Naturschutz

Jagd auf Nutria wieder freigegeben

Hans de Myn und Dietmar Eggert dürfen die Nutria weiterhin bejagen.

Hans de Myn und Dietmar Eggert dürfen die Nutria weiterhin bejagen.

Foto: WP Michael Kleinrensing

Vorhalle.   Der Landschaftsbeirat hat die Jagdgenehmigung für Nutria und Bisamratte in der Kaisbergaue und an der Volmemündung erneuert.

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Auch mit den Stimmen aller Naturschutzverbände hat der Landschaftsbeirat die Jagdgenehmigung für Nutria und Bisamratte in der Kaisbergaue und an der Volmemündung erneuert. In dem Gremium bestand Einigkeit, dass der Bestand der ursprünglich in Südamerika beheimateten Tiere unbedingt dezimiert werden muss, um die streng geschützten Pflanzen, die die Kaisbergaue erst zum Naturschutzgebiet machen, zu bewahren. „Wir machen uns eine Genehmigung zum Abschuss nicht leicht“, so Ralf Rainer Braun, Leiter des Umweltamtes: „Aber alle Experten sind der Auffassung, dass es keine Alternative gibt.“

Explosionsartig vermehrt

Vor allem die Nutria, auch Biberratte oder Sumpfbiber genannt, hat sich an den Hagener Gewässern explosionsartig vermehrt und bereitet Naturschützern als auch Jägern große Sorgen. „Die Kaisbergaue mit ihren seltenen Pflanzen liegt mir sehr am Herzen“, so Hans de Myn, Vorsitzender des Hegerings Hagen-Nord und Besitzer weiter Flächen im Hagener Norden. Sein Jagdaufseher Dietmar Eggert schilderte den Mitgliedern des Landschaftsbeirates, dass die Nutria die Teiche am Zusammenfluss von Volme und Ruhr gänzlich kahlgefressen habe.

Erst nachdem die Jagd auf die Nagetiere erstmals freigegeben worden sei (2014 wurden 19, 2015 noch 13 Exemplare erlegt), hätten sich wieder Gewächse wie Froschbiss und Rohrkolben angesiedelt: „Wir waren begeistert.“ Auch Dr. Christian Hülsbusch, stellvertretender Vorsitzender des Landschaftsbeirates, hat sich in der Ruhraue Syburg, einem weiteren Landschaftsschutzgebiet, von der von den Nutrias ausgehenden Gefahr überzeugen lassen: „Sie unterhöhlen die Uferböschungen und treiben regelrechte Keile hinein.“ Sogar von einer Gefahr für die Dämme an Hengstey- und Harkortsee war die Rede. In Wetter sei ein Erddamm gefährdet, wusste Eggert zu berichten.

Die Europäische Kommission hat die Nutria auf die am 13. Juli erstmals veröffentlichte Liste invasiver, gebietsfremder Arten gesetzt. Die Vermehrungsrate der Tiere ist legendär, schon nach fünf Monaten sind sie geschlechtsreif, jedes Weibchen kann pro Jahr dreimal acht bis zehn Junge zur Welt bringen. Deshalb ist es auch unmöglich, den Bestand auszurotten, vielmehr soll die Bejagung dazu dienen, die Population einzudämmen, um Schaden von der seltenen Pflanzengesellschaft abzuwenden.

Die Erlaubnis zur Jagd auf die Pflanzenfresser ist diesmal zweieinhalb Jahre lang bis zum 31. März 2019 gültig. Anders als zuvor dürfen die Jäger die Tiere diesmal auch im Wasser erlegen, eine Verwechslung mit Bibern sei ausgeschlossen, so de Myn: „Erstens kommt der Biber hier nicht vor. Und außerdem können wir Jäger sehr wohl zwischen diesen Arten unterscheiden.“

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