Strategisches Leitbild

ISEK – Uni50plus und Architekten ringen um Hagens Zukunft

Der Architekten- und Ingenieurverein und die Uni 50 Plus engagieren sich im Rahmen des Projekts Isek für die Stadtentwicklung in Hagen (von links): Johann Dieckmann (AIV), Friederike Demski (AIV) sowie Klaus Hirschberg (Uni 50 plus),

Der Architekten- und Ingenieurverein und die Uni 50 Plus engagieren sich im Rahmen des Projekts Isek für die Stadtentwicklung in Hagen (von links): Johann Dieckmann (AIV), Friederike Demski (AIV) sowie Klaus Hirschberg (Uni 50 plus),

Foto: Jens Stubbe

Hagen.   Ein Vision, ein Leitbild für Hagen soll her. Auch weil es künftig Voraussetzung ist, lukrative Fördermittel für die Stadt zu erschließen.

Es gab diese Idee, ein Leitbild für diese Stadt zu entwickeln. Geboren worden, so sagt Klaus Hirschberg, sei sie bei einer Seminarreihe der Uni 50plus, in der es um Stadtentwicklung und das Wohnen in den Hagener Quartieren gegangen sei. „Damals“, so formuliert es Hirschberg vorsichtig, „sind wir keine offenen Türen eingerannt.“

Dieses Damals liegt erst zwei Jahre zurück. Im Zusammenhang mit dem ISEK-Prozess (Integriertes Stadtentwicklungskonzept) ist nun aber vieles anders. Ein Vision, ein Leitbild soll her. Auch weil es künftig Voraussetzung ist, lukrative Fördermittel für die Stadt zu erschließen. Und die Uni 50plus um Hirschberg und der Architekten- und Ingenieurverein um Johann Dieckmann wollen sich in den Prozess einbringen.

Voraussetzungen in Hagen sind gut

„Wir sind froh, dass dieses Projekt nun startet“, stimmen Ex-Stadtbaurat Dieckmann und Hirschberg überein, die aber keinesfalls das Geschehen rund um das Projekt, das den integrierten Stadtentwicklungsprozess vorantreiben soll, kritiklos sehen.

Die Voraussetzungen in einer Stadt, in der die kommunale Immobilienwirtschaft eine große Rolle spiele und an Profit orientierte Wohnungsbauunternehmen im Vergleich zu anderen Städten wenige Immobilien besitzen würden, seien gut. „Das“, so Hirschberg, „ist ein riesiges Potenzial. Allerdings wird es für die Entwicklung von Quartieren nicht genutzt. Es fehlt an einer kooperativen Planung. Und es gelingt nicht, engagierte Bürger in den Stadtteilen zu beteiligen.“

Daneben, so heben Uni 50plus und AIV hervor, brauche es auch für die Stadtteile Gesamtkonzepte und keine unkoordinierten Einzelmaßnahmen.

„Wir brauchen engagierte Bürger und keine Wutbürger“, so Johann Dieckmann, „beim Thema Bürgerbeteiligung geht es nicht darum, dass der Bürgerwille, der ja auch nicht immer einheitlich ist, am Ende umgesetzt wird. Aber die Menschen müssen mit ihren Interessen und Vorschlägen doch ernst genommen werden.“

Dabei zielt Dieckmann auch auf das jüngste Beispiel Wehringhausen ab, wo sich engagierte Bewohner des Stadtteils gegen den Abriss eines ganzen Häuserblocks durch die Gemeinnützige Wohnstättengenossenschaft (GWG) ausgesprochen haben, an dessen Stelle jetzt ein Discounter und eine Kindertagesstätte entstehen sollen. „Der Abriss wird immer als alternativlos dargestellt. Aber es gibt durchaus Alternativen, die wiederum auch Konsequenzen haben. Das und die vorhandenen Gestaltungsspielräume muss man den Menschen offen und ehrlich aufzeigen. Man muss eine ergebnisoffene Diskussion wirklich wollen.“ Dass dann am Ende Politik unter Berücksichtigung aller Interessen und Aspekte über Projekte entscheide, sei keine Frage.

Übereinstimmend fordern die beiden Organisationen ein Begleitgremium, das den ISEK-Prozess steuere. „In dem müssen auch normale Bürger sitzen“, sagt Dieckmann und kritisiert gleichzeitig, dass die Ergebnisse aus bestimmten Fachforen zuerst in der Politik diskutiert, bevor sie veröffentlicht werden.

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