Literatur

Joe Bausch liest im Hohenlimburger Werkhof

Der Gefängnisarzt und Schauspieler Joe Bausch im Werkhof.

Der Gefängnisarzt und Schauspieler Joe Bausch im Werkhof.

Foto: Frauke Höller

Hohenlimburg.   Gefängnisarzt und Schauspieler - jetzt ist Joe Bausch unter die Autoren gegangen. Das Hohenlimburger Publikum zeigte sich sehr angetan.

„Hohenlimburg. Ich muss sagen: ich bin oft vorbei gefahren, aber heute hat es sich gelohnt, mal abzufahren.“ So offen begrüßte Joe Bausch das Publikum im Kulturzentrum Werkhof zu seiner Lesung. Bausch ist Bestseller-Autor, Gefängnisarzt, Schauspieler und besonders bekannt aus dem Kölner „Tatort“ als Gerichtsmediziner. Im Werkhof präsentierte er sein neues Buch „Gangster Blues“, indem er Geschichten aus dem Gefängnisalltag erzählt.

Parallel zu seiner Arbeit als Gefängnisarzt in der JVA Werl spielte Bausch in viele Film-und Fernsehproduktionen mit. Dazu zählen die WDR-Produktion „Kriminalzeit“, der Kino-Tatort „Zahn um Zahn“ mit Götz George und seit 1997 seine regelmäßigen Auftritte als Gerichtsmediziner Dr. Joseph Roth im Kölner „Tatort“. Heute ist Joe Bausch pensioniert, seit 2018, und teilt sich regelmäßig mit Joachim Gauck und Carsten Maschmeyer die ersten Plätze in den Bestseller-Listen der erfolgreichsten Bücher Deutschlands.

Nachhaltig beeindruckt

In „Gangster Blues“ erzählt Bausch zwölf Geschichten aus dem Gefängnisalltag. „Ich wusste, ich will Geschichten erzählen“, sagte der Tatort-Schauspieler, „Geschichten, die mich nachhaltig beeindruckt haben.“ Fiktionalisiert erzählt er von sympathischen Senioren, die er stets als Wiederholungstäter im Gefängnis antraf, von Raubüberfällen mit einem Rollstuhl, von einem der wenigen Menschen, an dessen Unschuld er nie gezweifelt hat und von einem Täter, der plötzlich 70 Millionen Euro erbte und deshalb seinen Führerschein im Gefängnis mit einem Maserati machte.

Groteske Geschichten, bei denen stets die Frage nach passender Resozialisierung aufkommt. Denn Bausch weiß: „Im Gefängnis gibt es keinen Unterschied zwischen Friedensnobelpreisträger und Verbrecher. Alles Menschen. Aber für manche ist der Knast wie für andere ein Arbeitsunfall. Sie gehen wie in eine Reha und danach geht es weiter.“ Schließlich gibt es im Gefängnis heute andere Probleme als früher. Die Menschen haben keine Ausbildung, kommen aus bis zu 60 verschiedenen Nationen und sind in Parallelkulturen oder Clans aufgewachsen.

Seine Geschichten und Erzählungen trafen beim Publikum auf Lachen und Erschütterung. Katharina Janz sagte: „Mir hat es sehr gut gefallen. Er gefällt mir als Mensch so gut, weil er die Täter nicht als Täter, sondern als Menschen sieht.“

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