Abfall

In Hagen stellen Müllmänner Müll einfach auf die Straße

Architekt Christian Dickert (links) und sein Kollege Michael Zargus beschweren sich, weil der HEB Mülltüten auf die Straße gestellt hat.

Architekt Christian Dickert (links) und sein Kollege Michael Zargus beschweren sich, weil der HEB Mülltüten auf die Straße gestellt hat.

Foto: Michael Kleinrensing

Wehringhausen.   Weil die Tonnen nicht richtig schließen, stellen Müllmänner in Hagen Müllsäcke einfach auf die Straße. Das verärgert die Anwohner.

An der Bismarckstraße in Wehringhausen stehen wieder Müllsäcke auf der Straße. Das Kuriose diesmal: Ausgerechnet die Mitarbeiter des Hagener Entsorgungsbetriebs haben die Tüten einfach vor einem Kiosk platziert. Und das auch noch in einem Stadtteil, in dem einzelne Straßenzüge an Müllbergen zu ersticken drohen.

Christian Dickert, der an der Bismarckstraße als Architekt mit eigenem Büro arbeitet, hat die Tüten und Säcke an der Hauswand mit seiner Kamera dokumentiert. „Als ich das gesehen habe, habe ich meinen Augen erst nicht getraut“, so Dickert. „Im letzten Sommer war noch das Umweltamt der Stadt hier, weil wir so ein großes ­Problem mit Ratten hatten. Und jetzt stellt der Hagener Entsorgungsbetrieb Müll einfach auf die Straße. Ich will gar nicht darüber nachdenken, was in solchen Fällen an heißen Tagen passiert.“

Mülltonnen laut Entsorgungsbetrieb viel zu voll

Dass die Müllmänner die Säcke dort abgelegt haben, hat natürlich einen Grund: „Die Tonnen waren am Montag so voll, dass sich die Deckel nicht schließen ließen“, sagt Jacqueline Jagusch, „in solchen Fällen können wir die Tonnen sogar voll zurücklassen. Es ist dem guten Willen unserer Mitarbeiter zu verdanken, dass sie die Tüten herausgenommen und den restlichen Müll aus den Tonnen normal entsorgt haben.“

Dabei verweist die HEB-Sprecherin auf die entsprechende Abfallsatzung der Stadt Hagen, wo in den Paragraphen 14 und 32 klar geregelt ist, wie die Hagener den Müll an der Straße herausstellen müssen. „Letztlich sind die Vermieter dafür zuständig, dass den Mietern Tonnen in auskömmlicher Größe zur Verfügung stehen“, so Jacqueline Jagusch weiter. „Wenn in Ausnahmesituationen einmal mehr Müll anfällt, als in die Tonne passt, so kann man für 3,30 Euro an diversen Kiosken einen sogenannten Stadtsack kaufen. Müll, der darin an die Straße gestellt wird, entsorgen wir selbstverständlich.“

Anwohner ärgern sich über das Vorgehen des HEB

Aber, so argumentiert Jagusch weiter, es könne eben nicht sein, dass Menschen in der Stadt ihren Müll auf Kosten der Allgemeinheit entsorgen. Im übrigen sei es im Fall Bismarckstraße nicht das erste Mal, dass Tonnen geradezu überquellen würden.

Gründe, die Christian Dickert allein so nicht stehen lassen will. Dabei hat der Architekt, der selbst mit einer Rumänin verheiratet ist, die besondere Situation im Stadtteil vor Augen. „Es gibt hier viele Zuwanderer. Bei uns im Haus selbst wohnen rumänische und syrische Familien“, sagt Dickert, der selbst um die Ecke wohnt, über jene Immobilie, in der sich sein Büro befindet, „lange Zeit haben wir uns über Müll im Hof geärgert. Wir sind froh, dass jetzt alle verstanden haben, wie bei uns das Müllsystem funktioniert. Und jetzt wird das auf eine solche Weise konterkariert. Ein solches Vorgehen wird dazu führen, dass die Anwohner wieder dazu übergehen, ihren Müll direkt auf die Straße zu werfen.“

Architekt bemüht städtischen Mängelmelder

Weil ja an der Bismarckstraße Müll auf öffentlicher Straße lag, hat Dickert den Mängelmelder der Stadt Hagen bemüht. Da ist in solchen Fällen vorgesehen, dass ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes sich persönlich ein Bild macht und dann den HEB informiert. Gut Möglich, dass der in diesem Fall den Müll, den er selbst hinterlassen hat, auf diesem Umweg doch entsorgt. Am Dienstag jedenfalls war der Müll verschwunden.

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