Imagebuch

Imagebuch hat nicht nur Freunde

Oberbürgermeister Erik O. Schulz (Mitte) stellt zusammen mit Günter Poggemann (Neomedia-Verlag/rechts) und Karsten-Thilo Raab (Presseamt) das neue Hagener Imagebuch „Hagen ganz persönlich“ vor.

Oberbürgermeister Erik O. Schulz (Mitte) stellt zusammen mit Günter Poggemann (Neomedia-Verlag/rechts) und Karsten-Thilo Raab (Presseamt) das neue Hagener Imagebuch „Hagen ganz persönlich“ vor.

Foto: Clara Berwe

Hagen.   Im neuen Buch bekennen sich lokale Persönlichkeiten zu ihrer Stadt. Doch die bezahlten Firmenporträts erzürnen einige Unternehmer und Autoren.

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Die Stadt hat ein neues Imagebuch. „Hagen ganz persönlich“ heißt das 104-seitige Buch, das jedoch auch kritisch beäugt wird. Einige Hagener Unternehmer und Autoren sind von dem Buch, das vom Presseamt der Stadt Hagen und einem Coesfelder Verlag gemeinsam herausgegeben wurde, nicht begeistert.

Keine leichte Auswahl

Wer wird als Persönlichkeit angesehen? Wer hat durch sein Wirken nachhaltig etwas in der Stadt oder für die Stadt bewirkt? „Es war nicht leicht, eine Auswahl, die gleichzeitig eine interessante ­Mischung beinhaltet, zu treffen“, blickt Karsten-Thilo Raab zurück.

Der Mitarbeiter des Hagener Presseamtes ist redaktionell federführend am Buch beteiligt. „Allein konnten wir als Stadt das Projekt nicht finanzieren, deshalb hat sich der Coesfelder Verlag um die Akquise von Werbekunden gekümmert“, räumt der Stadtsprecher ein. Und spielt damit auf den Vorwurf einiger Unternehmer, man habe sich mit Geld ins Persönlichkeiten-Buch einkaufen können, an.

Zum Hintergrund: Neomedia – der Verlag hat bereits für Städte wie Bottrop ein Imagebuch herausgegeben – stellte im Frühjahr der Hagener Stadtspitze sein Konzept vor; diese nahm das Angebot an.

Liste mit 90 Namen von Persönlichkeiten

„Wir vom Presseamt haben eine Liste mit 90 Namen geschrieben und Kontakt zu den meisten Persönlichkeiten aufgenommen“, sagt Raab. „Einige waren zeitlich verhindert oder hatten kein Interesse an einem Porträt. 25 Personen haben wir schließlich für das Buch gewinnen können.“

Die Bandbreite ist tatsächlich enorm: gestandene Männer und Frauen aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport und Sozialem kommen zu Wort und bekennen sich zu „ihrem Hagen“.

Neben Oberbürgermeister Erik O. Schulz haben u.a. auch (Ex-)Fernuni-Professor Helmut Hoyer, Musiker Rolf ­Möller, Künstler Uwe Nickel und Basketballer Oliver Herkelmann ihre „Liebeserklärungen an die Volme­stadt“ abgegeben.

Frauenanteil sehr gering

Auch Christa Burghardt als langjährige Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes schwärmt von der „Stahlstadt mit weichem Kern“. „Ja, leider ist die Zahl der Frauen, die sich im Buch wiederfinden – gerade mal vier – sehr gering“, bedauert Raab, „aber einige haben aus persönlichen Gründen abgelehnt“.

Raabs persönlicher Lieblingsbeitrag? Die Liebeserklärung an Hagen von Filmemacher Hansjörg Thurn (u.a. Schimanski- und Wilsberg-Krimis). „In seinem Beitrag ,Die ganze verdammte, ehrliche Heimat’ wird deutlich, dass Thurn einfach ein brillanter Schreiber ist“, resümiert Raab.

Bei etlichen anderen Persönlichkeiten haben die Mitarbeiter des Presseamtes Hilfestellungen gegeben, „nicht jeder ist verständlicherweise ein geborener Autor“, so der Mit-Herausgeber.

Etwa 2000 Euro pro Seite

Auch Christian Vormann von der gleichnamigen Dahler Traditionsbrauerei und Superintendentin Verena Schmidt gelten als Menschen, die Hagen Profil geben und finden sich mit ihren Gedanken im Buch wieder. Und etliche mehr . . .

Platte Werbung

Wenig begeistert über den Entstehungsweg des Buches äußert sich Richard Marroni (Autohaus Könneker). „Ich bin per Post – mit Briefkopf des Oberbürgermeisters – angeschrieben worden, mit der Bitte, mich mit einem persönlichen Beitrag am Buch zu beteiligen bzw. ein Firmenporträt gegen Geld abdrucken zu lassen.“ Um die 2000 Euro pro Seite sollte er, Marroni, zahlen, um im Buch Beachtung zu finden. „Für platte Werbung – ein schlechter Scherz“, wettert der Geschäftsmann.

Auch Jens Bergmann vom Hagener Heimatverein ist erzürnt: „Wir geben das jährliche Hagen-Buch heraus und sind auf lokale Sponsoren angewiesen. Unsere Werbung kostet nur einen Bruchteil. Aber die Stadt macht das Imagebuch mit einem auswärtigen Verlag.“

Aus der heimischen Verlags-Szene werden auch Stimmen laut, die sich darüber monieren, dass der Auftrag fürs Buch nicht öffentlich ausgeschrieben worden sei. Rechtliche Schritte würden folgen.

>> HINTERGRUND

Das Buch (Auflage 2000 Exemplare) will Oberbürgermeister Erik O. Schulz zu Informationszwecken, als Geschenk für besondere Gäste und bei repräsentativen Veranstaltungen der Stadt Hagen weitergeben.

Im örlichen Buchhandel kostet „Hagen ganz persönlich“ 24,90 Euro.

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