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Isra Indra – Europas einzige Messerwerferin lebt in Hagen

Messerwerferin Isra Indra zeigt ihr Können

Isra Indra (72), Europas einzige Messerwerferin, verbringt ihren Lebensabend in Hagen. Sie zeigt ihr Können, am Brett steht ihre Tochter Carmen Skrzybek (49).

Isra Indra (72), Europas einzige Messerwerferin, verbringt ihren Lebensabend in Hagen. Sie zeigt ihr Können, am Brett steht ihre Tochter Carmen Skrzybek (49).

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Hagen.   In ganz Europa gibt es keine Messerwerferin – außer Isra Indra. Die heute 72-Jährige lebt in Hagen. Wir haben mit ihr gesprochen.

Ihre Augen sind noch gut. Ihre Hand ruhig. Ihr Selbstbewusstsein überwältigend. Sie habe noch nie die Sorge geplagt, ihrer Tochter das Messer in den Leib rammen zu können, sagt Isra Indra (72): „Ich habe Vertrauen in meine Treffsicherheit. Das muss sein, sonst hätte ich diesen Beruf nicht ausüben können.“

Isra Indra ist Messerwerferin von Beruf. Die einzige Frau in diesem Metier in Europa. Zwar hat sie sich inzwischen auf einem abgelegenen Hof an der Ruhrtalstraße zur Ruhe gesetzt, doch kein Flackern ihrer Augen und kein Zittern ihrer Hände verrät irgendwelche Nervosität, als sie die Messer für den Zeitungsreporter noch einmal aus dem Koffer nimmt und auf ihre Tochter anlegt: „Gefährlich ist es ja nur für sie, nicht für mich“, sagt sie mit einer guten Portion schwarzen Humors: „Sie müsste dran glauben.“

Isra Indra, die ihren bürgerlichen Namen nicht nennen möchte, wurde in Nordhausen/Harz geboren, schon ihre Eltern waren Artisten und verdingten sich im Zirkus. Mit 16 kehrte sie ihrer Heimat den Rücken und zog mit dem bekannten Messerwerfer Jonny King, der mehr als nur ihr beruflicher Partner war, durch die Lande.

Als Zirkusse hoch im Kurs waren

Er warf, sie stand am Brett. Das Paar trat in Varietes auf, in Diskotheken, Schaubuden, Hotels, Kasernen und Autohäusern, auf Stadtfesten und Kirmessen. „Wir haben von unserer Kunst gelebt, und wir haben nicht schlecht davon gelebt“, erinnert sich Indra an jene internetlosen Zeiten, in denen Zirkusse und Artisten bei der Bevölkerung hoch im Kurs standen.

Lebensgefährte fordert sie auf, auch zu werfen

Eines Tages forderte ihr Lebensgefährte sie auf, die Seiten zu wechseln und es selbst mit dem Messerwerfen zu probieren. Anfangs polterten die Messer häufig zu Boden, weil sie sich nicht dazu durchringen konnte, mit der nötigen Wucht zu werfen, damit die Spitzen sich in das harte Holz bohren konnten: „Schließlich stand mein Mann da vor mir am Brett.“

Doch mit Fleiß, Talent und Überwindung gelang es ihr schließlich, einen Platz in der ausschließlich von Männern dominierten Welt der Messerwerfer zu ergattern. Höhepunkt war ein Auftritt in der Fernsehshow der ehemaligen Moderatorin Ilona Christen.

Nach dem Tod von Jonny King arbeitete Indra mit ihrer Tochter Carmen Skrzybek zusammen, die als gelernte Köchin zwar einen bürgerlichen Beruf erlernt hat, der jedoch auch das Künstlergen im Blut steckt. Nein, Angst habe sie nie gehabt, wenn ihre Mutter die schweren Messer zielgerichtet dicht neben ihrem Körper im Brett platziert habe: „Ich bin ja in diese Rolle hineingewachsen.“ Theoretisch könne natürlich einmal etwas schief gehen: „Es ist aber nie etwas schief gegangen.“

Die fetten Jahre der Varietekünstler, in denen Mutter und Tochter bisweilen auch als Schlangenbauchtänzerinnen mit dicken Pythons reüssierten, sind ohnehin vorbei. Heute zähle ja nur noch nackte Haut, Striptease und derlei Darbietungen, winken beide verächtlich ab: „Aber auch das wird vergehen, denn alles geht vorbei“, ist Isra Indra überzeugt.

Rückkehr ausgeschlossen

Eine Rückkehr auf die Bühne schließt sie aus. Fünf Enkel hat sie inzwischen und einen Urenkel: „Um die kümmere ich mich.“ Ein beglückender Lebensabend für Europas einzige Messerwerferin, die nur auf privaten Feiern bisweilen noch die Messer fliegen lässt. Oder natürlich, wenn Reporter vor der Haustür stehen.

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