Serie „So arbeitet Hagen“

IT-Tüftler aus Hagen hat den Bediener im Blick

Von klein auf tüftelt Luca Butera an Computern. Der Job des IT-Spezialisten zeigt aber heute immer mehr ein anderes Bild. Auf Außenterminen beim Kunden ist er mit lediglich ein paar USB-Sticks im Einsatz.

Von klein auf tüftelt Luca Butera an Computern. Der Job des IT-Spezialisten zeigt aber heute immer mehr ein anderes Bild. Auf Außenterminen beim Kunden ist er mit lediglich ein paar USB-Sticks im Einsatz.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen.  Als IT-Techniker steht für Luca Butera nicht etwa das Ladenlokal im Vordergrund, sondern er ist vor allem direkt vor Ort beim Kunden unterwegs.

Manchmal, da kann man einfach nichts anderes machen als das, was einem quasi schon das ganze Leben hindurch begleitet. Manchmal spüren die Leute das und halten einem unbewusst einen Spiegel vor. Der 39-jährige Luca Butera kann eine Geschichte davon erzählen. Luca­ Butera ist ein IT-Spezialist. „Und von klein auf habe ich mich für Computer begeistert“, beschreibt er. Schraubte herum an seinem Commodore 64, wie er stolz erzählt. Schrieb schon in einem Alter von elf Jahren seine ersten Programme für diesen. „Ich habe mir im Prinzip alles selbst beigebracht.“

Umweg über das Eiscafé

Natürlich folgte die Ausbildung des IT-Systemelektronikers. Erst arbeitete er auch in der IT-Branche. Dann beschloss er, ganz der Italiener der er ist, ein Eiscafé zu übernehmen. Vier Jahre lang ging es um Vanille und Schokolade statt Bits und Bytes. Was taten die Menschen? Sie schleppten trotzdem ihre PCs und Computerprobleme an. Bettelten um Hilfe beim Einrichten eines Netflix-Accounts oder des WLAN-Routers. Der Spiegel, der einem vorgehalten wird, er zeigte dem 39-Jährigen, „dass ich die IT vermisst habe.“ Irgendwann im Jahr 2014 auch Andreas­ Haupt-Warnecke – wenn auch nach dem Wunsch nach einem Becher Eis. „Du bist doch in der IT-Branche, weißt du nicht jemanden, der IT-Techniker sucht?“, habe er seinen heutigen Chef gefragt. Der lachte. Weil er gerade nach Verstärkung Ausschau hielt. Seitdem sind die beiden ein Team.

Mathematische Logik, binäre Systeme und die Freude am Tüfteln, am Entwickeln: Dies ist der Satz des Baukastens, mit dem Luca Butera von klein auf spielt und sich nun erneut beruflich beim Zweimannbetrieb AHW IT-Service verwirklicht. Auch wenn das Unternehmen in der Eilper Straße eine Werkstatt hat, gibt es kein Ladenlokal. IT-Techniker sind, so beschreibt es der 39-Jährige, heutzutage vornehmlich direkt beim Kunden im Einsatz. Bearbeitet werden ganz grob zusammengefasst Netzwerkausfälle oder -Probleme sowie Software- und Hardwareprobleme. Das Arbeitsgerät des IT-lers, mit dem er anno 2019 rausfährt, besteht aus ein paar USB-Sticks, auf denen Reparatur-Software aufgespielt ist. Vielleicht noch ein kleiner Schraubendreher, das war’s.

Problemlösung per Fernwartung

Einzelne Komponenten ließen sich leicht vor Ort wechseln. Oder per Fernwartung. „Theoretisch kann ich überall dort, wo ich eine Internetverbindung aufbauen kann, an einem Problem arbeiten“, erklärt Luca Butera. „Heute werden vielleicht 80 Prozent der Probleme per Fernwartung gelöst“, fügt er hinzu. Erst wenn ein Problem mit der Festplatte so komplex sei, dass die Gefahr bestehe, „beim Kunden direkt mehr Schaden anzurichten“, nehme er den Rechner zur Datenrettung besser mit.

Heute bekomme man Geräte vorgesetzt, die bereits vollkommen eingerichtet seien. Computer anschalten, den Konfigurationsprozess durchlaufen, fertig. „Das war früher natürlich anders“, schildert er. „Wenn ich ein Spiel spielen wollte, dann hatte ich mein Laufwerk, 25 Disketten und musste meinem Computer schon Befehle geben, was er machen sollte.“ Das Betriebssystem seines ersten PCs habe er als Schüler schon selber schreiben müssen, da einfach keines drauf war. „Das sind Welten zu heute“, betont er.

Die Menschen seien reine Bediener-Benutzer geworden, keine Entwickler mehr. Es gebe niemanden mehr, der heutzutage tüftle. „Sobald eine Frage aufkommt, klingelt bei uns schon das Telefon.“ Dann kämen häufig Sätze wie „Ich bin doof, ich weiß.“ „Nein, überhaupt nicht, sie sind Bediener, nicht dumm“, antworte er dann immer. Die Menschen von heute haben die technischen Fähigkeit, sich zu registrieren, wo es für sie erforderlich sei. „Für den Rest bin ich zuständig, davon leben wir ja auch.“

Knifflige Situationen

Geduld, das sei das A und O in seinem Job, findet Luca Butera. Gerade in kniffligen Situationen. Mit dem eigenen technischen Verständnis die Übersicht über die Prozesse zu behalten, Probleme einzugrenzen, nachdenken – und zwar ganz in Ruhe. Die Arbeit geschehe im Kopf – für das Auge unsichtbar. Habe sich der Kunde gemeldet und das Problem beschrieben, entwickelt der 39-Jährige IT-Spezialist schon während der Fahrt zum Kunden erste Strategien zur Lösung. „Der Kunde sieht vielleicht ein, zwei Klicks, die ich mache“, beschreibt Luca Butera. Die intensive Gedankenarbeit des Fachmanns bleibe ungesehen. Und damit zuweilen auch die Erkenntnis über den Arbeitsaufwand.

„Klar, bei meinem eigenen Rechner werde ich manchmal auch ungeduldig“, gibt er schmunzelnd zu. Beim Rechner des Kunden sei dies aber anders. „Da gibt es bei mir den Ehrgeiz, das Problem schnell zu lösen. Außerdem bin ich Südländer und dadurch sowieso schon entspannter, das hilft auch“, bemerkt er lachend. Man habe es eben mit vielen unterschiedlichen Menschen und Charakteren zu tun. So oder so, „das wirklich Geniale an diesem Job ist, dass es immer wieder rasend schnell etwas Neues gibt. Jeder bedient seinen PC anders und die Technik entwickelt sich immer weiter, bleibt nie stehen. Jeden Tag kommt etwas hinzu. Es bleibt spannend – dauernd.“

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