Corona in Hagen

In Hagen gestrandet: Zirkusfamilie bangt um ihre Existenz

Der Zirkus Verona ist vorläufig in Bathey gestrandet. Aufgrund der Corona-Situation ist die Familie nahezu zur Untätigkeit verbannt und bangt mit Blick auf den bevorstehenden Winter um ihre Existenz. Futterspenden für die Tiere sind immer willkommen.

Der Zirkus Verona ist vorläufig in Bathey gestrandet. Aufgrund der Corona-Situation ist die Familie nahezu zur Untätigkeit verbannt und bangt mit Blick auf den bevorstehenden Winter um ihre Existenz. Futterspenden für die Tiere sind immer willkommen.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Bathey.  Familie Tränkler sitzt wegen Corona in Hagen fest. Seit sieben Monaten haben sie keine Vorführung gespielt. Sie sind auf Unterstützung angewiesen.

Die Temperaturen kratzen tagsüber gerade noch so an der Zehn-Grad-Grenze, der Boden ist matschig, im Hintergrund bellen die Hunde in einem Waggon, als Tatjana Tränkler die Tür zu ihrem Wohnwagen aufschließt. Sie hat nur ein T-Shirt an. Die Kälte ist sie gewöhnt, die körperliche Arbeit mit den Tieren hält sie auf Trab – und warm. Der Zirkus Verona aus Herne ist seit drei Wochen in Hagen-Bathey auf dem Platz an der Wandhofener Straße gegenüber der Total-Tankstelle gestrandet, nachdem sie einen Parkplatz in Essen aus Platzgründen wieder verlassen mussten.

Wie es aussieht, wird die achtköpfige Zirkusfamilie mit ihren 25 Wagen in Hagen überwintern. „Eigentlich wären wir dieses Jahr in mindestens 20 Städten aufgetreten. Aber wir haben seit sieben Monaten keine Vorführung gespielt“, sagt Tatjana Tränkler. Erst kam die Winterpause, dann kam Corona – und eine Absage nach der anderen. „Das konnte ja keiner ahnen“, sagt die 51-Jährige, die jetzt mit der gesamten Familie in Wohnwagen auf dem Stellplatz direkt an der Straße in Bathey lebt. Die Familie bangt um ihre Existenz; und um die Tiere. Noch reicht das Futter, „aber wir müssen uns für den Winter wappnen“, sagt Tatjana Tränkler.

Noch nie so lange an einem Ort

20 Tiere leben mit der Artisten-Familie auf dem Platz. Darunter zwei Kamele, Lamas, Mini-Ponys, Pferde, Hunde, eine Ziege und ein Schaf. Die Familie ist jetzt auf Spenden angewiesen, als Futterspende oder finanzielle Hilfe. „Sie müssen sich das vorstellen“, sagt Tatjana Tränkler bedrückt: „Wir zahlen die Stellplatzmiete, Strom, Wasser, alle möglichen Versicherungen – auch für die Tiere, Futterkosten und Lebenshaltungskosten, ohne dass wirklich etwas reinkommt. Theoretisch hätten wir für 20 Leute öffnen können, das hätte sich aber nicht gerechnet.“

Das Zirkuszelt haben die Tränklers trotzdem aufgebaut, auch wenn nicht gespielt wird. Denn der Alltag geht seinen normalen Gang: Das Training mit den Tieren, die Übungen der Artisten. „Wir sind noch nie so lange an einem Platz gewesen, waren immer unterwegs in anderen Städten“, erinnern sich die Töchter Dana und Romana. Dana ist Boden- und Luftakrobatin, Romana arbeitet mit den Tieren und ebenfalls als Akrobatin. „Wir sind im Wohnwagen groß geworden. Wir kennen und lieben das Leben so“, sind sich beide einig.

Open-Air-Vorstellungen möglich

Ihr ganzes Leben dreht sich um den Zirkus, den die Familie mittlerweile in siebter Generation betreibt, und die Tiere. Alle Kinder waren auf einer Schule für Zirkus-Kinder. „Wir hoffen, dass wir schnellstmöglich wieder zum Alltag zurückkehren können“, sind die Schwestern sich einig. Teilweise haben sie im Sommer Open-Air-Vorstellungen beispielsweise auf Innenhöfen von Altenheimen gegeben. Auch jetzt ist die Familie jederzeit bereit für Vorstellungen im Freien.

„Wer uns hier besuchen möchte, um eine Spende abzugeben und die Tiere oder uns kennenzulernen, ist immer herzlich eingeladen“, betont Tatjana Tränkler, dass immer jemand von der Familie vor Ort ist.

Die Familie sei in Hagen herzlich aufgenommen worden, viele Leute haben sich erkundigt, einige auch vorbeigeschaut und Spenden abgegeben. „Wir müssen jetzt einfach ­abwarten, wie es mit Corona und mit uns weitergeht“, sagt die 51-Jährige.

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