalgeschützten Gebäude die historischen Malereien aus dem 17. und 18. Jahrhundert nicht Schaden nehmen.

Prof. Dr. Karsten Westphal, Leiter des Büros, hofft am heutigen Dienstag mehr zu erfahren, wohin für das bedeutende Bauwerk die Reise gehen wird. „Wir halten dann eine Telefonkonferenz mit dem Insolvenzverwalter.” Westphal hofft, die Sanierung des denkmalgeschützten Schlosses fortsetzen zu können. „Möglicherweise in abgespeckter Form.”

Welchen Wert das Palais Lichtenau im Dezember 2007 gehabt und zu welchem Preis die Prinzessin von Hohenzollern es erworben habe, vermochte Prof. Dr. Karsten Westphal nicht zu sagen.

Von der Prinzessin zu Hohenzollern, die nach Aussagen ihres Sekretariats gestern in Hagen weilte, war keine Stellungnahme zu bekommen. Christoph Möller von der PR-Agentur in Köln sagte dazu: „Prinzession von Hohenzollern habe zu einer Stellungnahme keine Zeit.” Er bestätigte dann jedoch die insgesamt Darstellung von Prof. Westphal. Betonte dann aber: „Es ist fraglich, ob der Insolvenzverwalter für dieses Objekt Geld freigeben kann. Wichtig ist zunächst, dass die Gehälter bis Mai gesichert sind.”

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