Hohenlimburg.

Infrastrukturkanal der Königsweg?

Geht es nach Vorstellung von Mark Krippner (3. v. l.) werden Infrastrukturkanäle das Problem der 380-kV-Höchstspannungsleitungen lösen.

Geht es nach Vorstellung von Mark Krippner (3. v. l.) werden Infrastrukturkanäle das Problem der 380-kV-Höchstspannungsleitungen lösen.

Foto: WP

Hohenlimburg.  Lösen die im beschaulichen Berchum von klugen Köpfen entwickelten Infrastrukturkanäle ein bundesweites oder gar ein weltweites Problem? Was gestern Nachmittag bei einem Ortstermin am Am Berge / Ölm Prof. Dr.-Ing. Frank Fasel, Prof. Dr.-Ing. Matthias M. Middel und Diplom-Ingenieur Jürgen Tilsner auf Einladung der Hohenlimburger SPD vorstellten, klingt so einfach und plausible, dass einer Realisierung eigentlich nichts im Wege stehen sollte. Denn das Trio der „e-line technical infrastructure“ vom Lichtenböckem in Berchum möchte bewährte Techniken, die seit langer Zeit aus dem Abwasserkanalbau und der Hochspannungstechnik bekannt und erprobt sind, zusammenführen. Und das nicht mittel- oder gar langfristig. „Das System ist marktreif und kann kurzfristig umgesetzt werden“, versichert Frank Fasel, Professor der Bautechnik.

Deshalb wünscht Mark Krippner, Fraktionsvorsitzender der SPD in Hagen, dass sich der Netzbetreiber Amprion mit den „e-line“-Verantwortlichen an einen Tisch setzen, um gemeinsam die Idee eines NRW-Pilotprojektes voranzutreiben. Jürgen Tilsner und seine Partner haben bereits in zahlreichen Landesministerium Gespräche geführt und haben, so versicherten sie beim gestrigen Pressetermin, ob im Norden oder in Bayern die Türen weiter geöffnet. „Das könnte der Königsweg sein“, hätten die Fachleute in den Ministerien ihnen zugestanden.

Doch was steckt dahinter? In Stahlbetonrohre mit einem Durchmesser von mindestens 2,40 Metern, die in der erforderlichen Stückzahl problemlos gefertigt werden können, sollen die geplanten 380-kV-Höchstspannungsleitungen versenkt werden. Und nicht nur diese. Gleichzeitig können auch die bisherigen 110-kV-Leitungen durch diese Rohr geführt werden und somit aus dem Stadtbild verschwinden. Zusätzlich Leitungen der Telekommunikation, der Wasser- oder der Gasversorgung. Und weil die Rohre einen gewaltigen Durchmesser haben, können die verlegten Leitungen zu jeder Zeit relativ unproblematisch gewartet werden.

Das Vorantreiben der Rohre, wie es im Abwasserbereich gängige Methode ist, stellt für Prof. Dr. Frank Fasel keinerlei Probleme dar. Diese können in einer Tiefe von fünf Metern liegen oder sogar in fünfzig Metern. Auch unter Wohnhäusern. Zunächst sind dazu Probebohrungen erforderlich, um die Bodenbeschaffenheit zu erkennen und daraus die Vorgehensweise beim Pressen der Rohre abzuleiten. Dieses könnte von einem noch zu definierenden Standpunkt zwischen Garenfeld und Berchum erfolgen und bis zum Steltenberg geschehen.

In noch zu bestimmenden Abständen müssen dann Schächte zum Infrastrukturkanal geschaffen worden, um deren Begehbarkeit zu garantieren. Die im Kanal durch den Leitungswiderstand auftretende Verlustwärme, die Jürgen Tilsner auf 40 bis 50 Grad bezifferte, könne sogar als Abwärme zusätzlich genutzt werden.

Das alles klingt verständlich. Negativaspekt scheinen die hohen Investitionskosten. Denn pro Kilometer rechnet das Trio mit rund 10 Millionen Euro; während der Kilometer-Preis einer 380-kV-Höchstspannungsleitung mit rund zwei Millionen Euro beziffert wird.

Bürgerversammlung veranstalten

Das Delta dieser Investitionssumme verringert sich jedoch dadurch, dass die Wartungskosten über einen Zeitraum von mehr als 50 Jahren deutlich geringer sind und auch die Fläche, die durch den Abbau der gegenwärtigen oder auch möglicherweise zukünftigen Trassen verbraucht wird, vermarkten werden kann.

Mark Krippner kündigte an, möglicherweise noch in diesem Jahr die Idee des Infrastrukturkanals bei einer Bürgerversammlung vorstellen zu wollen.

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